06.08.2019 - 12:44 Uhr
Poppenreuth bei WaldershofOberpfalz

"Bauern tun nichts Schlechtes"

Das Wetter ist eines der Themen bei der Arbeitsbesprechung der Landfrauen. Es geht aber auch um das Klima, nämlich das Klima gegenüber dem Bauernstand.

Bei einem guten Frühstück folgten die Landfrauen den Ausführungen der Redner.
von Werner RoblProfil

Kreisbäuerin Irmgard Zintl freute sich bei der Begrüßung: "Gestern hat es geregnet." Zudem war sie erleichtert, dass trotz der fehlenden Wegbeschreibung viele Landfrauen das richtige Poppenreuth (bei Waldershof) beziehungsweise den "Grünen Baum" gefunden hatten. "Beim nächsten Treffen liefern wir eine Karte dazu", versprach die Sprecherin.

Ely Eibisch ist seit rund sieben Jahren Kreisobmann und kennt die Probleme der Landwirte genau. "Wir müssen umdenken. Mit Schwarzmalerei ist niemandem gedient." Anders als behauptet, sei die konventionelle Landwirtschaft nicht an allem schuld, mahnte der Kreisobmann und fügte hinzu: "Ich kann das so nicht im Raum stehen lassen. Bauern tun nichts Schlechtes."

Verbraucher sensibilisieren

In Eibisch' Augen sei auch der Gesetzgeber gefordert. An anderer Stelle mahnte er: "Wir müssen uns darüber bewusstwerden, dass sich vieles, auch die Gesellschaft, verändert hat." Am Beispiel des Bauernstandes erklärte er: "Früher wurde mit der Stall- und Feldarbeit Geld verdient, von der man leben konnte." Der Landwirt der Gegenwart aber konkurriere mit dem Weltmarkt. Man müsse entsprechend handeln. "Das aber ist langfristig nicht möglich", bedauerte Eibisch.

Stichworte Regionalität und Schutz der Kulturlandschaft: "Der Verbraucher muss sensibilisiert werden. Die Auflagen werden immer mehr", so der Kreisobmann. Folge davon seien steigende Kosten. "Man wird den Eindruck nicht los, dass man die Landwirtschaft abschaffen möchte", kommentierte er den Teufelskreis. "Daher brauchen wir den Bauernverband heute mehr denn je", schloss Eibisch seinen vehementen Vortrag, den eine Leugaser Jung-Bäuerin mit den Worten kommentierte: "Wir erleben aktuell eine schlimme Zeit."

Schwierige Zeit

Von einer schwierigen Zeit sprach auch der Kreisgeschäftsführer des Bauernverbandes, Ulrich Härtl. Die gezeigten Aktivitäten - beispielsweise Frühstück auf dem Bauernhof und die Präsenz auf den Bauernmärkten - seien "Bausteine", um die Verbraucher zu erreichen. "Das aber reicht noch nicht", bedauerte er. "Machen Sie Vorschläge. Wir nehmen Sie ernst. Wir brauchen auch das gute Miteinander, um etwas erreichen zu können", ergänzte der Sprecher.

"Das Wetter ist das eine, das Klima ein anderes Thema", äußerte sich auch Wolfgang Wenisch vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Mit "Klima" meinte er aber wohl weniger das Wetter. "Werden wir noch verstanden, werden wir noch gebraucht? Was machen die Bauern falsch?", fragte der Behördenleiter in die Runde. Landwirte seien auch Öffentlichkeitsarbeiter, erinnerte er.

"Jeder muss seinen Beitrag leisten, um den derzeit kritisch betrachteten Bauernstand gut zu verkaufen", mahnte Wenisch. Öffentlichkeitsarbeit koste Zeit und Geld, sei aber für den guten Ruf langfristig wichtig. "Seien Sie selbstbewusst, liebe Landfrauen, Sie können was", schloss Wenisch.

Die zurückliegenden Monate waren vollgepackt mit Informationsveranstaltungen und Kursen. Einige Beispiele davon ließ Kreisbäuerin Irmgard Zintl in ihrem Rechenschaftsbericht anklingen. Ein Erfolg war der Frauen-Wald-Tag in Großbüchlberg. "Es war zwar kalt, aber interessant", pickte sie sich ein erstes Beispiel heraus. "Viel Aufwand wurde beim Frühstück in Mühlhof betrieben", nannte sie ein weiteres. Gut angenommen wurde zudem auch der Imkertag im Mitterteicher Kreislehrgarten. Solidarisch mit armen Kindern zeigte man sich bei der "Schuhkartonaktion". "Daran nehmen wir wieder teil", versprach Zintl, die sich nach ihrem Bericht den neuen Jahresthemen widmete (Hintergrund).

Einen Einblick in ihre Arbeit und das Angebot der Berufsgenossenschaft mit "Erholungswochen", "Get.on-Training" und Stressmanagement gab Petra Hager, Sicherheitsberaterin der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft.

Hintergrund:

Bei der Zusammenkunft stand auch die Besprechung des Winterprogramms auf der Tagesordnung. Für die Themenbereiche Gesellschaft, Politik und Wirtschaft konnten die Referenten Hermann Schopf (Jurist aus Regensburg) und der Versicherungsmakler Josef Ram gewonnen werden. Zudem stehen auch Fragen zur Erziehung, Religion, Natur, Land- und Hauswirtschaft auf dem Veranstaltungsplan, den Kreisbäuerin Irmgard Zintl auf genau ein Dutzend Seiten detailliert vorstellte.

Die Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. Die Bastelkurse - auf die jeweilige Jahreszeit abgestimmt - werden von der Bodenreuther Gartenbäuerin Monika Keck geleitet. Unter anderem stehen auf ihrem Programm: Osterdekorationen mit Frühlingsblühern und zum Muttertag "Ein Geschenk, das von Herzen kommt." Geplant ist auch ein Kurs, passend zum Erntedankfest, auch einer zu Advent. (wro)

Kreisobmann Ely Eibisch war einer der Redner bei der Arbeitstagung der Landfrauen in Poppenreuth. Im Hintergrund sind Kreisbäuerin Irmgard Zintl und der BBV-Kreisgeschäftsführer Ulrich Härtl (von rechts).
Mit einem Genesungsgeschenk überraschte Kreisbäuerin Irmgard Zintl den BBV-Kreisgeschäftsführer, Ulrich Härtl.
Kreisbäuerin Irmgard Zintl stellte das Jahresprogramm vor und rückte die zurückliegenden Veranstaltungen ins Blickfeld.

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