04.01.2019 - 14:38 Uhr
PressathOberpfalz

Unheilbar krank: Was Theresa noch alles erleben will

Einen Fremden küssen, Paragliden, Euro-Disney besuchen. All das und viel mehr hat sich Theresa Baudler vorgenommen. Die 31-Jährige aus Pressath weiß selbst nicht, wie viel Zeit ihr dazu noch bleibt. Sie ist unheilbar an Krebs erkrankt.

von Stefan NeidlProfil

Was will ein Mensch noch tun, wenn er erfährt, dass seine Zeit begrenzt ist? Welche letzten Erlebnisse will er noch machen, solange er dazu noch in der Lage ist? Theresa hat eine "Bucket List" erstellt. Sie umfasst Sachen, die sie vor ihrem Tod noch erleben möchte. Banale Dinge wie "einmal einen Fremden küssen" oder in ein Taxi steigen und dem Fahrer zurufen "Folgen Sie dem Wagen vor uns!", aber auch spannende Aktionen: Trotz ihrer Höhenangst hat sie bereits einen Hubschrauberflug absolviert, und Paragliding steht an, sobald es das Wetter zulässt.

Dass etwas mit ihr nicht stimmt, merkt Theresa erstmals im Sommer 2015. Sie ist ständig müde, schläft oft spontan ein und fühlt hin und wieder ein Stechen in der Brust. Da sie arbeitssuchend ist, denkt sie nicht an eine medizinische Ursache, sondern vermutet, dass die Symptome von der Langeweile kommen. Im Dezember bemerkt sie beim Duschen einen Knoten in der Brust. Der Frauenarzt hält dies nicht für dramatisch - mit gerade 28 Jahren sei sie zu jung für Krebs, außerdem sei der Bereich verschiebbar. Doch der Ultraschall zeigt später die grausame Wahrheit: Theresa hat zwei Tumore in der Brust.

Die Diagnose: "tripple negativ". Diese bösartige Tumorart stellt etwa 15 Prozent aller Brustkrebsfälle dar, die einzige Therapiemöglichkeiten sind Chemotherapie und Bestrahlung. Als der Arzt ihr dies erzählt, erscheint es ihr unwirklich: "Ich realisierte das Geschehen nicht und sah das Ganze wie ein Zuschauer in einem Film." Bis August 2016 hat Theresa zwei Brustoperationen im Wächterlymphknotenverfahren und 28 hochdosierte Bestrahlungen. Die Nebenwirkungen sind Knochenprobleme, Haarausfall, Unwohlsein. Doch die Behandlung zeigt Erfolg. Der Krebs scheint besiegt.

Im Januar der Rückschlag: In der Lunge haben sich Metastasen gebildet. Bei der Computertomographie leuchtet zudem ein Eierstock auf. Theresa: "Die Entscheidung fiel mir schwer, aber dieser musste entfernt werden." Zur Entnahme der Metastasen muss der Brustkorb aufgebrochen werden. Unfassbare Schmerzen sind die Folge. Kurz darauf verursachen Zysten im zweiten Eierstock weitere Schmerzen. Es bleibt nichts anderes übrig, als auch diesen zu entnehmen. Dadurch fehlen dem Körper die Hormone. Theresa kommt mit Anfang 30 in die Wechseljahre. Spontane Hitzewallungen, Knochenprobleme und Stimmungsschwankungen machen ihre Situation noch schwieriger. "Im Bus konnte ich manchmal kaum stehen und hätte mich wegen den Hitzewallungen am liebsten ausgezogen."

Fatale Gewissheit

Die Tumorkonferenz in ihrem Krankenhaus rät von einer weiteren Chemo ab, stattdessen soll sie regelmäßig untersucht werden, ob der Krebs wiederkehren wird. Eine schwere Entscheidung für die junge Frau. Doch sie folgt dem Rat der Experten. Zunächst scheint alles in Ordnung zu sein, doch bereits die zweite Untersuchung im September 2017 bringt die fatale Gewissheit: Rezidiver Tumor in der linken Brust und Metastasen im rechten Lungenflügel - inoperabler Krebs. Zu diesem Zeitpunkt steht fest: Theresa wird den Kampf nicht gewinnen können. Ihre Krankheit belastet die Familie. Trotz aller Rückschläge trifft die alleinerziehende Mutter eine Entscheidung: Sie will so viel Zeit wie möglich herausholen - für und wegen ihrer Tochter, für die sie so lange wie möglich da sein will.

Die Dosierungen der Chemo wird etliche Male variiert. Sie verursacht Taubheit in den Beinen, Gefühlsstörungen, Knochenschmerzen und ein allgemeines Schwächegefühl. Zudem kommt im Juni 2018 erneut die Frage nach der Entfernung der Brüste auf: Metastasen drücken und verursachen Schmerzen. Theresa fragt sich: "Wie lange habe ich noch?" Eine verbindliche Antwort will ihr aber niemand geben. Im Sommer wagt einer ihrer Ärzte die Prognose, dass ihr weniger als ein Jahr bleiben würde. Ständig bilden sich Körper neue Metastasen. Im November werden ihr beide Brüste abgenommen...

