27.03.2020 - 09:47 Uhr
PleysteinOberpfalz

Als der stille Zottbach zum reißenden Fluss wurde

Das Bild zeigt die Marienstatue an der Unglücksstelle am Zottbach bei der unteren Bartlmühle.
von Autor TUProfil

Am Freitag, 13. Juli 1955, herrschte bereits gegen Mittag eine drückende Hitze bei voller Windstille über Pleystein. Um 14 Uhr zogen pechschwarze Gewitterwolken auf, die jedoch im Westen vom Galgenberg und im Osten vom Fuchsenberg zurückgehalten wurden. Ein drittes Gewitter zog in der Senke des Zottbachtals von Waldheim über Georgenberg heran. Heftige Blitze mit furchtbarem Donner und gewaltigen Regengüssen entluden sich im Kessel des Zottbachtales. Innerhalb einer Stunde fielen pro Quadratmeter 130 Liter Regenwasser.

Dadurch schwoll der Zottbach zu einem 50 Meter breiten Fluss an. Die Besitzer der oberen Bartlmühle, die Familie Josef Bauer, öffneten die Stauschleusen, um die Fluten etwas abzusenken. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Zottbach, der normal 1000 Liter pro Sekunde Wasser fördert, bereits eine Masse von 25 000 Liter pro Sekunde zu bewältigen. Die Männer der oberen Bartlmühle gingen anschließend zur Schleuse der unteren Bartlmühle, um den Arbeitern der Glasschleife und der Glaspoliere u helfen. Dabei war das Wasser, das durchschritten werden musste, bereits einen halben Meter hoch.

An der Schleuse waren der Poliergeselle und Schleifermeister Josef Gaach, der damals 55 Jahre alt war, mit dem Öffnen des Wehres beschäftigt. Im selben Moment rutschte Josef Gaach auf den nassen Brettern des Wehrsteges aus. Der Geselle jedoch konnte die Schiebertafel alleine nicht mehr halten, sodass Gaach kopfüber in die Fluten stürzte. Der Verunglückte wurde durch den Strudel unter den Steg durchgerissen und tauchte nach 20 Metern mit dem Rücken nach oben für einige Sekunden wieder auf. Die Männer versuchten, dem Verunglückten Holzstangen zuzureichen. Er kam jedoch nicht mehr an die Wasseroberfläche. Nach einer Stunde war der Regenguss vorbei, und es herrschte heller Sonnenschein.

Nach einer weiteren Stunde war der Zottbach auf fast normale Wassermenge abgesunken. Zu diesem Zeitpunkt machten sich die Männer, die am Zottbach wohnten, auf die Suche nach dem Vermissten. Gaach wurde in einer Seitenaue beim Berglerwerk durch Schleifermeister Josef Friedl vom Finkenhammer gefunden. Zum Andenken an Gaach haben die Eheleute Anna und Heinrich Bauer von der Bartlmühle an der Unglücksstelle in einem hohlen Baum eine Marienstatue hinter Glas ausgestellt, die die Wanderer zu einem kurzen Verweilen einlädt.

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