22.02.2019 - 19:17 Uhr
PirkOberpfalz

Alexander Radlbeck spricht Klartext über seinen Rücktritt: "Schlechtes Klima" im Gemeinderat Pirk

Alexander Radlbeck spricht über die Gründe seines Rücktritts als zweiter Bürgermeister von Pirk. Er kritisiert, dass Bürgermeister Michael Bauer nicht mehr mit ihm zusammengearbeitet hat und beklagt das schlechte Klima im Gremium.

Das zweitbeste Stimmenergebnis in Pirk hat Alexander Radlbeck bei der letzten Kommunalwahl 2014 geholt, und wurde prompt zweiter Bürgermeister. Nun tritt er von seinen Ämtern zurück.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

"Heute wird es ruhiger", versprach ein SPD-Ratsmitglied kurz vor der Pirker Sitzung am Donnerstagabend. Denn der vorangegangene Gemeinderat hatte in lautem Streit gegipfelt. Doch weit gefehlt. Zweiter Bürgermeister Alexander Radlbeck sorgte für einen Paukenschlag: Dem sichtlich überraschten Gremium teilte er mit, dass er nach fünf Jahren vom Bürgermeister-Amt zurücktritt und den Rat zum 28. Februar verlässt. Berufliche Herausforderungen, gibt der stellvertretende Leiter in der Energiebranche als Grund an. Im Interview erklärt der 48-Jährige jedoch auch: Streit und fehlendes Teamwork mit Bürgermeister Michael Bauer haben ihn in seinem Weggang bestärkt.

ONETZ: Wann ist Ihre Entscheidung zum Rücktritt gefallen?

Alexander Radlbeck: Seit September wurden erste Gespräche hinter den Kulissen geführt. Da haben meine Parteikollegen gesagt, ich solle mir das nochmal überlegen. Meine berufliche Belastung stieg durch mehr Verantwortlichkeiten jedoch seit Anfang des Jahres stetig an. Und was ich mache, will ich gescheit machen. Einfach nur hinsetzen und die Hand heben, ist nichts für mich. Das Rücktrittsschreiben habe ich am Samstag vor der Sitzung verfasst.

Bericht über den Streit im Gemeinderat

Pirk

ONETZ: Sie erklären, dass die Kultur im Gemeinderat zum Rücktritt beigetragen hat. Was meinen Sie damit?

Alexander Radlbeck: Meine Vorstellung von erfolgreicher Gemeindepolitik ist die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg. Für mich ist das ein Wettbewerb um die besten Ideen zum Wohl der Bürger. Das war die ersten zwei Jahre meiner Amtszeit wirklich so. Es gab einen Austausch zwischen erstem und zweitem Bürgermeister. Wenn es Probleme gab, hat man gemeinsam darüber gesprochen. Momentan ist da ein Klima im Gemeinderat, dass man nicht gern hingeht. Ich kann den Punkt nicht greifen, wann es gekippt ist. Aber plötzlich habe ich als zweiter Bürgermeister keine Informationen mehr bekommen. Uns wurden Infos vorenthalten, das war in der letzten Zeit auch beim Sportpark-Projekt so. Man hat gemerkt, der Bürgermeister will das alleine machen.

ONETZ: Bürgermeister Bauer wirft Ihnen öffentlich vor, aus Privatinteresse Gemeinderatsentscheidungen bezüglich des Bauprojekts der Firma von Michael Schwab getroffen zu haben. Was sagen Sie dazu?

Alexander Radlbeck: Bürgermeister Bauer macht oft Politik gegen die Bürger. Ich habe damals beim Anwohnerstreit um den Dorfplatz vermittelt und das hat geklappt. Das habe ich auch hier versucht. Ich dachte, wenn man ein gutes Verhältnis zu beiden Parteien hat, kann man vermitteln. Jetzt weiß ich, dass sowohl Bauer als auch Schwab mir durch das Verwandtschaftsverhältnis mit einem Anlieger nie eine neutrale Rolle abgenommen haben. Ich hab' mich jedoch immer selbst hinterfragt, ob ich für die Gemeinde handle. Insofern weise ich diese Unterstellung zurück.

ONETZ: Wie sehen Sie die Rolle des Bürgermeisters darin?

