16.05.2019 - 10:12 Uhr
Raigering bei AmbergOberpfalz

Nach Fahrradunfall in Raigering: Bub spricht mit Politikern

Elias Scherr sieht heute noch den Autoreifen vor sich, der nur knapp an seinem Kopf vorbeirollt. Der Elfjährige ist eines von inzwischen vielen Opfern, welche die große Raigeringer Kreuzung gefordert hat. Höchste Zeit, etwas zu ändern.

Ortstermin in Raigering. Aufmerksam lauscht Stadtrat Daniel Müller (links), wie der elfjährige Elias Scherr und Willi Riß den Unfall schildern, der Elias im Dezember hier passiert ist.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Ortstermin. CSU-Stadtrat Daniel Müller, ein Raigeringer, hat am Dienstag seine Fraktion nach Raigering gebeten. Die Runde ist groß. Zahlreiche Bürger nutzen die Gelegenheit, um ihre Sorgen vorzubringen, was die Belästigung durch den Autoverkehr im Dorf angeht. Auch Oberbürgermeister Michael Cerny ist gekommen, dazu Peter Hofrichter, der Verkehrsexperte der Amberger Polizei, und Peter Seidel vom Straßenverkehrsamt sowie Stadtplaner Sven Daleiden-Lorper.

Gemeinsam mit Willi Riß, der damals als Zeuge dazugekommen war, schilderte Elias Scherr den Unfall, der ihm im Dezember an der Kreuzung passierte - ein Vorfall, der hier häufig vorkommt. Mit seinem Rad überquerte Elias die Kreuzung in Richtung Bürgermeister-Koch-Platz. Gleichzeitig fuhr eine über den Raigeringer Berg aus Richtung Amberg kommende und an der Ampel wartende Frau los und bog nach links in die Immenstetter Straße ein. Wie viele andere auch, wollte sie noch schnell abbiegen, bevor der Gegenverkehr da war. Dabei übersah sie den Elfjährigen und streifte ihn. Schlimmer noch für Elias warr, dass der Fahrer des nachfolgenden Autos ebenfalls nur in Richtung Gegenverkehr schaute und den am Boden liegenden Buben fast überfahren hätte.

Viel Glück gehabt

Elias hatte Glück im Unglück, doch für die Dorfgemeinschaft war damit das Fass zum Überlaufen gebracht. Stadtrat Daniel Müller kam gerne der Bitte nach, hier aktiv zu werden, und holte seine Fraktion an den Ort des Geschehens. Dort beginnt sofort die Diskussion, wie eine Lösung aussehen könnte. "Das ist eine schwierige Situation", urteilt Peter Hofrichter, der Leiter des Sachgebiets Verkehr bei der Polizei, um anschließend sofort in die Diskussion einzusteigen.

Erstes Problem, so die schnellen Ergebnisse, ist die Fußgängerampel in der Hofmark, die in einer Zeit gebaut worden ist, als der Talweg am Gasthaus Sterk noch öffentlich gewidmet und Weg zum Waldfriedhof war. Weil normalerweise bei Rot hier schon die Autos stehen und nicht an der eigentlichen Ampel rund 50 Meter weiter vorn, versuchen die Linksabbieger aus der Hallstätter Straße noch vor diesen Fahrzeugen über die Kreuzung zu kommen - und achten dabei nicht auf Fußgänger.

Am liebsten Kreisverkehr

Diese erste Ampelanlage könnte nach Einschätzung der Verkehrsexperten abgebaut und der Fußgängerüberweg in die eigentliche Kreuzung integriert werden. Dass das nur eine Teillösung sein kann, darüber sind sich alle Beteiligten aber einig. Großer Wunsch der Raigeringer wäre an dieser Stelle ein Kreisverkehr. "Vom Platz her würde ja ein kleiner gehen", sagte Daniel Müller. "Da brauchen wir schon einen großen", verbesserte Peter Seidel von der Verkehrsbehörde. Denn die AM 30 ist eine Route für den militärischen Schwerverkehr. Entsprechend müsste ein Kreisverkehr ausgebaut werden.

Das Ergebnis des Ortstermins: Politik und Verwaltung sind sensibilisiert, das Problem erkannt, der Wille zu einer Lösung vorhanden. Die dürfte nun nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Ortstermin CSU an der Raigeringer Kreuzung
Ortstermin CSU an der Raigeringer Kreuzung
Info:

Raigeringer Verkehrsprobleme

Im Obstviertel ist es laut

Familie Riß wohnt im „Obstviertel“ oberhalb der AM 30. Zwischen der Straße und ihrem Haus lebt der Biber. Der holzt in seinem Lebensraum fleißig Pflanzen ab, so erzählt Nicole Riß. Gleiches haben offenbar auch Beschäftigte der Stadt Amberg in diesem Bereich gemacht. Mit dem Effekt, dass der Straßenlärm der AM 30 nahezu ungehindert hochzieht zum Birnensteig, Apfel- oder Kirschenweg. Sehr zum Leidwesen der dortigen Anwohner, die sich vom Besuch des Oberbürgermeisters am Dienstag erhoffen, dass ihnen ein bisschen geholfen wird.

Nur noch Freiwild

„Wir sind hier nur noch Freiwild“, empört sich Franz Götz und meint die Situation Am Büchsenhang. Dort wurde vor einiger Zeit die Straße in Richtung Lintach erneuert. Was an sich nicht schlecht sei, wäre die Geschwindigkeitsbeschränkung an dieser Stelle nicht von 60 auf 70 angehoben worden. Tatsächlich, so Franz Götz, drehen hier vor allem Motorradfahrer voll auf, so dass sie schnell auf 100 bis 120 km/h beschleunigen. Eine Reduzierung zurück auf 60 geht aber laut Peter Hofrichter von der Polizei hier nicht, normalerweise gelte nach dem Ortsschild überhaupt keine Geschwindigkeitsbeschränkung mehr. Die Lösung: Eine Vormessung, um zu sehen, ob es zu Überschreitungen des Tempolimits kommt.

Straße ist zu eng

Dritter Punkt, der die Raigeringer stört: Es ist eng in der Immenstetter Straße, sehr eng sogar teilweise, so dass die Lkw im Begegnungsverkehr teilweise auf den Gehsteig ausweichen. Eine zufriedenstellende Lösung kann es laut OB aber nur geben, wenn die Stadt an die Grundstücke kommt, um die Straße verbreitern zu können. (ass)

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