05.08.2020 - 12:51 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Trassen-Alternativen ehrlich prüfen

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Der Widerstand wird immer größer, überall formiert er sich in Bürgerversammlungen zwischen Pommelsbrunn und Amberg: Die geplante Bahnstromtrasse wird so nicht akzeptiert. Alle erwarten von der DB, dass sie schnellstens Alternativen prüft.

Techniker arbeiten an der Bahnstrecke München-Lindau an den neuen Stromleitungen. Zweieinhalb Jahre hat die Deutsche Bahn an der Elektrifizierung der 155 Kilometer langen Strecke gebaut, nun steht das Projekt vor seiner Fertigstellung. In unserem Raum läuft die Planung.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Man merkt ihnen an, dass sie sich intensiv mit der Problematik befassen: Dieter Dehling, Illschwanger Bürgermeister, und Gerhard Pirner, Unternehmer und Gemeinderat in Etzelwang, sind in der Interessensgemeinschaft gegen die geplante Bahnstromtrasse aktiv.

Im SRZ-Gespräch erläutern sie noch einmal kompakt die Pläne der Bahn für die Elektrifizierung der vorhandenen Strecken und die Gründe für den Widerstand, der in der Bevölkerung immer stärker anwächst.

Um was geht es bei dem Bahnstromprojekt überhaupt? Gerhard Pirner erklärt es: "Es geht um die Elektrifizierung der Strecken Nürnberg - Marktredwitz als Fernverbindung zwischen Nürnberg und Prag sowie die Strecke Regensburg - Hof. Auf dieser soll in erster Linie der Güterverkehr vom Norden zum bereits im Bau befindlichen Brenner-Basistunnel laufen. Die Elektrifizierung dieser beiden Strecken ist bereits weit in der Planung, ebenso auch der Lärmschutz auf der Strecke Regensburg-Hof."

Noch kein Planungsauftrag

Auch "unsere" Strecke Nürnberg - Schwandorf solle elektrifiziert werden, wobei es hier noch keinen Planungsauftrag gebe. Im Bundesverkehrswegeplan sei sie als "vordringlicher Bedarf" eingestuft.

Zur Versorgung dieser Strecken seien nun Bahnstromtrassen als Hochspannungsleitungen mit 110 kV geplant. Insbesondere der Abschnitt Nürnberg-Schwandorf, der auch unseren Raum berührt, solle als Querspange zur Bildung einer Ringleitung dienen und zur sicheren Stromversorgung der Züge beitragen.

Zerstörung der Landschaft

Am geplanten Verlauf der Bahnstromtrasse entzündet sich nun der Widerstand: Die Trasse mit 36 bis 45 Meter hohen Stahlgittermasten durchschneidet nicht nur Hersbrucker und Oberpfälzer Alb, sondern auch den Oberpfälzer Jura. "Sie zerstört das Landschaftsbild, erfordert teils große Waldrodungen, bedroht geschützte Vogelarten, beeinträchtigt die touristische Nutzung, Wohnbebauung und geplante Gewerbegebiete und vieles mehr", fasst Dieter Dehling die Hauptargumente zusammen.

Weitere Meinung zur Bahnstrom-Trasse

Sulzbach-Rosenberg

Strom-Experte Gerhard Pirner schildert die Versorgung der bisherigen Elektrifizierung: Der Fahrdraht versorgt die Lokomotiven mit 15 kV und 16,7 Hertz. Etwa alle 5o Kilometer wird das Schienennetz über einen Einspeisepunkt versorgt. "Rund zwei Drittel des Strombedarfs der Bahn kommen aus DB-eigenen Kraftwerken, ein Drittel aus dem öffentlichen Netz."

Beide stellen im Gespräch ganz klar fest: "Wir wollen die Elektrifizierung gar nicht verhindern, aber sind mit der Trasse und ihrem Verlauf nicht einverstanden." Deswegen zeigen sie auch andere Möglichkeiten auf (siehe Infobox "Drei Alternativen"). So könnte das teils noch leitungsfreie Gebiet in Ostbayern umweltverträglich gestaltet werden.

Natur ohne Widerstand

Das von der Bahn beauftragte Ingenieurbüro, so Dieter Dehling, habe nur untersucht, wie die Stromtrasse funktionieren könne und wo am wenigsten "Raumwiderstand" anliege: Das sei wohl bei der Natur der Fall, Landschaftsschutzgebiete spielten ebenfalls keine Rolle.

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Aichazandt bei Illschwang
Info:

Drei Alternativen

Alternative 1: Dezentrale Einspeisung in die Fahrleitung der neu ausgebauten Strecken aus dem öffentlichen Netz

Gerhard Pirner stellt das System vor: „Es funktioniert in Mecklenburg-Vorpommern und teils auch in Brandenburg seit Jahrzehnten. In Skandinavien ist das sogar Standard. Umformer und Umrichter wandeln den 50-Hertz-Strom passend für die Fahrleitung um.“ Doch die Bahn weigere sich beharrlich, hier einzusteigen, vermutlich aus Angst, nicht mehr alles selbst kontrollieren zu können. Dabei wäre die Versorgung der Strecken aus den vorhandenen Stromnetzen kein Problem. „Hier wird ohne Not eine zweite Infrastruktur parallel aufgebaut“, meint Dieter Dehling, und Gerhard Pirner fügt ironisch lächelnd hinzu: „Das ist, wie wenn man eine katholische und eine evangelische Wasserleitung nebeneinander baut!“

Alternative 2: Verzicht auf die geplante Querspange Hohenstadt-Irrenlohe

Einspeisepunkte in das 110-kV-Netz der Bahn entlang der Strecken Regensburg-Hof und Nürnberg-Marktredwitz könnten die Bahn aus dem öffentlichen Netz problemlos versorgen. Sollte die Strecke Nürnberg-Schwandorf einmal elektrifiziert werden, könnte dies über den Einspeisepunkt Luitpoldhütte direkt gespeist werden, alternativ durch eine kurze 110-kV-Trasse von Irrenlohe bis östlich Amberg.

Alternative 3: Verschiebung der Querspange an die Leitung entlang der Autobahn A 6

Gemäß dem Bündelungsgebot, hat die IG ermittelt, könnte die Querspange fast komplett mit der bestehenden 220-kV-Leitung mit Namen B 82 an der A 6 geführt werden und bei Feucht an das bestehende Bahnnetz andocken. Auch eine Leitungsführung auf gemeinsamen Masten wäre möglich, aber teurer. Fazit der beiden Gesprächspartner: „Wir sollten Leitungen nehmen, die schon da sind!“

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