23.02.2021 - 17:14 Uhr
PleysteinOberpfalz

Impfdrängler auch in Pflegeheim in Pleystein

Auch im Landkreis Neustadt/WN gibt es ein Problem mit Impfdränglern: Im Pleysteiner Pflegeheim "Wohnen am Kreuzberg" haben sich einige Personen als "Kurzzeitpflegekräfte" ausgegeben, um sich eine Corona-Impfung zu erschleichen.

Im Pflegeheim "Wohnen am Kreuzberg" in Pleystein sind mehrere Personen geimpft worden, die laut Impfverordnung noch nicht an der Reihe gewesen wären.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Nach dem Schwandorfer Elisabethenheim ist es nun auch im Pleysteiner Pflegeheim "Wohnen am Kreuzberg" zu Unregelmäßigkeiten bei der Corona-Impfung von Pflegekräften gekommen. Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien bestätigte der Pressesprecher der Stadt Weiden, Norbert Schmieglitz, am Dienstag: "Ja, es ist richtig, dass einzelne Personen, die genaue Anzahl ist uns nicht bekannt, im benannten Pflegeheim geimpft worden sind, indem sie sich als Kurzzeitpflegekräfte ausgegeben haben. Die Anspruchsberechtigung kann durch falsche Angaben der Personen oder unwahr ausgestellte Bescheinigungen durch die Einrichtung erschlichen werden."

Hinweise auf Umfeld der Heim-Verantwortlichen

Oberpfalz-Medien hatte nach mehreren Hinweisen auf Impfdrängler im Umfeld von Heim- und Geschäftsführung, sowie Wohnbereichs- und Personalleitung bei den betreffenden Stellen und Behörden nachgefragt. Weder das Landratsamt Neustadt/WN als zuständige Behörde der Stadt Pleystein noch das BRK Weiden, das das Impfzentrum Weiden-Neustadt/WN leitet, sahen sich in der Pflicht oder in der Lage, Auskunft zu geben. Zuständig für derlei Fragen sei das Dezernat "Recht, Umwelt, Sicherheit und Ordnung" der Stadt Weiden, das federführend für das Impfzentrum zuständig ist. Hier ließ die Stellungnahme nicht lange auf sich warten.

Impf-Skandal in Schwandorfer Pflegeheim

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Wohl bis zu 20 Impfdrängler

Nach NT-Informationen könnte es sich um knapp 20 Personen handeln, die sich auf diesem Wege vorzeitig eine Impfung gesichert haben sollen, obwohl sie laut der Priorisierungsvorgabe der Impfverordnung (siehe Infokasten) noch nicht an der Reihe gewesen wären. Das Einzugsgebiet der Gruppe beschränkt sich dabei nicht auf die Großgemeinde Pleystein. Auch durchaus junge Familienmitglieder der Verantwortlichen sind offenbar zum Zug gekommen.

Kommentar zum Impf-Skandal in Pleystein

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Bescheinigung der Einrichtung entscheidend

Die Frage, ob es nicht bereits im Vorfeld hätte auffallen müssen, dass sich unter den Impfkandidaten Personen befinden, die nicht zum Pflegepersonal gehören, beantwortet der Pressesprecher: "Das ist kaum möglich, da das Personal, das in den Einrichtungen tätig ist, den Mitarbeitern im Impfzentrum bis auf einzelne Ausnahmen nicht bekannt ist." In der Pflicht seien eindeutig die Pflegeeinrichtungen: "Personal, das zum Beispiel in Alten-/Pflegeeinrichtungen tätig ist, hat zum Nachweis seiner Anspruchsberechtigung eine Bescheinigung der Einrichtung vorzulegen, das heißt der Arbeitgeber, die Heimleitung, hat die Priorisierung der benannten Person zu bescheinigen und damit die Zuständigkeit zu prüfen. Wird diese vorgelegt, wird die betreffende Person auch geimpft, es sei denn, dass Missbrauch offenkundig ist. Weiterführende Kontrollen oder Nachweispflichten sieht die geltende Impfverordnung nicht vor und würden eine schnelle flächendeckende Impfung der Bevölkerung auch nicht ermöglichen."

Noch offene Fragen

Die Pressestelle der Stadt Weiden kann nach den Ermittlungen bislang also bestätigten, dass es Unregelmäßigkeiten bei der Corona-Impfung gegeben hat. Es könne sogar gesagt werden, dass sich die Personen als sogenannte "Kurzzeitpflegekräfte" ausgegeben haben, wobei dieser Begriff in der Altenpflege übrigens nicht geläufig ist. Nicht klar sei hingegen, um wie viele Impfdrängler es sich handle und ob die "tatsächlichen" Pflegekräfte der Pleysteiner Einrichtung bereits komplett geimpft worden sind. Diese letzte Frage müsse man den Verantwortlichen des Pflegeheims stellen.

Verantwortliche nicht zu erreichen

Manfred Voit und Dr. Hans Kirschsieper waren als Geschäftsführer und Heimleiter für eine Stellungnahme und eventuellen Klärung des Vorgangs am Dienstag nicht zu erreichen.

Info:

Corona-Impfverordnung des Gesundheitsministeriums: Wer hat höchste Priorität bei der Schutzimfpung?

  • Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben.
  • Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind.
  • Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen.
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem sehr hohen Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus tätig sind, insbesondere auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten, als Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, in den Impfzentren sowie in Bereichen, in denen für eine Infektion mit dem Coronavirus relevante aerosolgenerierende Tätigkeiten durchgeführt werden.
  • Personen, die in medizinischen Einrichtungen regelmäßig Personen behandeln, betreuen oder pflegen, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus besteht, insbesondere in der Onkologie oder Transplantationsmedizin.

Schwandorfer Oberbürgermeister nimmt Stellung

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