Wer Theresa kennenlernt und erlebt, wird ihre Geschichte kaum glauben. Die junge Frau hat sich trotz ihres Zustands ihren Lebensmut bewahrt. Sie lacht viel, ist aktiv und spricht offen über ihre Situation. Doch es gibt auch eine Schattenseite. Nachts alleine im Bett bricht es in ihr aus: Schlaflosigkeit, Angst, Panik. Oft weint sie sich in den Schlaf. Wenn alles nichts mehr hilft, greift sie zu einer Methode, die sie seit ihrer Kindheit nutzt. Sie schreibt in einen Brief alles hinein, was sie belastet, bedrückt, von innen zerfrisst. Wenn dieser fertig ist, zerreißt sie ihn und damit alle Sorgen. Das hilft - zumindest eine Weile. Ihre Kraft, durchzuhalten, schöpft sie aus Freunden und Familie. Aber vor allem aus der Liebe zu ihrer Tochter Pia. Ihr schlimmster Gedanke ist, dass sie ohne ihre Mama aufwachsen muss. Auch sei sie immer positiv eingestellt gewesen, sagt Theresa. All dies hilft ihr, durch den Alltag zu kommen.

Doch das war nicht immer so. Als sie die Diagnose frisch erhalten hatte, zog sie sich zurück, mied Gesellschaft. "Wie geht's Dir?" wollte sie nicht hören - "was sollte ich denn darauf antworten?", fragt sie mit leichter Ironie. Als sie wegen der Chemo die Haare verlor, war es hart. Die Perücken mag sie nicht. Stattdessen bevorzugt sie Mütze oder Kopftuch. Sie hat auch schon Komplimente für ihre neue Erscheinung bekommen. Viele denken, der andere Look wäre Absicht, denn Theresas Aussehen oder Verhalten merkt man ihre Krankheit nicht an.

Rat zur Vorsorge

Warum ausgerechnet sie? In der Anamnese, der medizinischen Vorgeschichte ihrer Familie, ist kein vergleichbarer Fall bekannt. Eventuell kann Stress ein Auslöser sein - Theresa hat das testen lassen, auch um ein Risiko für ihre Tochter auszuschließen. Oft fragt sie sich, ob es nicht anders hätte laufen können. Niemand weiß, was passiert wäre, wenn sie sich bereits nach der ersten Diagnose die Brüste hätte abnehmen lassen. Sie rät allen Frauen, regelmäßig die eigene Brust abzutasten und zur Vorsorge zu gehen.

Keiner weiß, wie lange Theresa noch hat. Doch die Endstation ihrer Reise steht fest. So hat sie gemeinsam mit ihrer Schwägerin Sabrina Peugler bereits Vorbereitungen getroffen und die eigene Beerdigung geplant - von der Auswahl des Sarges bis zum Ablauf. Selbst der Dresscode ist festgelegt. Schwarze Kleidung der Trauergäste kommt nicht infrage. Seit kurzem besteht Verbindung zu Myriam von M., bekannt durch ihre Kampagne "Fuck Cancer" und aus der TV-Sendung "Voller Leben - Meine Letzte Liste". Sie will Theresa demnächst persönlich treffen und unterstützen.

Denn die verbleibende Zeit möchte Theresa nicht mit Trübsal verbringen. Deshalb die "Bucket List". Anfang Dezember gab es einen Flashmob mit allen Tanzgruppen des Faschingsvereins von Kohlberg am Weihnachtsmarkt, für den sie mit ihrer Freundin fleißig geübt hat. Im Herbst entbrannte eine Tortenschlacht im Oliver Müllers Garten - ein unvergessliches Erlebnis. Ende August durfte Theresa sich einmal wie eine richtige Prinzessin fühlen und ihr Traumbrautkleid anprobieren - ein Luxus, der bei ihrer Hochzeit nicht möglich war.

Ein besonderes Anliegen war die Aufnahme einer CD für ihre Tochter. An ihrem Geburtstag hat Pia stets ihre Mutter am Bett erwartet, die ihr mit einem Lied gratulierte. Dies soll so bleiben, selbst wenn die Mama nicht mehr da ist. In der Eremitage in Bayreuth machte eine Freundin des Bucketlist-Teams Fotos von ihr, Pia und Neffe Moritz. Auf der Liste stehen noch weitere Punkte, die allerdings für die junge Mutter allein unerschwinglich sind. So eine Reise mit Pia ins "Euro Disney" nach Paris und in den Europapark in Rust.Mehr "Bucket List"-Bilder: www.onetz.de/2595243

Kontakt:

Helfen beim Erfüllen der Wünsche

Wer Theresa Baudler bei der Erfüllung ihrer „Bucket List“ helfen will, kann sich bei uns per Mail melden: redws[at]oberpfalzmedien[dot]de. Wir stellen dann gerne den Kontakt her.

Theresa Baudler:

Theresa Baudler, geborene Liersch, erblickte am 16. Juli 1987 in Zeuleroda-Triebes in Thüringen das Licht der Welt. Durch die Heirat ihrer Mutter kam sie 1996 nach Hof. Nach der Schule absolvierte sie eine Ausbildung zur Hotelkauffrau in Schwandorf. Nach einer Romanze wurde sie schwanger. Sie musste die Ausbildung unterbrechen und zog zurück zu ihrer Familie nach Waidhaus. Im April 2005 kam Tochter Pia zur Welt. Später setzte Theresa ihre Ausbildung im selben Betrieb fort. Nach ihrem Abschluss zog es sie nach Eslarn, wo sie später ihren Mann kennenlernte. Beide arbeiteten im „Hoistodl“ – Theresa als Bedienung, er in der Küche. Zusammen zogen sie 2013 nach Pressath zur Miete ins Haus von Oliver Müller, mit dem sie heute gut befreundet ist. Theresa und ihr Mann haben sich inzwischen getrennt.(sne)

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