11.03.2021 - 16:31 Uhr
PleysteinOberpfalz

Impf-Skandal in Pleystein: Pflegeheim-Geschäftsführer beendet sein Schweigen

Der Geschäftsführer des Pleysteiner Pflegeheims, in dem Unregelmäßigkeiten bei einer Impfaktion aufgetreten sind, erklärt erstmals die Vorgänge. Das Rechtsdezernat der Stadt Weiden bleibt jedoch beim Vorwurf der Impfdrängelei.

Im Pflegeheim "Wohnen am Kreuzberg" in Pleystein sind Personen geimpft worden, die laut Priorisierung noch nicht an der Reihe gewesen wären. Nun meldet sich der Geschäftsführer zu Wort.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Nachdem die Impfdrängelei im Pleysteiner Pflegeheim "Wohnen am Kreuzberg" am Dienstag Thema in der Stadtratssitzung war, meldet sich Geschäftsführer Manfred Voit rund zwei Wochen nach Bekanntwerden der Vorgänge zu Wort. "Vorausschicken möchte ich, dass unser Pflegeheim das erste Heim war, in dem geimpft wurde. Wir haben uns an den uns vorliegenden Leitfaden gehalten. Es wurden keine Personen auf Grund ihrer Familienzugehörigkeit geimpft. Diese Personen arbeiten fast täglich im Pflegeheim als Therapeuten und gehören somit zur Priorisierungsgruppe 1."

In seiner schriftlichen Stellungnahme heißt es weiter: "Es haben sich keine Personen als 'Kurzzeitpflegekräfte' ausgegeben, noch wurden sie so angemeldet. Im Übrigen ist mir dieser Begriff nicht bekannt, noch ist er in der Altenpflege gebräuchlich. Es wurden keine falschen Angaben zu Personen gemacht."

Der Geschäftsführer habe keinerlei Arbeitsverträge oder Bescheinigungen im Zusammenhang mit der Impfung ausgestellt. "Die im Vorfeld vorgelegten Bescheinigungen stehen im Zusammenhang mit den Impfleitfaden, Personen, die in stationären Einrichtungen für ältere oder pflegebedürftige Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind."

Auch Ehrenamtliche in erster Gruppe

Voit erklärt, dass von offizieller Seite darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass die Priorisierungsgruppe 1 alle erfasst, "die im ständigen Umfeld der Altenpflege tätig sind", also auch Ehrenamtliche, die sich in Seniorenheimen in der Betreuung einbringen. "Alle Bewohner und Pflegekräfte, die geimpft werden wollten und konnten, wurden geimpft", betont der Geschäftsführer. "Die zum Schluss noch offenen Impfdosen wurden auf Anraten des Impfteams und mit dessen Rücksprache verimpft. Alle angemeldeten Bewohner und Pflegekräfte wurden vorher geimpft. Sofern der Eindruck entstanden ist, wir hätten an Impfdrängler verimpft, möchte ich mich dafür entschuldigen."

Der Geschäftsführer weist darauf hin, "dass auf Grund unseres umsichtigen Handelns und unserer hauseigenen strengen Hygienemaßnahmen, die zum Teil über die gesetzlich Vorgaben hinaus gehen, sowie unseres Pandemieplans, seit Beginn der Pandemie weder ein Coronafall eingeschleppt wurde, geschweige Corona-Tote in unserem Pflegeheim zu beklagen sind." Nach den Statistiken vom Robert-Koch-Institut seien von 72.000 Coronatoten 29.000 in den Pflegeheimen mit oder an Corona verstorben. Man sehe dadurch die enorme Leistung, die das Pflegeheim Pleystein mit seinem Personal dahingehend geleistet habe.

Unregelmäßigkeiten bei Impfaktion in Pleysteiner Pflegeheim

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Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien meint Voit ergänzend, dass ein Impfarzt ihm gegenüber erklärte, dass er sich nicht grämen solle. So wie in seiner Einrichtung geimpft worden sei, laufe es überall ab. "Sieben bis acht Impfdosen bleiben öfter mal übrig", so der Geschäftsführer. Manche Senioren, die sich für eine Impfung angemeldet hatten, würden sich auch mal umentscheiden und dann auf ihre Spritze verzichten. In der Einrichtung stehe noch eine weitere Impfaktion an.

