21.02.2021 - 12:31 Uhr
PleysteinOberpfalz

Diskussion über neue Wehranlage für Zottbach

Die Wasserkraft des Zottbaches wird seit jeher genutzt. Das soll aber bald noch besser gelingen. Dank einer neuen Wehranlage, über die durchaus kontrovers diskutiert wird.

Links neben dem Busch am Ufer befindet sich der Eichpfahl. Es ist die Stelle, an der das Altwasser des Zottbaches am nähesten vorbeifließt. Im Altwasser soll das Stauwehr errichtet werden, um das Wasser dann in den Triebswerkskanal einzuleiten. In der Berglerschleif (im Hintergrund) wird das Wasser zur Stromerzeugung mittels Turbine genutzt.
von Walter BeyerleinProfil

Im Altwasser des Zottbaches zwischen der Triebwerksanlage Trutzhofmühle und dem Berglerwerk soll eine neue Wehranlage errichtet werden. Der wirtschaftliche Hintergrund der Maßnahme: Das Wasser soll von dort in den Werkkanal eingeleitet werden, um dann die gesamte Wassermenge in der Berglerschleif besser nutzen zu können.

Bürgermeister Rainer Rewitzer trug in der Stadtratssitzung die sogenannten „Benutzungstatbestände“ nach den Bestimmungen des Wasserhaushaltsgesetzes und des Bayerischen Wassergesetzes vor, für die die Saller GbR wasserrechtliche Bewilligung und für die Veränderungen am Gewässer selbst die Planfeststellung beantragt hat. Rund 1,7 Kilometer südlich von Pleystein soll diese Wehranlage zum Aufstau des Zottbaches gebaut werden. Mit der Errichtung der Fischaufstiegshilfe, auch Fischtreppe genannt, wird den Interessen der Fischerei Genüge getan. Die Fische können über die Fischtreppe vom Altwasser in den Werkkanal oder umgekehrt wandern. In der Berglerschleif soll wie bereits bisher Strom erzeugt werden.

Als der stille Zottbach zum reißenden Fluss wurde

Pleystein

Der Blick in die Geschichte der Berglerschleif zeigt, dass dort in relativ weiter Entfernung zum Triebwerk seit dem Jahr 1872 im Werkkanal ein Eichpfahl vorhanden ist, der wiederum die Höhe des zulässigen Gewässerstaus vorgibt. Seit seiner wasserrechtlichen Genehmigung aus dem Jahr 1923 wird die Wasserkraftanlage Berglerschleif ohne eigenen Aufstau im direkten Anschluss an den Unterwasserkanal der Trutzhofmühle betrieben. Das bedeutet für die Betreiber der Anlage an der Berglerschleif aus ihrer Sicht von der von „oben“ abgeleiteten Wassermenge aus der Trutzhofmühle abhängig zu sein. Deshalb plant die Saller GbR die Erteilung der wasserrechtlichen Bewilligungen für den Aufstau des Zottbaches beim neuen Wehr und für das Einleiten des aufgestauten Wassers in den Triebwerkskanal. Für die erforderlichen Gewässerausbaumaßnahmen wird die Planfeststellung beantragt.

In der anschließenden Aussprache lehnt Uli Weig (SPD/FWG) eine Erhöhung des Wasserspiegels im Werkkanal ab. Josef Windirsch (CSU) sieht bei einer Erhöhung des Wasserspiegels Probleme für die landwirtschaftliche Nutzung der angrenzenden Felder. Claudia Poxleitner (SPD/FWG) erinnert daran, dass bereits Stau- und Triebwerksanlagen am Zottbach bestehen und über Probleme bei deren Betrieb nicht bekannt seien. Außerdem müsse über die wasserrechtliche Genehmigungsfähigkeit nicht die Stadt Pleystein, sondern das Landratsamt entscheiden. Andrea Lang (CSU) macht dem Gremium deutlich, dass die Stadt Pleystein nur aus ihrer Sicht als Anlieger eine Stellungnahme abzugeben hat. Bürgermeister Rainer Rewitzer bestätigt diese Einschätzung mit dem Hinweis, dass seitens der Oberlieger und Grundstückseigentümer bereits Stellungnahmen abgegeben wurden.

In ihrer Stellungnahme verweist die Stadt Pleystein auf die Erneuerung des Hauptsammlers zur Entwässerung der landwirtschaftlichen Grundstücke im Jahr 2018 sowie auf die Befürchtung von Vernässungen infolge des Aufstaus und somit einer Beeinträchtigung des Abflusses des Dränwassers. Für die Stadt ergeben sich auch Bedenken, dass eine hochwasserfreie Zufahrt zum Grundstück nicht möglich ist, so dass die Betriebssicherheit der Wehranlage mit den technischen Einrichtungen nicht gewährleistet werden kann. Um alle mit den Bauwerksanlagen verbundene Auswirkungen dauerhaft zu dokumentieren, wird seitens der Stadt eine dauerhafte Pegelmessung am Eichpfahl angeregt. Die beabsichtigte Wehranlage verändere das Abflussgeschehen, das Strömungsbild und die Strömungsvielfalt sowie die Abfluss- und Geschiebedynamik. Außerdem werde der Sedimenttransport im Gewässersystem behindert und die biologische Durchgängigkeit des Gewässers gestört.

Der Inhalt der Tischvorlage mit den Stellungnahmen der Stadt wurde bei der Gegenstimme von Claudia Poxleitner zum Beschluss erhoben.

Info:

Die Kraft des Zottbachs

  • Die Wasserkraft des Zottbaches wird nachweislich seit dem 14. Jahrhundert genutzt.
  • Nutzung des lebhaften Gewässers von seinem Verlauf in der jetzigen Tschechischen Republik bis zur Pfreimd südlich von Lohma.
  • Bis zur Grenze bei Waldheim heißt das Gewässer Zollbach, danach Zottbach.
  • Die Stau- und Triebwerksanlagen entlang des Zottbaches auf Georgenberger und Pleysteiner Seite nutzen die Wasserkraft zur Stromerzeugung.

Brücke über Zottbach: Ein Millionen-Projekt

Pleystein
Matthias Schreml, Juniorchef der Firma Ludwig Schreml, Trutzhofmühle, liest am Meterstab einen aktuellen Überstau gegenüber dem zulässigen Pegel von rund 20 Zentimeter ab.

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