13.01.2019 - 20:16 Uhr
RegensburgOberpfalz

Bayerischer Frauenbund zieht den Hut

Seit 100 Jahren dürfen Frauen in Bayern wählen. Daran erinnert der Frauenbund. Besonders groß ist der Anteil der Frauen im Landtag aber auch heute nicht.

Die Mitarbeiterinnen der KDFB-Geschäftsstelle und die KDFB-Diözesanvorsitzenden ziehen den Hut – vor den mutigen Frauen, die vor 100 Jahren das Frauenwahlrecht erstritten haben.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) in Bayern hat an die erste Landtagswahl mit Beteiligung von Frauen am 12. Januar vor 100 Jahren erinnert. "Wir ziehen den Hut", sagte Diözesanvorsitzende Karin Schlecht laut Mitteilung des Frauenbundes vom Freitag. Damit würden sie den Frauen ihren Respekt bekunden, "die in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche ihre Stimme für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung erhoben haben". Vor diesen Frauen vor allen Frauen, die heute politisch denken und handeln, ziehe "der KDFB sprichwörtlich den Hut".

Der Freistaat Bayern war das erste Bundesland, in dem nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Die Zeit bis zur ersten demokratischen Wahl hätten insbesondere Frauenbund-Frauen intensiv genutzt um bayernweit Frauen über das aktive und passive Wahlrecht zu informieren. "Allein von Anfang Dezember 1918 bis zur Wahl wurden in Bayern und der Pfalz 72 neue Zweigvereine mit etwa 10 000 neuen Mitgliedern gegründet", sagte die heutige KDFB-Vorsitzende Emilia Müller aus Nittenau (Kreis Schwandorf). Mit seinen heute 165 000 Mitgliedern ist der Frauenbund nach eigenen Angaben der größte Frauenverband in Bayern.

Kurt Eisner (SPD) hatte nach Kriegsende in München am Abend des 7. November 1918 neben der Ausrufung des "Freistaats" Bayern auch das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht für Männer und Frauen proklamiert. Für ganz Deutschland war das Frauenwahlrecht am 12. November 1919 verkündet worden. Bei den ersten Wahlen zum bayerischen Landtag am 12. Januar 1919, an denen sich Frauen beteiligen durften, waren laut Frauenbund dann rund 88 Prozent der Frauen zur Abstimmung gegangen.

Wesentlich dazu beigetragen habe die damalige Vorsitzende des Verbands Ellen Ammann. Sie war im Jahr 1919 als eine von nur sieben Frauen ins Parlament in München einzog. Bis zum Jahr 1932 sei sie als einzige weibliche Abgeordnete durchgehend Mitglied des bayerischen Landtags gewesen. Dass sich der Frauenanteil im Landtag von knapp sechs Prozent in den vergangenen Hundert Jahren nur auf knapp 27 Prozent erhöht hat, sieht Müller als Ansporn: "Ein Ziel des Frauenbundes in Bayern ist und bleibt es, den Frauenanteil im Parlament zu erhöhen. Es darf nicht weitere 100 Jahre dauern, bis endlich eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in der Politik erreicht ist." Der Appell des KDFB: "Frauen! Macht! Politik!"

Mit seiner Aktion "Wir ziehen den Hut!" will der Frauenbund bundesweit die Frauen ehren, die bereits vor 100 Jahren gegen viele Widerstände und Vorurteile die Politik aktiv mitgestaltet haben. Weil der Frauenbund anfangs als "Verein der Damen mit Hut" bezeichnet wurde, sei die Idee entstanden mit Hut auf die Straße zu gehen, um ein Bekenntnis zu Demokratie und Frauenrechten abzugeben, teilte der Diözesanverband mit.

https://www.wir-ziehen-den-hut.de

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