Es ist zwei Uhr nachts, als der gerade mal sechs Monate alte Maximilian unruhig wird, sein Gesichtchen verzieht und zu jammern beginnt. Nur wenige Augenblicke später raschelt im Elternschlafzimmer ein Federbett, schon greifen behutsam zwei Hände nach dem Baby, es wird hochgehoben, gekost, beruhigt, sanft gewiegt und schnell mit geübten Griffen gewickelt. Schließlich bekommt es noch eine Nachtmahlzeit.
Bereits ein paar Minuten später ist Maximilian wieder eingeschlafen, die Flasche mit Milch hat er bis auf einen kleinen Rest geleert. Die gleichen Hände, die ihn vor ein paar Minuten aus dem Bett geholt und umsorgt haben, legen ihn jetzt zusammen mit seinem Lieblingsschnuffeltuch zurück in seine Wiege. Im Schlafzimmer herrscht wieder Ruhe. Maximilians Vater drückt dem Kleinen noch einen Kuss auf die Schläfe, schleicht dann zurück zu seinem Bett, zieht sich nach der kurzen nächtlichen Unterbrechung die Decke über die Schultern und schläft wieder ein.
Variante Basiselterngeld
Maximilians Vater, das ist Florian Hör aus Plärn bei Erbendorf (Landkreis Tirschenreuth), 31 Jahre alt, beschäftigt bei der Deutschen Bahn und seit vier Monaten zu Hause in Elternzeit. „Wir haben die Variante ,Basiselterngeld' gewählt, bei der sich die Eltern 14 Monate Betreuungszeit frei untereinander aufteilen können“, erklärt der junge Vater, während er nebenbei mit einer kleinen Rassel die Aufmerksamkeit des Babys einfängt, das gerade auf dem Schoß seiner Mama sitzt.
Eine sehr gute gesetzliche Regelung – eigentlich. Von einer Halbe-Halbe-Aufteilung ist man in der Realität jedoch noch weit entfernt: Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) aus dem Jahr 2022 zeigt, dass mehr als die Hälfte der Väter überhaupt keine Elternzeit nimmt. Doch auch von den Vätern, die sie in Anspruch nehmen, wird in drei von vier Fällen nur der Mindestzeitraum von zwei Monaten Elterngeld bezogen.
Stichwort: Beförderungsbremse
Gründe für diese Entscheidung junger Paare gibt es viele: die Sorge der Väter um den Arbeitsplatz oder um das berufliche Fortkommen. Stichwort: Beförderungsbremse. Die Sorge der Väter, überfordert zu sein mit der vollen Verantwortung für das Baby. Aber allem voran die nicht unbegründete Sorge, dass es finanziell sehr eng wird. Denn nach wie vor ist der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen beachtlich.
Aber unabhängig von den Gründen, die Väter dazu bewegen, nur zwei Monate Elternzeit zu nehmen, profitieren in der Regel alle Mitglieder der kleinen Familie von einer ausgewogen verteilten Elternzeit. Der Papa von Maximilian sagt, wohl auch stellvertretend für andere Väter: „Es ist doch auch ein Stück Gleichberechtigung. Ich habe genauso Anspruch darauf, dass ich den Kleinen aufwachsen sehe, wie eine Frau.“ Und: „Ich glaube, dass es für das Kind einfach gut ist, mehrere Bezugspersonen zu haben. Meine Frau und ich haben verschiedene Lebensgewohnheiten. Ganz egal, ob nun Papa oder Mama zu Hause ist, es bedeutet für ihn Abwechslung, es ist Veränderung. Ich glaube, dass das dem Kind gut tut.“
Neue Einheit Mutter-Vater-Kind
Und auch die frisch gebackenen Mamas schätzen die positiven Seiten der Elternzeit für Väter. Anja, Maximilians Mutter, die seit März wieder 32 Stunden pro Woche (Teilzeit in Elternzeit) arbeitet, sagt: „Ich finde es schön, dass er jetzt gerade den Florian als Hauptbezugsperson sieht. Diese von früher herrührende starre Einheit Mutter-Kind wird durch die verteilte Elternzeit aufgebrochen, die neue Einheit heißt jetzt Mutter-Vater-Kind.“ Und: „Wenn man sich zu gleichen Teilen einbringt, so hat das noch einen weiteren positiven Effekt. Keiner wird benachteiligt, keiner ist gezwungen, seine Hobbys und Interessen aufzugeben, nur weil er allein verantwortlich ist für das Kind.“
Wie wichtig ist für Babys die Beziehung zu ihren Vätern? Wie profitieren sie von der Zeit, in denen sich ihr Vater zur Hauptbezugsperson entwickelt? Evelyn Friedberger ist Diplom-Psychologin und leitet in Fichtelberg (Landkreis Bayreuth) eine Praxis für psychotherapeutische Kurzzeitbehandlungen. Sie weiß, wie wichtig die Bindung zum Vater ist: „Jeder Mensch und besonders unterschiedliche Geschlechter haben unterschiedlichen Einfluss auf die Kinder. Damit ist der Grundstein für die Vielfalt von späteren Reaktionsmöglichkeiten gegeben, die der Mensch hat. Und ein Mensch, der die Wahl hat, kann sich vielfältiger helfen.“
Kind lernt von Mama und Papa
Friedberger erklärt anhand eines praktischen Beispiels, was sie damit meint. „Zum Beispiel sagt die Mama zum Baby, das sich gerade an einer schwierigen Stelle hochziehen will: 'Vorsicht, Vorsicht, das kannst du noch nicht', weil sie Angst hat, dass etwas passiert, und sie schützt so das Kleine vor Gefahr. Der Papa sagt dagegen: 'Los probier!', weil er sein Kind für die eigenen Fähigkeiten neugierig machen will, Stolz entwickeln will.“ So lernt das Kind von der Mama, dass man Grenzen hat, dass es Gefahren gibt. Aber gleichzeitig vom Papa, es zu versuchen, dass Fehlversuche auch Spaß machen, dazugehören.