Rechtsdezernat bleibt bei seiner Bewertung

Oberpfalz-Medien fragte beim zuständigen Rechtsdezernat der Stadt Weiden nach, wie die Stellungnahme von Voit nun einzuordnen sei, schließlich hatte die Pressestelle vor zwei Wochen den Vorwurf der Impfdrängelei einwandfrei bestätigt. In der aktuellen Antwort schreibt Pressesprecher Norbert Schmieglitz am Donnerstag: "Unsere Beantwortung Ihrer Presseanfrage (...) vom 23. Januar behält ihre Gültigkeit." Darin hieß es unter anderem: "Ja, es ist richtig, dass einzelne Personen, die genaue Anzahl ist uns nicht bekannt, im benannten Pflegeheim geimpft worden sind, indem sie sich als Kurzzeitpflegekräfte ausgegeben haben. Die Anspruchsberechtigung kann durch falsche Angaben der Personen oder unwahr ausgestellte Bescheinigungen durch die Einrichtung erschlichen werden."

BRK-Kreisgeschäftsführer Sandro Galitzdörfer, Leiter des Impfzentrums, erklärt auf Anfrage: "Wir fragen vor jeder Impfaktion ab, wie viele Heimbewohner und Bedienstete sich impfen lassen wollen. Und genau diese Anzahl an angeforderten Impfdosen nehmen wir mit." Galitzdörfer spricht von "ein, zwei Impfdosen, die übrigbleiben können", weil Bewohner erkrankt sind oder im Krankenhaus liegen. In diesen Fällen werde aber zuallererst in den Reihen der noch nicht geimpften Bediensteten der Einrichtung und der weiteren Heimbewohner nachgefragt. Jedem Geimpften werde ein Impfbogen vorgelegt, den er unterzeichnen müsse.

CSU-Stadtratsfraktion fordert Aufklärung

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In Sachen nachträglicher Ermittlung von eventuellen Impfdränglern hat der BRK-Geschäftsführer eine klare Meinung: "Wir sind nicht die Polizei. Wir müssen uns schon auf die Angaben des Pflegeheims verlassen können. Unser Ziel ist es, die Impfungen in den Heimen so schnell wie möglich durchzubringen. Und das ist uns bislang sehr gut gelungen." Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfe er die Impfbögen im Nachhinein gar nicht weiter einsehen. Diese Dokumente mit sämtlichen Angaben hinsichtlich beruflicher Indikation, Vorerkrankungen und der jeweiligen Unterschrift würden den Kreisverwaltungsbehörden vorliegen. Im Fall Pleystein sei laut Galitzdörfer einem Impfarzt aufgefallen, dass es dort eventuell Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Ob in der Sache noch weiter ermittelt werde, dazu verweist Galitzdörfer zurück an die Stadt Weiden: Das müssten die Juristen dort beantworten.

"Sofern der Eindruck entstanden ist, wir hätten an Impfdrängler verimpft, möchte ich mich dafür entschuldigen."


Manfred Voit, Geschäftsführer des Pflegeheims "Wohnen am Kreuzberg"

Hintergrund:

Was bisher geschah

  • 22. Februar: Erste Vorwürfe werden laut: Im Pleysteiner Pflegeheim "Wohnen am Kreuzberg" sollen sich knapp 20 Personen als "Kurzzeitpflegekräfte" ausgegeben haben, um sich im Januar eine Corona-Impfung zu erschleichen.
  • 23. Februar: Der Pressesprecher der Stadt Weiden, die federführend für das Impfzentrum zuständig ist, bestätigt auf Anfrage von Oberpfalz-Medien Unregelmäßigkeiten bei der Corona-Impfung in der Pleysteiner Einrichtung.
  • 25. Februar: Pleysteins Bürgermeister Rainer Rewitzer fordert von den Impfdränglern eine Entschuldigung und von den Verantwortlichen Antworten. Die Heimleitung schweigt weiterhin.
  • 25. Februar: Die Stadt Weiden erklärt, dass offenbar "eine Lücke in der Impfverordnung geschickt genutzt worden" sei und kündigt als Konsequenz einen genaueren Blick auf die Arbeitgeberbescheinigungen an. Eine strafrechtliche Verfolgung droht den Impfdränglern nicht.
  • 9. März: CSU-Fraktionschef Josef Windirsch macht mit deutlichen Worten den Vorfall in der Sitzung des Pleysteiner Stadtrats zum Thema. Impfdrängler müssten sich öffentlich entschuldigen, die Heimleitung endlich Stellung beziehen, so seine Forderung.
  • 10. März: Einer, der vom Pflegeheim zu der Impfaktion eingeladen worden war, ist Stadtpfarrer Pater Hans Ring. Gegenüber Oberpfalz-Medien schildert der Geistliche, der allwöchentlich für Gottesdienste oder zur Krankensalbung in der Einrichtung ist, aus seiner Sicht das Geschehen am 14. Januar.

 

 

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