27.08.2021 - 11:38 Uhr
PlößbergOberpfalz

Mit dem Rennrad bis nach Saint Tropez

Die 950 Kilometer von Wildpoldsried in Kempten nach St. Tropez sind eine respektable Tour - noch dazu mit dem Rennrad. 13 Männer und eine Frau stellten sich der Herausforderung.

Die komplette Truppe außer Peter Gold (stehend von links) Rainer Hecht, Markus Preisinger, Rudi Böhm, Karl Siller Gerd Biebl, Sabine Sollfrank, Lothar Müller, Stephan Löw, Hubert Beinrucker, Rainer Weiss, Christian Konz, Josef Reger und Bernd Büsching sowie (vordere Reihe von links) die Begleiter Klaus Müller, Magdalena Müller, Annika Müller, Marina Preisinger, Siegfried Sollfrank und Rennradfahrer Ralph Zimmermann.
von Florian TrißlProfil

Fünf Tage im August hatte Organisator Lothar Müller eingeplant. Und der Spaß sollte nicht auf der Strecke bleiben. "Doch es kam vieles anders", blickt der Plößberger Bürgermeister auf das Erlebnis zurück. So fiel der Hauptbegleitbus schon auf der Hinfahrt nach rund 300 Kilometern aus. Erste Umplanung. Das dritte Fahrzeug, ein Kleinbus brachte nach und nach alle zum Startort in Wildpoldsried.

Der erste Etappen-Tag führt die Gruppe durchs Allgäu und das Tannheimer Tal zum Hahntennjoch (ca. 1900 Meter über N.N.), der höchsten Bergetappe dieser Tour. Dann ging es hinab nach Imst im Inntal und dem Tal flussaufwärts folgend bis nach Pfunds zur ersten Übernachtung. Tag zwei führte in die Schweiz durchs Engadin. Ein Teilnehmer brauchte ein neues Vorderrad, da das alte "durchgebremst" war. Das Begleitteam erledigte die Ersatzteilbeschaffung. Weiter ging es über St. Moritz und den Malojapass hinunter zum Comer See. In Varenna wurde mit der Fähre übergesetzt nach Bellagio. Die restlichen 20 Kilometer dieser Tagesetappe ging es an schönen Straßen entlang des Sees bis zum Ziel Faggeto Lario.

Mit Rückenwind in die Po-Ebene

Der dritte Tag begann mit ebenso schönen Straßen bis nach Como. Die Stadtdurchfahrt wollte irgendwie nicht enden. Schließlich ging es dann mit Rückenwind und ganz leicht bergab in die Po-Ebene mit hoher Geschwindigkeit. Die Kilometer flogen nur so dahin. Auch Dank eines starken vorausfahrenden Teilnehmers, der aber am Ziel Acqui Termi aufgrund fehlender Flüssigkeit etwas angeschlagen war. Ziel der vierten Etappe war Sanremo. Zunächst führte der Weg weiter durchs Piemont und anschließend nach Ligurien. Beim ersten Teil waren einige Höhenmeter zu überwinden. Dabei war es einmal so steil, dass ein Teilnehmer, als er auf das Rad wieder aufsteigen wollte, einfach umfiel, da er keinen Halt in seinen Pedalen fand.

Danach wurden die Auf- und Abfahrten in einer landschaftlich ansprechenden Gegend etwas moderater. Bevor es ans Meer ging musste nochmal ein Pass mit rund 1000 m über N.N. überquert werden. In einer Zwischenabfahrt zog es dem Teilnehmer, der zuvor umgefallen war, den Hinterreifen in einer Linkskehre weg. Nach kurzer "Ganzkörperbremsung" am Asphalt landete er im straßenbegleitenden Farnbewuchs. Das Begleitteam verarztete den Pechvogel, der mit Schürfwunden und Prellungen lädiert war. Nach kurzer Auszeit im Bus konnte er die Tour fortsetzen.

Traumhafte Abfahrt

Es folgte eine traumhafte Abfahrt zum Meer, die in Finale Ligure endete. Dann ging es an der Küstenstraße entlang bis Sanremo. Dort wollten sieben Personen die Weiterfahrt ins Hochrisikogebiet Frankreich nicht vornehmen. Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto am Meer teilte sich die Truppe. Die Rückreise für die Heimkehrer mit der "Bimmelbahn" und einer Zwischenübernachtung war eine kleine Odyssee. Aber alle kehrten wohlbehalten in die Heimat zurück.

Die restliche Truppe nahm den Weg nach St. Tropez auf sich. Zunächst ging es durch quälende Stadtdurchfahrten. Um Monaco folgte schöne Bergstraßen mit tollen Aussichten. In Nizza an der Strandpromenade entlang führte der Weg zur Raststation. Wie immer hatte das Begleitteam alles gut vorbereitet. Die Radler konnten sich mit Suppe mit Bratwursteinlage, Kaffee und Kuchen, belegten Broten, Powerriegeln und Getränken stärken. Und nun ging es noch gut 100 Kilometer nach St. Tropez. Aber schon kurz nach dem Start folgte ein technischer Defekt bei einer elektronischen Schaltung, dann nach 14 und nach 15 weiteren Kilometern jeweils ein platter Reifen. "Wenn es läuft, dann läuft es," dachten sich die verbliebenen Teilnehmer. Doch die Schäden konnten schnell behoben werden. Die Sportler hatten auf den Radwegen an der Küste freie Fahrt, der Begleitfahrzeug kam aufgrund des Verkehrs nicht bis St. Tropez durch. Am Ziel wurden auch ein paar Erinnerungsfotos an der Gendarmerie, bekannt aus "Der Gendarm von St. Tropez" mit Luis de Funes, gemacht. Dann ging es zum Hafen und mit dem Schiff zurück nach St. Maxime. Dort durfte die Truppe einen erholsamen Tag verbringen. Der Abend klang aus mit einem französischen Picknick und dem Rückblick auf eine bewegte Tour, bei der viel anders lief, als geplant war. Nach 15-stündiger Heimfahrt waren alle wieder glücklich zu Hause. Doch "nach der Tour ist vor der Tour" und die Rennradbegeisterten um Lothar Müller planen schon die nächsten Fahrt quer durch Europa.

2019 führte die Radtour nach Danzig

Plößberg
Hintergrund:

Mit dem Rad nach Polen, London und Rom

  • Mitte August fuhren Teilnehmer aus der nördlichen Oberpfalz, aus Waldsassen, Plößberg, Weiden und Vohenstrauß, mit den Rennrädern 950 Kilometer bis nach St. Tropez.
  • Umsorgt wurden die Rennradbegeisterten von einem Begleitteam aus fünf Personen mit zwei Fahrzeugen.
  • Seit 2007 organisiert Lothar Müller die Radtouren, Ziele waren unter anderem Rom, London, Danzig oder die Partnerstadt Plößbergs in Polen.

"Es kam vieles anders als geplant."

Radtour-Organisator Lothar Müller

 

 

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