02.03.2020 - 10:07 Uhr
PressathOberpfalz

"Politischer Ascherfreitag" SPD Pressath: Nicht nur „rote Blüten“ züchten

Für viele haben Blumensamen und Stadtpolitik nichts miteinander zu tun. Für den Pressather SPD-Bürgermeisterkandidaten Bernhard Stangl schon. Warum, erklärte er am "Politischen Ascherfreitag".

Allen bundes- und landespolitischen Unkenrufen zum Trotz: In Pressath bleibt die SPD eine starke, "saalfüllende" Kraft. Mit gut 60 Zuhörern ist ihr "Ascherfreitag" mit Bürgermeisterkandidat Bernhard Stangl ähnlich gut besucht wie die Aschermittwochsveranstaltung der Union.
von Bernhard PiegsaProfil

„Es ist Zeit, endlich aufzuwachen“: Die Blumensamentüten, die SPD-Bürgermeisterkandidat Bernhard Stangl als Geschenk für die rund 60 Besucher des „Politischen Ascherfreitags“ im Gasthaus Heining mitgebracht hatte, wollte er durchaus als Symbol für das verstanden wissen, was ihm und der Pressather SPD für die künftige Stadtpolitik am Herzen liegt. Für ein „aufblühendes, wachsendes und lebenswertes Pressath“ stünden die Sämereien, erklärte Stangl – und: „Es sind auf keinen Fall nur rote Blüten dabei.“

Gerade Letzteres sei ihm wichtig, bekräftigte der „Pressather aus Leidenschaft“ gleich zu Beginn seiner temperamentvollen Rede: „Gute Ideen soll man anerkennen und umsetzen, egal von wem sie kommen.“ Konstruktive Zusammenarbeit sei allerdings nicht gleichbedeutend mit Harmonie um jeden Preis: „Harmonie in der Politik kann lähmend, ja fast ‚tödlich‘ sein: Wichtig ist auch eine gute Streitkultur, die darin besteht, ohne persönliche Angriffe oder Rechthaberei Themen durchzudiskutieren, um den anderen, seine Ideen und Argumente kennenzulernen und die beste Lösung zu erreichen. Anders als in sachlicher und fairer Diskussion bringt man nichts voran.“

Um solchen „Diskussionsstoff“ zu haben, brauche es freilich Mut zu Ideen: „Am Anfang steht die Idee, und wenn wir uns von vornherein nur darauf zurückziehen, dass ‚Pressath kein Geld habe‘ und die Förderoptionen sich zu verschlechtern drohten, dann geschieht nie etwas. Inwieweit eine Idee realisierbar ist, muss geprüft werden, aber zunächst muss es überhaupt Ideen geben, über die man diskutieren kann.“ Solche Ideen erhoffe er sich beispielsweise für den Schulhof, der auch als „Kulturhof“ für Konzerte oder Serenaden dienen könne. In dessen Gestaltung sollten Schüler und Lehrer, aber auch die kulturellen Vereine und Institutionen als künftige Mitnutzer eingebunden werden, zur Finanzierung könne die Stadt Fördermittel für schulische und kulturelle Maßnahmen erschließen.

Als eine der weiteren „Baustellen“, für deren sorgfältige Planung es Ideen zu sammeln gelte, nannte Stangl den künftigen Stadtplatz. Um die Kreativität der Bürger anzureizen, solle ein „Ideengeld“ oder „Bürgerhaushalt“ als Teil des Stadthaushalts von vornherein Mittel in bestimmter Höhe für die zügigere Umsetzung von Bürgerideen bereitstellen: „Das ist weder meine Idee noch die der CSU, sondern das gibt es schon in einigen Kommunen, etwa in Schwandorf.“ Die Arbeit der Stadtverwaltung solle effizienter gestaltet werden: „Ich arbeite in der freien Wirtschaft, habe aber auch mit vielen Verwaltungen zusammengearbeitet und würde gern das Beste aus diesen beiden Feldern verbinden.“

Ein Schritt in diese Richtung wäre die Organisation des Bauhofs als „Kommunalunternehmen“: „Die Mitarbeiter blieben städtische Angestellte, doch das Unternehmen besäße einen eigenen Etat und mehr Entscheidungsspielraum und Flexibilität.“ Auf Anfragen von Besuchern ging Stangl auch auf die baldmögliche Sanierung des Bahnhofsgebäudes und die Neugestaltung des Böllathkreuzungs-Nadelöhrs als Ziele ein und erläuterte, wie die Stadt hierfür aus seiner Sicht vorgehen könne. Des sozialen Wohnungsbaus müsse man sich ebenfalls annehmen: „Vorbach hat vorgemacht, dass es möglich ist, den Bau von Sozialwohnungen mit 90-prozentigen Zuschüssen fördern zu lassen.“

Info:

Keine Angst vor „Kleingedrucktem“

An Aufgaben, die ihm und seinem Kandidatenteam „unter den Nägeln brennen“, fehle es nicht, zog SPD-Bürgermeisterkandidat Bernhard Stangl das Fazit seiner „Ascherfreitags“-Rede. Doch sei er sich bewusst, dass sich mit diesem Amt nicht nur „große“ Entscheidungen, sondern auch unzählige „kleingedruckte“ Aufgaben verbänden. In einer gereimten „Fastenpredigt“ schilderte er, ausgehend von einer fiktiven „Anzeige der Stadt Pressath: Bürgermeister gesucht“, den Alltag eines Bürgermeisters als „Müllmann“, „Wetterprophet“, „Architekt und Stadtplaner“ und natürlich als Rathaus-„Hausmeister“ und „Seelsorger“:

„Letzte Woche hatte ich einen Traum:/Die Wahl vorbei, ich bin‘s geworden,/und ohne Pause gleich am nächsten Morgen/frisch ans Werk – verändern wirst du dieses Haus!/Mein Tagesplan für Vormittag sah wie folgt dann aus:/Das Licht im Flur, das ist defekt,/die Armatur in der Teeküche leckt,/die Seifenspender im WC sind leer,/und Papier auf dem Klos gibt‘s auch nicht mehr./In der Stellenausschreibung stand ganz klein: Nicht nur Bürgermeister, auch Hausmeister musst du sein.

Neulich kam eine Frau zu mir:/‚Bürgermeister, gut, dass du noch bist jetzt hier./Weißt du noch? Du hast meinen Mann und mich getraut/und dadurch auch mein Leben versaut./Ich brauche dringend wen zum Reden.‘/Ich hatte Mitleid und ließ mich bewegen:/Komm, setz dich und wein dich aus,/hier bekommst du einen guten Rat in diesem Haus./In der Stellenausschreibung stand ganz klein: Nicht nur Bürgermeister, auch Seelsorger musst du sein.“ (bjp)

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