21.10.2019 - 14:13 Uhr
PullenreuthOberpfalz

In der Schleif wird wieder erzählt

Jetzt, wo die Tage wieder kürzer und die Abende umso länger werden, ist Zeit für die Spinnstub’n in der Glasschleif. Wie früher, darf man es sich gemütlich machen und zuhören. Zum Auftakt gibt es viel zu schmecken und zu riechen.

Stricknadeln und Wolle dürfen bei einem gemütlichen Hutzaabend in der Schleif nicht fehlen.
von Werner RoblProfil

Wer die "Spinnstub'n auf der Schleif" kennt, weiß was einen so alles erwartet. Die Mittwochabende, zu denen die Gesellschaft Steinwaldia ab sofort bis Lichtmess und einmal im Monat einlädt, gehören alte Rezepte, Erfahrungen und Geschichten, die noch die Großmutter kannte. Beim Auftakt vor wenigen Tagen hat sich Conny Müller Verstärkung geholt.

Adelheid Koch hat auf einem kleinen Tischchen Kiefernscheiben und bunte Wollknäuel aufgereiht, um daraus "Drei-Gewinnt-Spiele" zu basteln. Als Spielfiguren dienen kleine bunte Steinchen. Sie nennt das, was sie soeben bastelt, eine "nachhaltige Lösung zu Papier und Stiften". Bereits zu Beginn wird klar: Beim heutigen Spinnstub'n-Abend steht wieder einmal die Natur im Mittelpunkt.

Naturnah sind auch die Kostproben, die als kleiner Gruß aus der Küche gereicht werden. "Ich wusste gar nicht, dass der Wald so gut schmeckt", hört man nach dem probierten Flechtenpüree mit Moosmayonnaise, angereichert wurde es mit Giersch und Heidekrautblüten. Der duftende "Unterholz-Punsch", der mit seinem Geruch immer mehr den "Kulturbuan" erfüllt, bleibt vorerst noch unberührt. Noch ist er zu heiß, um ihn trinken zu können.

Während die ersten Teller Schwammerbröi mit Dotsch von der Küche herauf getragen werden, erzählt Conny Müller, was sie daheim im kleinen Pullenreuther Ortsteil Tannenhäusel so alles über das Heidekraut und über die Wetterorakel zusammengetragen hat. Viel erzählt die Kräuterfachfrau auch über die Flechten und über das Moos, das sie als "Filter unserer Gegend" bezeichnet. "Sobald Wasser in der Nähe ist, wird es von den grünen Polstern aufgesaugt", fügt sie hinzu. Im Ofen knistert Holz, draußen regnet es unaufhörlich in Strömen. Davon ist in der Spinnstub'n nur wenig zu spüren. Ab und zu hört man den Wind pfeifen, der um die Glasschleif zieht. "Es brennt wie Zunder", erinnert Müller an anderer Stelle an den bekannten Ausspruch, dem man dem Feuerschwamm zu verdanken habe.

"Jetzt könnten wir die Fettcreme abfüllen", bittet Conny Müller eine der Teilnehmerinnen nach vorne, um ihr zu helfen. Die Referentin hat schon alles vorbereitet, damit es nicht zu lange dauert. Währenddessen wird in der Küche fleißig gearbeitet. Im Topf köchelt die Schwammerbröi, Dotschscheiben brutzeln in der Pfanne. Nur wenige Handgriffe daneben stehen Teller mit Kuchen und Maronencreme bereit. Der Nachtisch wartet bereits auf die hungrigen Spinnstub'n-Gäste, die oben aber noch fleißig arbeiten und zuhören.

Den Themen "Unterholz, alte Kinderspiele, Stricken und Kontrabass" widmeten sich diesmal Organisatoren und Gäste. Auf den versprochenen Kontrabass aber musste man leider verzichten. "Aus gesundheitlichen Gründen", fügt Conny Müller hinzu und meint damit wohl den angekündigten Musikanten, der kurzfristig absagen musste.

In den Mittelpunkt am 13. November rücken dann "Frauenkräuter, Naturkosmetik und Trommeln". Die November-Spinnstub'n sei auch für Männer geeignet. An diesem Abend werden Herzkissen gefertigt. Hergestellt werden auch Lippenpflegestifte, die man seiner Liebsten schenken könne, ergänzt die Kräuterkundige aus Tannenhäusel im Steinwald.

Beim Umfüllen der zuvor hergestellten Creme ist Conny Müller (links) auf Unterstützung angewiesen.
Vom Flechtenpüree darf man anschließend einen Löffel voll probieren. Gereicht wurden die Kostproben von Conny Müller (links) und Adelheid Koch.
Den gemütlichen und lehrreichen Abend begleiten Adelheid Koch (rechts) und Conny Müller.
Mehr und mehr werden die Spinnstub’n-Abende zu einem beliebten Treff, um sich dort auszutauschen.
Schmecken lässt es sich auch Steinwaldia-Vorsitzender Norbert Reger, der von seiner Gattin Maria begleitet wird.
Vorsitzender Norbert Reger hat sich einen Teller Schwammerbröi bestellt. Nicht fehlen darf dabei auch ein frisch zubereiteter Dotsch aus der Glasschleifküche.
Fleißig gearbeitet wird auch in der Küche, um die hungrigen Gäste bewirten zu können.
Conny Müller (links) aus Tannenhäusel bei Pullenreuth kennt sich mit der Natur bestens aus. Ihr Spinnstub’n-Angebot ist passend auf die Jahreszeit abgestimmt.

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.