12.08.2020 - 11:45 Uhr
WeigendorfOberpfalz

Kritiker der Bahnstromtrasse zweifeln Bedarf an doppelter Infrastruktur an

Die Deutsche Bahn treibt die Pläne für die Elektrifizierung ihrer überregionalen Strecken in Ostbayern vehement voran. Grundsätzlich erntet sie dafür Beifall, aber die Sache hat auch einen Haken.

Mit einem Transparent verleihen (stehend, von links) Peter Zahn, Fabian Bräutigam, Gerhard Pirner und Pia Huber ihrer ablehnenden Haltung gegen die Bahnstromtrasse Nachdruck.
von Franz MüllerProfil

Der Bahnstrom für die Elektrifizierung der Strecken Nürnberg - Marktredwitz und Regensburg - Hof soll in einer Querspange mitten durch die Landschaftsschutzgebiete des Landkreises Amberg-Sulzbach in Richtung Schwandorf geleitet werden. Die 60 Meter breite Schneise führe zu nicht reparablen Wunden in der Landschaft, und 30 Meter hohen Masten verschandelten das Bild der abwechslungsreichen Tourismusgegend, befürchten Kritiker.

Über das Internet luden sie zu einer Zusammenkunft im Garten des Gasthauses Fritzenhof ein. Gemeinderat Fabian Bräutigam übernahm die Begrüßung der Gäste, unter denen sich die Bürgermeister Reiner Pickel (Weigendorf), Dieter Dehling (Illschwang) und Jörg Fritsch (Pommelsbrunn) befanden.

In der Gemeinde Illschwang hat sich eine Interessengemeinschaft "Bahnstrom - so nicht" formiert. Deren Sprecherin Pia Huber legte das weitere Vorgehen dar und appellierte an die Bevölkerung, sich den Plänen in ihrer jetzigen Form entgegenzustellen. Da nur eine Bürgerinitiative Erfolg verspräche, sollten sich möglichst viele daran beteiligen. Vor Ort müsse organisatorische Vorarbeit geleistet werden, um dann geschlossen aufzutreten.

IG "Bahnstrom - so nicht" benennt Leitungsteam und Ansprechpartner

Aichazandt bei Illschwang

Der Etzelwanger Gemeinderat Gerhard Pirner, als Elektroingenieur vom Fach, erläuterte die technischen Einzelheiten. Der Grund für den eigenen Bahnstrom ist die abweichende Frequenz von 16,7 Hertz statt der üblichen 50 Hertz. Deshalb müsse Strom in Umspannwerken angeglichen und in Einspeisepunkten den Oberleitungen des Schienennetzes verfügbar gemacht werden. Da Ostbayern ein "weißer Fleck" in dieser Bahnstromversorgung ist, wolle die Bahn eine neue Trasse quer durch unseren Landstrich ziehen.

Dem setzte Pirner den Vorschlag entgegen, auf eine doppelte Infrastruktur mit Bahnstrom-Hochspannungsleitungen zu verzichten und stattdessen über Umrichter aus dem öffentlichen Netz in die Strecke einzuspeisen. Dies funktioniere in anderen Bundesländern schon seit langem. Weiter gäbe es auch noch andere Wege, die rein als Sicherheitsleitung für die Strecken Nürnberg - Marktredwitz und Regensburg - Hof vorgesehene Trasse zu ersetzen.

Einen immensen Verlust in der vielfältigen Natur erwartete Peter Zahn als Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz durch die Bahnstromtrasse. Es ginge viel unberührte Natur auf Dauer verloren. Die Sicherungszone von 60 Metern wäre ein Dauerzustand und müsse von den Eigentümern von höherem Baumbewuchs freigehalten werden. Landwirte wären beim Einsatz größerer Maschinen auf ihren Flächen ebenfalls beeinträchtigt. Der Erholungswert für Wanderer und Gäste sinke, die schützenswerte Tier- und Pflanzenwelt mit vielen Biotopen leide.

Zum weiteren Vorgehen wurden die Aufnahme von Unterstützungslisten vorgeschlagen. Die örtlichen Gruppen sollen dies über Internet in die Hand nehmen. Die Bürgermeister Fritsch und Pickel kündigten an, sich mit Infoversammlungen einzubringen und für Beschlüsse ihrer Gemeinderäte zu werben.

Pläne der Bahn und Gegenvorschlägen der Kritiker

Sulzbach-Rosenberg

 

 

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