13.01.2021 - 16:31 Uhr
Oberpfalz

Meinung Radon in der Oberpfalz: Besser messen vorm Durchschnaufen

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Überraschung aus dem bayerischen Umweltministerium: Anders als das Bundesamt für Strahlenschutz sieht das Ministerium keine besondere Radon-Gefährdung in der Oberpfalz. Jürgen Herda kommentiert den Widerspruch.

Mit einem Aerosol- und Radonmessgerät misst Professor Thomas Streil die Radon-Konzentration in einem Keller in Bad Schlema. Der Ort war Gastgeber für die Radonschutzkonferenz Fachleute aus Deutschland und mehreren europäischen Nachbarländern diskutierten über praktische Möglichkeiten des Strahlenschutzes.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Radonfachberater Josef Dill reibt sich verwundert die Augen: Während auf der Radon-Karte des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) große Teile der Oberpfalz rot eingefärbt sind, kommt das bayerische Umweltministerium zu einem völlig anderen Ergebnis: Ausschließlich der Landkreis Wunsiedel wird zum Radon-Vorsorge-Gebiet mit weitreichenden Folgen für Häuslebauer und Arbeitgeber erklärt.

Ist die Entwarnung für die Oberpfalz ein Grund zur Freude? Wohl eher nicht. Natürlich ist die Festlegung neuer Auflagen für Bauherren, Hausbesitzer und Unternehmen selten ein Grund, um in Jubel auszubrechen. Dennoch würde man als Betroffener gerne ausschließen, radioaktive Zerfallsprodukte des Edelgases in so hoher Dosis einzuatmen, dass als Spätfolge Lungenkrebs droht.

Keine neuen Belastungen in der Corona-Krise

Sowohl die bisherigen Messergebnisse und Rechenmodelle des BfS als auch konkrete Daten des Oberpfälzer Radon-Fachberaters legen nahe, dass vor allem in Teilen der grenznahen Landkreise Tirschenreuth, Neustadt/WN und Schwandorf der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter überschritten werden kann. So hat Dill in einem Objekt in Falkenberg Werte von rund 1250 Bq/m³ gemessen.

Ob die neuen Erkenntnisse aus den vom Ministerium beauftragten „wissenschaftlichen Bodenluftmessungen“ auf Grund einer besonders gründlicher Vorgehensweise gewonnen wurden – anders als Sachsen und Thüringen ließ sich Bayern über den eigentlich vorgeschriebenen Festlegungstermin zum 1. Januar hinaus Zeit; oder wie Dill vermutet, eher politische Motive eine Rolle spielten, weil man den Betroffenen mitten in der Corona-Krise nicht zusätzliche Belastungen zumuten wollte, sei dahin gestellt.

Fakt ist: Wer wissen will, ob die Radon-Konzentration in den eigenen Wohnräumen bedenklich hoch ist, sollte selbst eine Messung in Auftrag geben.

Überraschung: Trotz hoher Radon-Werte wird die Oberpfalz kein Vorsorgegebiet

Weiden in der Oberpfalz
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