12.12.2018 - 06:53 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Polizei geht bei Angriff in Straßburg von Terror aus

Bei einer Schießerei in Straßburg sind drei Menschen getötet und zwölf verletzt worden. Der Täter ist noch auf der Flucht. Teile der Stadt sind abgeriegelt, der Amberger Abgeordnete Ismail Ertug muss im Europaparlament ausharren.

Das Standbild aus einem Video zeigt Rettungswagen an einem Weihnachtsmarkt. Bei einem Angriff in der Gegend des Straßburger Weihnachtsmarktes mit Toten und mehreren Verletzten geht die Polizei von einem terroristischen Hintergrund aus.

(dpa/jrh/esa) Bei dem Zwischenfall in der Nähe des Straßburger Weihnachtsmarkts hatte es am Abend Schüsse gegeben. Dabei sind drei Menschen dabei getötet, mindestens zwölf verletzt worden, wie Frankreichs Innenminister Christophe Castaner am frühen Morgen mitteilte. Zuvor war Straßburgs Bürgermeister Roland Reis von vier Toten ausgegangen. Der mutmaßliche Täter ist noch auf der Flucht.

Bei dem mutmaßlichen Angreifer handelt es sich nach Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP um eine Person, die als radikalisiert gilt. Die AFP meldete unter Berufung auf die Polizei, der vermutlich radikalisierte Mann sei vor seiner Flucht von Soldaten verletzt worden. Laut dem Sender France Info entkam er mit einem Taxi, das er gestohlen hatte.

Der Mann, 29 Jahre alt und in Straßburg geboren, sei auf der Sicherheitsakte "Fiche S" geführt worden, einer Liste von Personen, die verdächtigt werden, radikalisiert zu sein, meldete die Agentur am Dienstagabend unter Berufung auf die Präfektur.

Nach dem Anschlag in Straßburg

Deutschland und die Welt

Mutmaßlicher Täter sollte am Dienstagmorgen verhaftet werden

Laut dem Minister war der mutmaßliche Täter bereits wegen Delikten in Frankreich und Deutschland verurteilt worden. Der Angreifer sollte nach Medienberichten eigentlich am Dienstagmorgen verhaftet werden. Wie der Sender France Info am Dienstagabend unter Berufung auf Polizeiquellen berichtete, war der Mann jedoch nicht zu Hause. Demnach wird ihm versuchter Mord vorgeworfen.Wie Innenminister Castaner zuvor sagte, ist der Tatverdächtige den Behörden wegen – nicht näher bezeichneter – krimineller Taten bekannt.

Ismail Ertug muss im Europaparlament ausharren

Ismail Ertug filmt in Straßburg

Nach Schüssen werden Bewohner gebeten, zuhause zu blieben. Das Europaparlament in der elsässischen Metropole abgeriegelt worden. Niemand dürfe das Gebäude verlassen, Mitarbeiter seien per Handy-Kurznachricht oder Mail gewarnt worden, teilte eine Parlamentssprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag mit. Davon betroffen war auch Ismail Ertug, Europaabgeordneter aus Amberg. "Wir sind wohlauf, kommen aber nicht raus", teilte er unserer Redaktion mit. "Ich wollte gerade wegfahren“, sagte der Politiker am Telefon, „aber die Sicherheitsleute lassen keinen mehr raus.“ Der Oberpfälzer musste sein Fahrzeug im Innenhof abstellen und zusammen mit vielen Kollegen erst einmal ausharren, bis sich die Lage geklärt hat. Erst am frühen Mittwochmorgen durften Abgeordnete und Mitarbeiter sich auf den Heimweg machen.

Anti-Terror-Spezialisten ermitteln

Das Pariser Innenministerium sprach ohne weitere Details von einem "schwerwiegenden Ereignis der öffentlichen Sicherheit". Die Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Die Untersuchung wurde unter anderem dem Inlandsgeheimdienst DGSI übergeben, wie Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur in Paris bestätigten. In der Nacht hat Präsident Emmanuel Macron ein Krisentreffen einberufen.

Die Regierung ließ nach dem Anschlag die höchste nationale Sicherheitswarnstufe ausrufen. Das bedeute verstärkte Kontrollen an den Grenzen des Landes, erläuterte Castaner. Auch Weihnachtsmärkte würden stärker kontrolliert. Am Grenzübergang zu Deutschland kontrollierte die Polizei am Abend Autos, die von Deutschland nach Frankreich fuhren, wie eine dpa-Reporterin berichtete. "Wir verstärken (...) aktuell die Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze in diesem Bereich", teilte die Bundespolizei Baden-Württemberg auf Twitter mit.

"Meine Gedanken sind bei den Opfern der Schießerei in Straßburg, die ich mit großer Entschiedenheit verurteile", schrieb EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker im Kurznachrichtendienst Twitter. Straßburg sei eine symbolische Stadt für den Frieden und die europäische Demokratie. "Werte, die wir immer verteidigen werden." Die EU-Kommission stehe an der Seite Frankreichs. Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte sich auf Twitter "erschüttert über die schreckliche Nachricht" aus Straßburg. "Welches Motiv auch immer hinter den Schüssen steckt: Wir trauern um die Getöteten und sind mit unseren Gedanken und Wünschen bei den Verletzten. Hoffentlich gerät niemand mehr in Gefahr."

Weihnachtsmarkt bleibt geschlossen

Der Weihnachtsmarkt, einer der größten im Elsass, bleibt aber am Mittwoch geschlossen. Der Bürgermeister von Straßburg, Roland Ries, hat einen Tag der Trauer ausgerufen.

Straßburg betitelt sich als "Capitale de Noel" (Weihnachtshauptstadt). Jedes Jahr kommen 2,2 Millionen Besucher – viele aus Deutschland – zu den Veranstaltungen.

Der Weihnachtsmarkt sollte schon einmal Ziel eines Attentats sein: Im Jahr 2000 wurde ein geplanter Sprengstoffanschlag einer algerischen Gruppe rechtzeitig verhindert.

Auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt ist bei einem Angriff ein Mensch getötet worden.

Die Internetseite des Straßburger Weihnachtsmarkts

Soldaten patrouillieren nach einem Angriff mit vermutlich terroristischem Hintergrund in der Stadt. Nach einem Angriff in der Gegend des Straßburger Weihnachtsmarkts haben Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.
Einsatzkräfte der Polizei sichern einen Eingang zur Altstadt und damit zum Weihnachtsmarkt. Nach einem Angriff in der Gegend des Straßburger Weihnachtsmarkts haben Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.
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