22.03.2021 - 15:51 Uhr
PleysteinOberpfalz

Vohenstraußer Arzt fordert Aufklärung im Pleysteiner Impfskandal

Obwohl im Fall des Impfskandals in einem Pleysteiner Pflegeheim Aufklärung nötig wäre, winken die offiziellen Stellen ab: Die Sache ist strafrechtlich nicht relevant und wird nicht weiter verfolgt. Ein Vohenstraußer Arzt sieht das anders.

Der Impfskandal im Pflegeheim "Wohnen am Kreuzberg" in Pleystein beschäftigt unter anderem den Vohenstraußer Mediziner Dr. Heinrich Gref und etliche seiner Patienten.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Dr. Heinrich Gref ist stocksauer. Nach den Enthüllungen und Erklärungen zu den Unregelmäßigkeiten bei einer Impfaktion im Pflegeheim "Wohnen am Kreuzberg" in Pleystein meldete er sich bei Oberpfalz-Medien, um seinen Unmut - auch im Namen etlicher seiner Patienten - kundzutun. "Da ich außer den Anfangsnachrichten keine weiteren Mitteilungen gelesen habe, vermutete ich, dass diese Angelegenheit unter dem Teppich verschwinden sollte. Ich fragte deswegen beim Bürgermeister Herrn Rewitzer in Pleystein über den Sachstand der Ermittlungen nach. Dessen Mitteilungen in der Stadtratssitzung in Pleystein haben dann letztlich, nach langem Schweigen, zu zwei Erklärungen geführt."

Der 76-jährige noch praktizierende Arzt ist entsetzt: "Die Stellungnahme des Geschäftsführers des Pflegeheims 'Wohnen am Kreuzberg' Manfred Voit ist gekennzeichnet durch Ausreden und vom Inhalt her falsch. Welchen Anteil an der Pflege zum Beispiel hat ein weiterer Investor des Pflegeheims? Er spricht von sieben bis acht Impfdosen, die übrig geblieben seien. Dies erklärt nicht 20 unrechtmäßige Verabreichungen von Impfstoffen. Die Aussage, dass überhaupt Impfstoffe übrig geblieben wären und deswegen an nicht Berechtigte verimpft wurden, ist nicht nur mir, sondern allgemein in der Bevölkerung völlig unverständlich und das zu einem Zeitpunkt, wo zum Beispiel im Klinikum Weiden noch nicht geimpftes Personal verzweifelt bis zur psychischen und körperlichen Erschöpfung und mit häufig unzureichenden Schutzmitteln, den Tod von vielen Mitbürgern abzuwenden versuchte. Man kann davon ausgehen, dass im Impfzentrum genügend Impfberechtigte registriert waren, die auch kurzfristig für eine Impfung zur Verfügung gestanden hätten."

Im Schwandorfer Fall prüft die Heimaufsicht

Schwandorf

Mangel an Unrechtsbewusstsein

Gref moniert: "Ein Problem ist das Erschleichen von Impfungen durch nicht Priorisierte. Besonders bedauerlich ist, dass wie auch im Falle der Erklärung des Stadtpfarrers nur Gründe zur Rechtfertigung an den Haaren herbeigezogen werden und sich hierbei ein gravierender Mangel an Unrechtsbewusstsein bei den Erklärenden zeigt. Ich hoffe, dass entsprechende Ermittlungen durchgeführt werden und die Wahrheit dieses Skandals der Öffentlichkeit kundgetan wird. Wie ich von vielen Patienten weiß, wird auf die Klärung der Vorfälle gewartet." Das Mindeste, was man erwarten könne, so Gref, sei eine Entschuldigung. Diese Verfehlung zeige, dass sich die Gesellschaft offenbar grundsätzlich in eine falsche Richtung entwickle, was Moral und Anstand betreffe.

Oberpfalz-Medien schickte bereits vor einigen Tagen eine erneute Anfrage an die Pressestelle der Stadt Weiden. Weiden ist federführend zuständig für das Impfzentrum der Stadt und des Landkreises. Nachdem der Leiter des Impfzentrums in Weiden, BRK-Kreisgeschäftsführer Sandro Galitzdörfer, in einem Interview mit Oberpfalz-Medien erklärt hatte, dass für weitere Ermittlungen in diesem Fall die Juristen der Stadt Weiden zuständig seien, landete das Schreiben beim Rechtsdezernat. Pressesprecher Norbert Schmieglitz antwortete kurz und bündig: "Für uns ist die Angelegenheit erledigt, da diese weder straf- noch ordnungsrechtlich verfolgt werden kann."

Kein weiteres Einschreiten

Auch an die Heimaufsicht im Landratsamt Neustadt/WN ging eine schriftliche Anfrage von Oberpfalz-Medien, ob es neue Erkenntnisse gebe. In einem vergleichbaren Fall in Schwandorf, bei dem sich im Elisabethenheim 20 Personen Impfungen erschlichen hatten, stellt die zuständige Heimaufsicht eigene Ermittlungen an. Die Staatsanwaltschaft Amberg ermittelt dort wegen zweier Anzeigen: eine vom Landratsamt wegen Betrugs und aller anderen infrage kommenden Straftaten, eine von einer Privatperson. Der Neustädter Landratsamtssprecher Marcel Weidner hingegen verweist in seiner Antwort auf den Pressesprecher der Regierung der Oberpfalz: "Wie Ihnen bereits richtigerweise von Herrn Roth, Regierung der Oberpfalz, mitgeteilt wurde, ist die Heimaufsicht am Landratsamt Neustadt/WN in erster Linie für die Sorgeleistung des Wohls der Heimbewohner zuständig. Hinsichtlich der Hinweise zu den Unregelmäßigkeiten bei den Corona-Schutzimpfungen ist seitens der Heimaufsicht daher kein weiteres Einschreiten vorgesehen. Bisher ist bei der Heimaufsicht im Landratsamt Neustadt/WN auch erst der eine, bereits in den Medien bekanntgemachte Hinweis zu den Ungereimtheiten bei den Impfungen in Pleystein eingegangen. Jedoch wurde der Vorfall durch die Polizei an die Staatsanwaltschaft zur weiteren Prüfung weitergegeben."

Erklärung des Geschäftsführers Manfred Voit

Pleystein

Erster Polizeihauptkommissar Martin Zehent, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Vohenstrauß, bestätigt, dass er der Staatsanwaltschaft Weiden den Fall hinsichtlich einer weiteren Prüfung vorgelegt habe. "Ich habe gefragt, ob eine strafrechtliche Relevanz vorliegen könnte", so Zehent. Dies sei vom Leitenden Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer verneint worden. Schäfer erklärte am Montag: "Wir sehen bislang keinen hinreichenden Anfangsverdacht auf eine Straftat." Der Oberstaatsanwalt erklärt, dass es sich eventuell um eine Täuschung handeln mag. "Aber was wird dadurch bewirkt? Es handelt sich nicht um einen Vermögensschaden. Die Vorgänge sind mit bisherigem Strafrecht nicht zu fassen. Würde es den Straftatbestand Impfdrängelei geben, dann wären wir dabei", so Schäfer. "Auch wenn einem das nicht unbedingt gefällt, aber das ist nicht unser Job."

"Ich hoffe, dass entsprechende Ermittlungen durchgeführt werden und die Wahrheit dieses Skandals der Öffentlichkeit kundgetan wird."

Dr. Heinrich Gref

Dr. Heinrich Gref

 

 

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