Johannes-Kapelle in Prackendorf vor 20 Jahren geweiht

Feierlicher Gottesdienst, Frühschoppen, Festbetrieb mit Musik – schon lange stand fest, wie der 20. Weihetag der Johannes-Kapelle in Prackendorf gefeiert werden sollte. Doch wegen der Pandemie wird das Jubiläum aufs nächste Jahr verschoben.

Die Johannes-Kapelle prägt das Ortsbild in Prackendorf. 20 Jahre ist es her, dass das schmucke Kirchlein eingeweiht wurde.
von Autor RROProfil

Den Verantwortlichen des örtlichen Kapellenvereins hat das Coronavirus einen Strich durch die Planungen für Sonntag, 28. Juni, gemacht. Fest steht, dass mit der Johannes-Kapelle ein für den Ort bedeutendes Bauwerk 20. Geburtstag feiern kann. Die Entstehungs- und Baugeschichte sind fest verbunden mit den Bewohnern des gut 100 Seelen zählenden Dorfes in der Gemeinde Dieterskirchen.

Schon lange hatten die Prackendorfer den Gedanken an eine Ortskapelle gehegt. Am 24. Juni 1995 gründeten 44 Anwesende im Gasthaus Kraus einen Kapellenbauverein. Erhalten hat sich die Erinnerung daran, dass während des Ersten Weltkriegs beim Anwesen Brandl bereits eine Kapelle bis zum Rohbau fertiggestellt worden war, 1920 aber wieder abgerissen werden musste. Die Glocke und das Altarkreuz von damals sollten im neuen Kirchlein ihren Platz finden.

Der Standort des neuen Gotteshauses war zunächst unklar und wurde kontrovers diskutiert. Bei der Dorferneuerung erwarb die Gemeinde Dieterskirchen das leerstehende Anwesen Hörl im Dorfzentrum, dort sollte die Kapelle einen neuen Ortsmittelpunkt bilden – zusammen mit einem Gemeinschaftshaus für Feuerwehr und Schützenverein. Somit war mit der Gemeinde auch ein Bauträger gefunden. Mit Zuschüssen zum Dorferneuerungsprogramm, Spenden der bischöflichen Diözese und privaten Geldgebern wurde die Finanzierung festgezurrt.

Mit der Planung wurde das Neunburger Architekturbüro Steidl beauftragt, und es konnte mit den Vorbereitungen für das Projekt begonnen werden. Im Herbst 1997 wurden die noch stehenden Gebäude auf dem Grundstück abgerissen und eine Stützmauer für den rückwärtigen Hang gebaut. Am 17. September 1999 fand die Grundsteinlegung für die Kapelle stand.

Artikel über das "Hansenfest" im Jahr 2019

Prackendorf bei Dieterskirchen

Am 2. Juni 2000 erhielt das Schmuckstück vom damaligen Ortsgeistlichen George Thayil und dem gebürtigen Prackendorfer Priester Michael Bauer den kirchlichen Segen. Nach der Restaurierung fand auch die historische Glocke von 1920 im neuen Glockenturm ihren Platz und läutet seither täglich um 6, 12 und 20 Uhr sowie samstags um 15 Uhr den Prackendorfern das Gebet.

Über 3000 Helferstunden investierten die Prackendorfer in das Gemeinschaftsprojekt, das mit 50 Quadratmetern Grundfläche 30 Sitzplätze bietet. Mit den Granitarbeiten hatten auch die beiden ortsansässigen Steinmetzbetriebe einen wesentlichen Anteil am Erscheinungsbild der Kapelle, die – im Hinblick auf das Gründungsdatum des Vereins – dem heiligen Johannes geweiht wurde. Die massiven Holzbänke fertigte unentgeltlich das mittlerweile verstorbene Gründungsmitglied Franz Böckl. Ein Holzschnitzer aus Treffelstein wurde für den Altar beauftragt, ein Kreuzweg über eine Spendenaktion finanziert.

So entstand ein Bauwerk, das seitdem nicht nur für Andachten und Rosenkränze, sondern auch von den Dorfbewohnern für ein stilles Gebet genutzt wird. Einmal im Jahr, am Sonntag nach Johanni, findet dort der Auftakt des „Hansenfestes“ mit einem Gottesdienst vom Eingang der Kapelle ins Freie statt. So wäre es auch am kommenden Sonntag geplant gewesen.

Weitere Festlichkeiten, bei denen das schmucke Kirchlein im Mittelpunkt stand, war die kirchliche Segnung des Prackendorfer Gemeinschaftshauses 2003 sowie das 100-jährige Bestehen der Ortsfeuerwehr im Jahr 2006. Das größte Ereignis in der 20-jährigen Geschichte der Kapelle bildete am 26. Juni 2016 der Heimatempfang bei der Primiz von Thomas Fischer.

56 Mitglieder zählt die mittlerweile vom Kapellenbau- zum Kapellenverein umbenannte Prackendorfer Gemeinschaft, die sich der Pflege und dem Unterhalt ihrer „Kapelln“ angenommen hat. Ein Schicksalsschlag ereilte den Verein im Dezember 2010, als der langjährige Vorsitzende Peter Hirmer überraschend verstarb. Seitdem leitet dessen Stellvertreter Alois Krammer, der schon die gesamten Bautätigkeiten koordiniert hatte, die Geschicke des Vereins. „Wir haben schon überlegt, ob wir am Sonntag wenigstens einen Gottesdienst vor der Kapelle abhalten", sagt Krammer. Doch wegen der Corona-Regeln, dem damit verbundenen Aufwands und der unklaren Besucher-Resonanz, wird heuer lediglich ein Gottesdienst für die verstorbenen Mitglieder des Vereins in der Pfarrkirche St. Ulrich in Dieterskirchen gefeiert. "Das Jubiläum holen wir nächstes Jahr nach", ließ der Vorsitzende wissen.

Fleißig packten die Prackendorfer beim Bau ihrer Kapelle mit an.

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