09.03.2020 - 18:21 Uhr
RegensburgOberpfalz

Antisemitismusbeauftragter Spaenle kritisiert "Judensau" am Regensburger Dom

Antisemitische "Schmähbilder" an Kirchen sorgen schon länger für Unverständnis. Der bayerische Antisemitismusbeauftragte befasst sich jetzt mit diese Skulpturen.

Über einem Seiteneingang des Regensburger Doms befindet sich eine antisemitische Schmähskulptur.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU) sieht dringenden Handlungsbedarf im Zusammenhang mit judenfeindlichen Darstellungen an Kirchen. Als ein Beispiel nennt er die sogenannte Judensau an historischen Gotteshäusern, etwa am Regensburger Dom. Spaenle sagte am Montag in München, er wolle deshalb nicht nur den am Montag in Regensburg begonnen Dialogprozess zum Schmährelief am Dom St. Peter vorantreiben, sondern über das Thema auch beim nächsten Treffen der Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten sprechen, teilte er mit.

Im Dezember hattet Eva Haverkamp-Rott, Professorin für mittelalterliche jüdische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, die Schmähskulptur aus dem 14. Jahrhundert über einem Seiteneingang des Doms als "Stein gewordenen Antisemitismus" bezeichnet. Dem war eine Diskussion in Regensburg über den Umgang damit vorausgegangen.

"Wir können nicht zusehen, dass an einzelnen Orten diese mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Darstellungen, die Juden in übelster Weise verunglimpfen und massiv in ihrem Ansehen schädigen, gänzlich oder unzureichend kommentiert öffentlich sichtbar sind", sagte Spaenle laut Mitteilung vom Montag. Als Beispiele für Kirchen mit derartigen Schmähbildern nennt er neben dem Regensburger Dom auch die Kirche St. Sebald in Nürnberg und das Tor der Burg Cadolzburg in Mittelfranken.

Spaenle spricht einerseits davon, dass diese "Schmähbilder" nicht einfach entfernt werden könnten, weil sie nicht selten Teil von denkmalgeschützten Bauten seien und auch als steinerne Dokumente für Vorstellungen vergangener Jahrzehnte stünden. Andererseits warnt der frühere bayerische Kultusminister, diese Skulpturen könnten "in wirren Köpfen Vorurteile verstärken und den Eindruck erwecken, dass unsere Gesellschaft mit der Vergangenheit unkritisch umgeht". Spaenle sagte, die Schmähbilder seien Ausdruck vergangenen Handelns. Sie müssten als solche unmissverständlich erklärt werden.

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