11.06.2021 - 14:23 Uhr
Ransbach bei HohenburgOberpfalz

Ransbacher erinnern sich an Jahrhundertunwetter von 1987

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Wenn derzeit heftige Gewitter über der Oberpfalz toben, kommen in Ransbach die Bilder eines Jahrhundertunwetters hoch. Vinzenz Praller erinnert sich an die Nacht zum 2. Juli 1987. Damals wurden große Teile des Dorfes überschwemmt.

"Eine verheerende Überschwemmung sucht die Ortschaft Ransbach in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 1987 heim", schreibt der Ransbacher Feuerwehrchronist Alfred Steindl in das Tagebuch der Feuerwehr Ransbach.
von Paul BöhmProfil

Die wolkenbruchartigen Regenfälle in der Nacht zum 2. Juli 1987 haben die Ransbacher immer noch im Gedächtnis. Damals wurden viele Häuser im Dorf von den Wassermassen des Weihermühlbaches förmlich überrollt. Mehrere Hochwassermarken erinnern an das Unwetter, dass damals den Dorfbewohnern monatelang zu schaffen machte.

Eine ähnliche Situation erlebten die Ransbacher in den vergangenen Tagen wieder. Nach den schweren, punktuell niedergegangenen Gewitterregen war Bürgermeister Florian Junkes im Gemeindegebiet zur einer Schaden-Bestandsaufnahme unterwegs. Die gemeindlichen Feuerwehren waren im Einsatz, um neben Verkehrsabsicherungen von überschwemmten Wegen und Straßen die Sicherheit wieder herzustellen. „Nicht einmal eine Stunde hatten jeweils die starken Gewitterregen am Sonntag und am Montag gedauert“, sagte Junkes. „Wir wurden vom Starkregen förmlich zugeschüttet“.

Fast bis zur Decke unter Wasser

In Ransbach war der aus dem Truppenübungsplatz Hohenfels kommende Weihermühlbach um fast eineinhalb Meter angestiegen. Bei den Bewohnern wurden Erinnerungen an die Nacht zum 2. Juli 1987 wach. Damals waren wolkenbruchähnliche Wassermassen im südlichen Landkreis Amberg-Sulzbach niedergegangen. Neben Ensdorf, Rieden und Schmidmühlen hat das zum Markt Hohenburg gehörige Ransbach die größten Schäden abbekommen, erinnert sich der spätere Feuerwehr-Vorsitzende Vinzenz Praller.

Sein Haus steht nur einen Steinwurf vom Weihermühlbach entfernt. Einige Nachbarhäuser waren damals fast bis zur Decke unter Waser gestanden. "Es war eine richtig braune, zähflüssige Brühe, die damals aus dem Truppenübungsplatz kommend unsere Häuser im Talbereich des Weihermühlbaches überschwemmt hatte." Die Aufräumarbeiten und Sanierungsmaßnahmen, bis alles wieder einigermaßen sauber war, hätten sich einige Zeit hingezogen.

Angesichts der damaligen Ereignisse kam jetzt wieder die Furcht hoch, als sich solche Wassermassen durch das enge Bett des Weihermühlbaches in Richtung Dorf zwängten. „Der Steg über die Lauterach von unserem Haus hinüber zum Feuerwehrgerätehaus war kurzzeitig überschwemmt", erzählt Vinzenz Praller. Zusammen mit der Dorffeuerwehr hätten die Anwohner vorsichtshalber schon Sandsäcke vor er Gartenmauer postiert. So schnell das Wasser gekommen war, so schnell war es auch wieder weg. "Gott sei Dank", sagt Praller. Vor allem Wasserrückhaltebecken im Truppenübungsplatz hätten viel dazu beigetragen, dass sich das Jahrhundertunwetter von 1987 nicht wiederholte. Davon ist Vinzenz Praller als einer der damals Hauptgeschädigten überzeugt.

Über 100 Liter an Niederschlag

Dieses Mal seien die Wassermassen nicht aus dem Einzugsbereich der ehemaligen Ortschaft Pielenhofen gekommen, "sondern aus der Gegend rund um Freischweibach durch das Truppenübungsplatzgelände zu uns nach Ransbach herunter". Der Regenmesser habe an diesen beiden Tagen innerhalb weniger Stunden über 100 Liter Niederschlagsmenge verzeichnet – eine Menge bei so kurz aufeinander folgenden Gewittern.

Bürgermeister Florian Junkes spricht von heftigen, gewittrigen Starkregenfällen, die es in den vergangenen Tagen zwischen Allersburg und Malsbach, in Malsbach selbst sowie zwischen Allertshofen und Mendorferbuch und im Talgrund von Köstl gegeben habe. So war seinen Angaben nach die Baustelle zum Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße im Bereich von Allertshofen für ein paar Stunden unter Wasser gestanden, weil der Boden die Niederschlagsmengen nicht mehr habe aufnehmen können.

Garage lief voll Wasser

Weiter erzählt Junkes, dass in Köstl ist ein bebautes Grundstück samt einer Garage vollgelaufen ist, weil die Wassermassen über die Straßengräben und die Kanaleinflüsse hinweg geschossen seien. Die Hauseigentümerin sei derzeit dabei, ihre Garage auszuräumen und die Sachen zum Trocknen ins Freie zu bringen. Weitere Überschwemmungen gab es rund um Ortschaft Thonhausen. „Teilweise kamen große Wassermengen über die Äcker in Trockentäler, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr überschwemmt worden waren“, bilanziert der Bürgermeister, der zugleich Vorsitzender der Feuerwehr in Hohenburg ist.

Die Unwetter haben auch Eberhardsbühl hart getroffen

Eberhardsbühl bei Edelsfeld

"Es war eine richtig braune, zähflüssige Brühe, die damals aus dem Truppenübungsplatz kommend unsere Häuser im Talbereich des Weihermühlbaches überschwemmt hatte."

Vinzenz Praller

Innerhalb kurzer Zeit schwoll der ansonsten ruhig dahinplätschernde Weihermühlbach zum reißenden Gewässer.an Die Anwohner auf der anderen Seite beobachteten mit sorgenvollen Blicken die Situation.
An die Flutkatastrophe in der Nacht zum 2. Juli 1987 erinnert die Hochwassermarke am Bildstock "Maria mit dem Kinde" beim Weihermühlbach.
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