Bahnstromtrassen-Gegner sauer: "Wollen mit kompetenten Fachleuten sprechen"

Seit Wochen schlagen die Wellen bei der Bahnstrom-Trassenführung hoch. Die Bürger erhoffen sich Unterstützung von der Politik. Mit dem Auftritt eines Bundestagsabgeordneten der Grünen ist die Protestbewegung aber gar nicht zufrieden.

von Heidi FranitzaProfil

Beim Zwischenstopp in Prohof erwarteten MdB Stefan Schmidt über 100 besorgte Bürger und Mitglieder der Interessengemeinschaft „Bahnstrom – so nicht!“. Er hatte zusammen mit dem Kreisverband der Grünen am Donnerstag zur Bahn-Trassen-Fahrradtour zwischen Prohof und Gailoh eingeladen. Als musikalischer Willkommensgruß galt dem Politiker ein von Irmgard Kaula komponiertes Protestlied.

„Ich werde das Bild von heute der Bahn zukommen lassen und sagen: Leute, da läuft etwas schief, so Stefan Schmidt, der Mitglied im Bahn-Koordinierungsrat zum Ausbau der Strecke Hof-Regensburg ist. Über den Verlauf der Trasse, von der die Bahn sagt, sie diene der Elektrifizierung der Strecke Nürnberg-Schwandorf, könnten Bürger Vorschläge machen. Schmidt sprach über diese Möglichkeiten und räumte ein, dass ihm eine Trasse entlang der Bundesstraße auch Recht sei.

Nerv getroffen

Damit traf er den Nerv der Demonstranten, die sich mit ersten Nein-Rufen bemerkbar machten. Sie fühlten sich unverstanden, denn sie plädieren ja für eine dezentrale Lösung und nicht für eine Pseudo-Bürgerbeteiligung, bei der die Trasse nach rechts oder links verschoben werden kann. Diesem Einspruch entgegnete der Bundespolitiker: „Wir sollen jetzt nicht sagen, dann wollen wir keine Leitung!“ Daraufhin mehrten sich Buh-Rufe und „Stimmt-nicht“-Einwände. Bei der Betrachtung von Alternativlösungen argumentierte Stefan Schmidt überwiegend mit den Statements der Bahn und sagte zur dezentralen Lösung: „Sollte die Bahn aufzeigen, dass die Stromspitzen nicht beigebracht werden können, dann lasse ich mich gerne belehren. Wir sollten aber nicht sagen, dann lassen wir alles beim Alten!“

Die Aussagen von MdB Stefan Schmidt machten deutlich, dass er über die tatsächlichen Beweggründe der anwesenden Bürger und der IG nicht oder nur sehr unzureichend informiert war. Zudem zeigte sich, dass sein im Bahn-Koordinierungsrat der Strecke Hof-Regensburg erworbenes Wissen nicht auf die derzeitige Stromtrassen-Planung umgemünzt werden könne, und Stromtrasse und Elektrifizierung zwei Themen seien, die man getrennt betrachten müsse.

Wir fordern von Ihnen, dass Sie sich für die Prüfung einer dezentralen Lösung ernsthaft einsetzen!

Bürgermeister Dieter Dehling

Illschwangs Bürgermeister Dieter Dehling klärte den Abgeordneten über die Ziele der Protestbewegung auf. „Wir sind nicht gegen die Elektrifizierung der Strecke Nürnberg-Schwandorf. Wir sind gegen die geplante Stromtrasse. Wir fordern von Ihnen, dass Sie sich für die Prüfung einer dezentralen Lösung ernsthaft einsetzen!“ Dafür erhielt Dehling viel Applaus. Er verlangte auch die Prüfung von zukunftsträchtiger Technologie wie zum Beispiel der des Wasserstoff-Zugs. Er werde ja erfolgreich im Elbe-Weser-Netz eingesetzt. „Heute schon an morgen denken, dann wären wir in der Oberpfalz die Ersten. Aber wir fühlen uns von der Bahn nicht ernst genommen“, so Illschwangs Bürgermeister.

Aus sieben Gemeinden

„Bürger aus sieben Gemeinden haben sich heute hier eingefunden“, resümierte Pia Huber, die Sprecherin der IG „Bahnstrom – so nicht!“ „Wir verlangen nichts, was technisch nicht machbar oder unrealistisch ist.“ Diesen Punkt griff auch Peter Zahn, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz, in seiner flammenden Rede auf: „Wir brauchen begründete Statements von der Bahn, warum andere Lösungen nicht möglich sind. Wir wollen mit kompetenten Fachleuten sprechen. Warum sind wir gegen die Trasse in der jetzt geplanten Form? Sie ist eine massive Dauerbelastung für die Bewohner in allen Bereichen, Grundstücke werden entwertet, sie quert rücksichtslos Naturparks und Naturschutzgebiete!“ Immer wieder unterbrach kräftiger Applaus seine Rede. „Im Landkreis Amberg-Sulzbach zerschneidet die Trasse 4000 Meter Wald. Beim Bau der Trasse werden dann rund 25 Hektar Wald vernichtet.“

Enttäuschte Gesichter

In der Zwischenzeit hatte Stefan Schmid die überreichten Unterlagen überflogen und versuchte sich nun in Schadensbegrenzung: „Ich habe nicht die Antworten auf alle Einwände, aber ich bin bereit, zusammen mit Ihnen mögliche Alternativen zu prüfen. Ich versichere Ihnen, dass ich gleich morgen bei der Bahn um einen Gesprächstermin mit Experten bitten werde!“

Dieses Versprechen konnte die enttäuschten Gesichter vieler Bürger über den Auftritt des Abgeordneten kaum aufhellen. Dazu trug auch ein Satz in seinem Abschlussstatement bei: „Ich will aber auch, dass zusätzliche Güterzüge fahren und die Waren nicht auf der Autobahn transportiert werden.“

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Weigendorf
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