Alexander Radlbeck: Ein Bürgermeister muss ein Vermittler sein: Wenn wir die beteiligten Leute nicht abholen, dann bekommen wir keine Firma. Wenn der Bürgermeister diese Mediationsrolle nicht annimmt und in ein privates Anklageverfahren geht, dann scheitert das. Wir waren nicht schuld an der Verzögerung im Bebauungsplan zum Gewerbegebiet, sondern Mängel bei der Bewertung der Lärmschutzsituation. Ich bin überzeugt, dass wir kurz vor einer Einigung waren. Ich habe damals nicht verstanden, dass Schwab so früh die Segel gestrichen hat. Letztendlich hat er ja dann an seinem eigentlichen Wohnort Vohenstrauß die Firma errichtet.

ONETZ: Wenn die Situation nicht eskaliert wäre, wie lange hätten Sie noch weitergemacht? Hätten Sie die Kommunalwahl 2020 abgewartet? Viele sahen Sie als Bürgermeister-Kandidat.

Alexander Radlbeck: Es ehrt mich, wenn mir verschiedene Seiten diese Frage stellen. Es freut mich, dass meine bisherige Leistung anerkannt wird. Aber es war nie meine Absicht, Bürgermeisterkandidat zu werden. Das hätte ich zeitlich nicht mit meiner beruflichen Position in Einklang bringen können.

ONETZ: Was waren Ihre Höhepunkte nach fünf Jahren als zweiter Bürgermeister?

Alexander Radlbeck: Erst einmal finde ich wichtig, dass man sich selber nicht zu wichtig nimmt. An der Kommunalpolitik finde ich spannend, dass man sich mit anderen zusammensetzen und Visionen für die Gemeinde entwickeln und auch umsetzen kann. Der Dorfplatz war ein Highlight. Der große Knaller waren aber Constantia und der Sportpark: Ich habe initiiert, dass die Erweiterung von Constantia am Standort Pirk möglich war. Die Probleme einer Sanierung des Sportparks haben wir in dem Zug gleich mitgelöst. Ich bin es so gewohnt: Man denkt sich gemeinsam was aus, macht ein gutes Projekt, und feiert zusammen. Das hat leider im Gemeinderat zum Schluss komplett gefehlt. Teamwork ist wesentlich, da sollten manche einen Schritt zurücktreten und das bedenken.

ONETZ: Wer wird Ihr Nachfolger als stellvertretender Bürgermeister?

Alexander Radlbeck: Ich weiß nicht, wer sich als Kandidat aufstellen lassen will.

ONETZ: Sie sind Vorsitzender des VC Concordia Pirk. Wollen Sie da auch kürzer treten?

Alexander Radlbeck: Das hat damit nix zu tun. Sport und Freundschaften sind mein Ausgleich zum beruflichen Alltag.

Reaktionen: "Verbrannte Erde" und neue Wege:

„Das ist sehr schlimm, was hier gerade passiert“, kommentiert Georg Stahl die Situation im Pirker Gemeinderat und den Rücktritt Alexander Radlbecks. „Mit tut das im Herzen weh.“ Der Altbürgermeister und langjährige Vorsitzende der CSU Pirk kritisiert Bürgermeister Michael Bauer (Freie Wähler). Er habe Michael Schwab das Grundstück verkauft, ohne dass es einen Bebauungsplan für das Gebiet gab. „Das Grundstück war nicht baureif. Wenn ich so etwas als Bürgermeister mache, dann muss ich eine 100-prozentige Lösung anbieten, dann muss ich alle mitnehmen.“ Doch Anlieger hätten große Bedenken gehabt. Dass Gemeinderatsmitglieder da Kritik äußern, sei ganz normal. „Dass die CSU und SPD jetzt die Sündenböcke sind, ist nicht richtig. Der Bürgermeister und die Freien Wähler müssen sich selbst auf die Brust klopfen, was alles falsch gelaufen ist.“

Wie der Gemeinderat aus dieser Situation herauskommen will, das kann auch Stahl nicht absehen. „Das Klima ist vergiftet, die Erde ist verbrannt.“ Und im Hinblick auf die Kritik von Lorenz Gebert (Freie Wähler): „Wenn der Gebert das als Wahlkampf nutzen will, dann werden wir bestimmt nicht zuschauen.“

Bürgermeister Michael Bauer gibt sich zum Rücktritt von Radlbeck eher verhalten. Auf die Frage, wie er die Zusammenarbeit empfand, antwortet er: „Wenn man das letzte halbe Jahr wegnimmt, war sie gut.“ Dass die Kultur im Gemeinderat schlecht ist, sehe er nicht so.

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