15.07.2021 - 12:56 Uhr
PlößbergOberpfalz

Behindertenbeauftragte wollen gehört werden

Die Behindertenbeauftragten des Landkreises Tirschenreuth üben Kritik: Sie bemängeln unter anderem zu wenig Mitspracherecht bei kommunalen Bauvorhaben.

Bürgermeister Lothar Müller (links) zeigte den Behindertenbeauftragten im Landkreis unter anderem die neue Liftanlage im Rathaus.
von Ulla Britta BaumerProfil

Kein bisschen Zuspruch und Hilfeleistung vonseiten der Politik für Behinderte während der Pandemie und zu wenig Mitspracherecht im kommunalen Bauwesen: Diese beiden Kritikpunkte waren unter anderem Diskussionsthemen beim Treffen der Behindertenbeauftragen im Landkreis Tirschenreuth in Plößberg. Vor der Aussprache führte Bürgermeister Lothar Müller die etwa 20 Männer und Frauen durchs Rathaus.

Plößberg hat tief in die Taschen gegriffen und im Rahmen einer Sanierung auch für viel Barrierefreiheit gesorgt. Entstanden ist hinter dem Rathaus eine Treppen- und Aufzugsanlage, die den Bürgern mit Handicap nun das Betreten von der Rückseite aus direkt ab dem Parkplatz leichter ermöglicht. Noch sei nicht alles fertiggestellt, erklärte Müller. Stolz präsentierte er zudem den Treppenlift, der wegen einiger Innentreppen, die im Rathaus Abteilungen überbrücken, mehrere Ebenen gleichzeitig bedienen kann.

Kritik an Krisenstab und Kommunen

Im Kultursaal nahmen dann die Behindertenbeauftragten Platz. Ernst wurde es, als der Kreisbehindertenbeauftragte Reinhard Schön nach der offiziellen Verabschiedung des ehemaligen Sozialamtsleiters Wolfgang Jäger die Gruppe zur Diskussionsrunde aufforderte. Martina Sötje aus Tirschenreuth übte scharfe Kritik am Krisenstab des Landratsamtes und an den Kommunen während der Pandemie. Man habe die Behinderten in dieser Zeit schlichtweg vergessen, klagte sie. „Es hat sich kein einziges Mal jemand bei uns gemeldet und nach unseren Bedürfnissen gefragt. Wir wurden nicht eingebunden.“

Sie habe sich hilflos allein gefühlt und oftmals bei Anfragen von Behinderten nicht gewusst, was sie tun oder sagen solle. In ihren Tenor stimmten einige Behindertenbeauftragte aus dem Landkreis mit ein. Aus Bärnau kam Positives. Dort habe man, so Beauftragter Josef Zant, während Corona bei der Nachbarschaftshilfe mitgewirkt und damit auch den Behinderten helfen können. Reinhard Schön beschwichtigte, denn die Pandemie habe alles und alle überfordert. Keiner habe gewusst, wie vorzugehen sei.

Zu späte Beteiligung

Als weiteren Kritikpunkt stellten die Anwesenden in den Raum, dass sie zu wenig bei kommunalen Bauvorhaben eingebunden würden. Es käme kaum etwas an bei ihnen. Außer, dass sie zu Stellungnahmen gebeten würden. Allerdings oftmals erst, wenn die Pläne längst fertig seien. „Dann ist es zu spät für wirklich sinnvolle behindertengerechte Baumaßnahmen“, lautete der Tenor einiger Anwesender. Schön regte an, öfter im Rathaus beim Bürgermeister nachzufragen und sich regelmäßig einzumischen.

Bei dem Treffen wurde auch die neue Sozialamtsleiterin Judith Sollfrank in der Runde begrüßt. In die Fußstapfen von Wolfgang Jäger zu treten, sei eine große Herausforderung, sagte Sollfrank. Jäger und Schön baten die Behindertenbeauftragten, Judith Sollfrank dasselbe Vertrauen entgegenzubringen wie ihrem Vorgänger. "Ich freue mich, dass sie meine Nachfolgerin wurde", sagte Jäger.

Gesetzesentwurf zur Stärkung der Barrierefreiheit: Es hagelt Kritik

Weiden in der Oberpfalz
Das Treffen der Behindertenbeauftragten begann diesmal hinter dem Rathaus von Plößberg. Dort wollte Bürgermeister Lothar Müller den Gästen zuerst den neuen, barrierefreien Hintereingang mit flexibler Liftanlage präsentieren, wofür viel Geld investiert wurde.
Herzlich verabschiedete der Kreisbehindertenbeauftragte Reinhard Schön den ehemaligen Sozialamtsleiter Wolfgang Jäger (v. li.) mit einem kleinen Geschenk und den besten Wünschen für den Ruhestand.
Bürgermeister Lothar Müller präsentierte sein Plößberg als leistungsstarke Marktgemeinde im Landkreis, die mit einem starken Mix an Wirtschaftskraft krisensicher dasteht.
Kreisbehindertenbeauftragter Reinhard Schön riet den Anwesenden, wegen kommunalen Baumaßnahmen regelmäßig beim Bürgermeister vorzusprechen und zu fragen, ob Bedarf an einer Beratung zur barrierefreien Baumaßnahme vorliege.

„Es hat sich kein einziges Mal jemand bei uns gemeldet und nach unseren Bedürfnissen gefragt. Wir wurden nicht eingebunden.“

Martina Sötje zur Einbindung der Behindertenbeauftragten in der Coronazeit

 

 

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