Ist nun der Papa oder die Mama in dieser Zeit wichtiger? „Beide sind wichtig. Würde einer von beiden fehlen, fehlen wichtige Erfahrungen“, ist Friedberger überzeugt. Und noch eine Sache stellt die Diplom-Psychologin klar: Obwohl Experten davon ausgehen, dass in der Regel bei Kleinkindern die Mutter-Kind-Beziehung – besonders wenn die Mutter anfangs stillt – enger und wichtiger ist als die Vater-Kind-Beziehung, bleibe doch eines unbestritten: Für die Töchter ist der Papa der wichtige erste Kontakt zum männlichen Geschlecht. Sie registrieren sehr schnell: ‚Das Lob vom Papa ist anders! Er ist anders!‘ Und für die Söhne ist der Vater ein Vorbild für ihr eigenes Geschlecht. Er zeigt, wie ein Mann zu sein hat. Lacht er oft? Ist er vor dem Kind auch mal traurig? Kann er Fehler und eigenes Unvermögen eingestehen? "Der Papi ist für den Sohn für lange Zeit der wichtigste Mann in seinem Leben. Und auch Babys verfügen bereits über feine Antennen für die verschiedenen Verhaltensweisen von Mama und Papa", sagt Friedberger.
Eltern sollen Partner sein
Und wenn sich nun junge Paare für eine andere Aufteilung entscheiden? Ist das dann negativ zu bewerten? Die Therapeutin schüttelt den Kopf. "Natürlich haben auch andere Modelle, wie zum Beispiel die klassische Rollenverteilung, nach wie vor ihre Daseinsberechtigung." Eines sei aber dabei wichtig, nämlich sich als Partner in den eingenommenen Rollen zu achten. "Wenn dadurch Harmonie entsteht, wenn eine Vielfalt an Einflüssen und an Lernmöglichkeiten für das Kind vorhanden ist, wenn genug Liebe vorhanden ist, so sind das Eckpfeiler einer gesunden Entwicklung.“
Maximilian ist mit seinen sechs Monaten die Meinung von Experten zum Thema "Frühkindliche Bindung zum Vater" nicht besonders wichtig. Nachdem er eine ganze Weile auf dem Schoß seiner Mama mit einem Greifring gespielt hat, streckt der Kleine jetzt die Arme nach seinem Papa aus und gibt damit zu verstehen, dass er auf seinen Schoß möchte.
Sein Wunsch wird umgehend erfüllt, Maximilian lehnt sich entspannt zurück, beginnt an der Flasche zu nuckeln und schaut dabei seinem Papa unverwandt in die Augen. Der erwidert liebevoll – um nicht zu sagen verliebt – den Blick seines Sohnes, hebt dann für einen Moment den Kopf, zuckt mit den Achseln, lächelt und sagt: „Er findet uns halt einfach beide toll!“
Elterngeld
- Elterngeld gibt es in den Varianten Basiselterngeld, Elterngeld Plus und Partnerschaftsbonus – diese können miteinander kombiniert werden.
- Den Eltern stehen gemeinsam insgesamt 14 Monate Basiselterngeld zu, wenn sich beide an der Betreuung beteiligen und den Eltern dadurch Einkommen wegfällt.
- Sie können die Monate frei untereinander aufteilen. Ein Elternteil kann dabei mindestens zwei und höchstens zwölf Monate für sich in Anspruch nehmen.
- Über das Elterngeld hinaus haben beide Elternteile Anspruch auf insgesamt drei Jahre Elternzeit. Jenseits der Elterngeldmonate ist diese Zeit jedoch unbezahlt.
- (Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend BMFSFJ)
- Weitere Familienleistungen in Bayern:
- Seit 1. September 2018 gibt es Bayerisches Familiengeld. Mehr Informationen auf https://www.zbfs.bayern.de/familie/familiengeld/index.php
- Seit 1. Januar 2020 gibt es Bayerisches Krippengeld. Mehr Informationen auf https://www.zbfs.bayern.de/familie/krippengeld/index.php




















Ihre Hintergrundinformation ist, was Bayern betrifft nicht richtig. Während der zwei Jahre Elternzeit die über die ersten 12 Lebensmonate des Kindes hinaus gehen sind Eltern eben nicht unbezahlt sondern können 250 bzw. 300 Euro (ab dem dritten Kind) Bayrisches Familiengeld erhalten. Diese Leistung ersetzt das ehemalige Landeserziehungsgeld. Es ist also weiterhin möglich sein Kind bis zum dritten Lebensjahr weiterhin selbst zu erziehen, ohne es in einer Erziehungseinrichtung abgeben zu müssen, wo es fremd erzogen werden würde.
Ich bitte dies zu ergänzen.
Quelle: https://www.stmas.bayern.de/familiengeld/#:~:text=Die%20Eltern%20werden%20mit%20250,7.200%20Euro.
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Hallo Andrea,
Vielen Dank für deinen Hinweis. Der Inhalt war nicht falsch, nur nicht ganz ausführlich dargelegt. Wir haben die Infos jetzt ergänzt.
Viele Grüße!
Kira
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