13.02.2019 - 16:10 Uhr
PirkOberpfalz

Gemeinsam mit Hirn verpacken

"Egal wer kommt oder geht, seit 1920 sind und bleiben wir Pirkmühler", unterstreicht Josef Bock das Selbstvertrauen der Beschäftigten bei Constantia Pirk. Horst Ott spricht von einem erfolgreichen Weg vom Familienunternehmen zum Konzern.

Betriebsrat und Gewerkschaftsvertreter nennen die Beteiligung auch an unternehmerischen Prozessen einen wichtigen Beitrag für den Erfolg der Constantia Pirk. Von links: Betriebsratsvorsitzender Bernhard Rohl, die stellvertretende Leiterin des Vertrauenskörpers Sandra Hösl, der Leiter des Vertrauenskörpers Josef Bock, Betriebsrat Hans Wirth und Horst Ott von der IG Metall.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Dass die Firma heute so dastehe, wie es die Geschäftsführung beschrieb, sei auch ein Verdienst von Mitarbeitern, Betriebsrat und Gewerkschaft, ist der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg überzeugt. Gemeinsam habe man für Themen gerungen und gekämpft, die weit über das übliche einer Interessenvertretung hinausgingen. "Wir haben uns eingemischt, was und wo produziert wird. Wir haben Investitionen in die Tarifverträge hineingeschrieben." Ott spricht von einer Benchmark auch für andere Unternehmen. "Es ist ungewöhnlich, dass man sich so in klassische Arbeitgeberthemen einbringt."

So habe es eine Zeit gegeben, in der man in der Pirkmühle die Ausbildung wie in anderen Firmen in den 1990er Jahren einstampfen wollte. Problem: Im Haustarifvertrag war eine zehnprozentige Ausbildungsquote festgeschrieben. "Das war gegen jeden Geschäftsführerverstand", blickt der Leiter des Vertrauenskörpers und damalige Betriebsratsvorsitzende Bock zurück. "Aber es hat Constantia gestärkt."

Fähige Eigengewächse

Manche ehemaligen Azubis hätten zwischenzeitlich die auf flexible Verpackungen spezialisierte Firma verlassen. Manche kommen zurück und bringen Erfahrungen von auswärts mit. "Wir haben fähige Eigengewächse bis hinein in die Geschäftsführung." Heuer erwarte man den 900. Auszubildenden, freut sich nicht nur Betriebsrat Hans Wirth. Noch seien aber nicht alle Stellen für den Nachwuchs besetzt. Immer wichtiger werde das Duale Studium. Nicht nur Betriebsratsvorsitzender Bernhard Rohl sieht darin die Chance, "Talente an unseren Landstrich zu binden".

Auch im aktuellen Tarifvertrag ist eine Beschäftigungssicherung für mindestens 675 Mitarbeiter plus zehn Prozent Auszubildende festgeschrieben. Die Klausel für die Vereinbarkeit von Familien und Beruf läuft weiter, und es gibt eine Investitionszusage für die Zylinderfertigung, nennt Ott nur ein paar besondere Punkte, die bis 2023 lange festgeschrieben sind.

Möglich sei dies nur durch eine große Zahl an Gewerkschaftsmitgliedern unter den Beschäftigten - Bock: "Es gab Jahre, da war die Krankheitsrate höher als die der Nichtorganisierten" - und eine Kultur, sich einbringen zu wollen. "Ob Constantia Gewinn macht oder nicht, ist mir erst einmal egal. Aber wenn wir nicht erfolgreich sind, haben wir die Arbeitsplätze nicht", nennt der IG Metall-Bevollmächtigte seinen Beweggrund, warum ihm der Erfolg der Constantia eben doch am Herzen liegt. "Uns geht es um die Leute, dass sie ein Auskommen haben."

Die Zukunft werde nicht einfacher. Ott spricht von einem "Transformationsprozess in affenartiger Geschwindigkeit in allen Bereichen". Beispiel gefällig? "Wenn Sie einen Turnschuh gekauft haben, wurde der irgendwo in Asien produziert, geliefert, anprobiert und an der Kasse im Laden bezahlt. Jetzt gehen Sie zu Puma in Herzogenaurach, lassen ihren Fuß vermessen, der Schuh wird in einer speziellen Maschine gefertigt und ihnen drei Stunden später zugeschickt. Bezahlung online."

Es werde nichts schlechter, sondern anders. Ott: "Wenn wir uns hier weiter gemeinsam clever einsetzen, besteht eine irre Chance auch für die Constantia." Der technische Fortschritt kommt, ist sich der Gewerkschaftsexperte sicher. "Wenn wir mitgestalten und uns im Vorfeld einbringen, können wir etwas bewirken."

Roboter statt Schmerzen

Mit Verweis auf den Roboter beim Rollenschneiden verweist Bock auf solche Veränderungen in der Pirkmühle. Vor einigen Jahren bedeutete ein Attest wegen Rückenbeschwerden für den Mitarbeiter in diesem Bereich den Weg zum Arbeitsamt. Jetzt könne er weiterarbeiten und eine Maschine bedienen.

Wenn sich die Beschäftigten von der Produktion bis zur Forschung und Entwicklung für ihre Firma einschwören, sei das ein wichtiger Indikator, dass es auch in 10 und 15 Jahren noch funktioniere. "Damit haben wir rund 860 Hirnmassen im Betrieb", schmunzelt Bock mit Bezug zu kontinuierlichen Verbesserungsprozessen, an denen sich die Constantia-Mannschaft sehr gut beteiligt. "Mitdenken zahlt sich aus."

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