17.11.2021 - 18:49 Uhr
RegensburgOberpfalz

Die Booster-Impfung: Ein Professor erklärt, warum sie so wichtig ist

Aller Querdenker-Leugnungen zum Trotz: Ein Blick auf eine Intensivstation in der Oberpfalz zeigt, wie wichtig Impfschutz vor Corona ist. Eine Booster-Impfung bringt einen hohen Schutzeffekt. Und es gibt noch eine gute Nachricht.

Booster-Impfungen, wie zum Beispiel mit dem Moderna-Impfstoff, gehören laut Professor Bernd Salzberger zu den sehr wirksamen Mitteln, um den Corona-Ausbruch zu beenden.

Von Sebastian Böhm und Wolfgang Würth

Obwohl neue Studien den Rückgang der Schutzwirkung der Corona-Impfung deutlich belegen, ist auf den Intensivstationen der Region der positive Effekt der Impfung weiter klar nachzuweisen. „Zweimal geimpfte, gesunde Personen sind bisher noch nicht bei uns auf der Intensivstation gelandet“, betont Professor Bernd Salzberger, Infektiologe an der Uniklinik in Regensburg, auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Tatsächlich lägen dort 90 Prozent Ungeimpfte, die anderen hätten schon zuvor unter einer Immunschwäche gelitten.

Eine schwedische Untersuchung hatte zuletzt gezeigt, dass nach einem halben Jahr der Impfschutz stark nachlasse. Deutsche Fachleute warnen zwar vor einer Überbewertung, sehen aber grundsätzlich einen Trend bestätigt. Booster-Impfungen bei Risikogruppen seien sehr wichtig. Bislang haben in Deutschland rund fünf Prozent der Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Delta dominiert in der Oberpfalz

„Die Booster-Impfung von mindestens 50 Prozent der Bevölkerung ist eines der sehr wirksamen Mittel, um einen Ausbruch zu beenden“, erklärt auch Salzberger. Vor allem Menschen über 70 Jahre bräuchten schnell eine Auffrischung. „Diese sind überwiegend im ersten Quartal des Jahres geimpft worden, das heißt vor mehr als sechs Monaten.“ Laut dem Regensburger Professor dominiert die Delta-Variante absolut – weltweit und auch in der Oberpfalz. „Die Wirksamkeit der Impfung nimmt allein durch die Delta-Variante von 95 Prozent auf 80 Prozent ab.“

Der Impfschutz bei älteren Menschen sinke sogar von mehr als 90 Prozent auf circa 60 Prozent nach sechs Monaten. Die Schutzwirkung gegen Infektionen steige nach der Booster-Impfung aber wieder rasch an. „Nach drei Impfungen besteht ungefähr wieder ein Schutz von 95 Prozent, ähnlich wie kurz nach der zweiten Impfung“, sagt Salzberger. In der vergangenen Woche haben sich in der Oberpfalz immerhin über 17 000 Menschen ihren Impfbooster geholt. Viele Arztpraxen und Impfzentren berichten von einem großen Interesse an der Auffrischung – sogar von einer Knappheit der Impfstoffe war zu hören.

Der Apotheker Stephan Schug sieht derzeit allerdings keine Versorgungsengpässe bei den Impfstoffen. Aus dem Pharma-Großhandel kommen positive Signale. „Das hat sich inzwischen sehr gut eingespielt“, sagt Schug, der in den Landkreisen Neustadt/WN und Tirschenreuth Apotheken betreibt und mehrere Arztpraxen mit Impfstoff versorgt, auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Richtig sei allerdings, dass es in der vergangenen Woche wegen des sprunghaften Anstiegs der Nachfrage nach Booster-Impfungen kurzfristig Engpässe gab. Das lag aber nicht am fehlendem Impfstoff, sagt Schug. Ärzte und Impfzentren hatten im Vorfeld zu wenig bestellt, um alle Impfwilligen sofort bedienen zu können.

Genügend Impfstoff-Reserven

Ähnliches berichtet die Regierung der Oberpfalz. Durch den sprunghaften Anstieg an Impfungen ging in einzelnen Impfzentren tatsächlich der Impfstoff zur Neige – durch Reserven des Freistaats Bayern seien aber alle Bedarfsmeldungen der Impfzentren gedeckt worden. „So konnten sich Oberpfälzer Impfzentren, die zusätzlich Bedarf angemeldet hatten, am letzten Samstag insgesamt rund 5 800 Dosen Biontech sowie 1 200 Dosen Moderna in einem Zentrallager im Landkreis Regensburg abholen und damit versorgt werden“, erklärte eine Regierungs-Sprecherin.

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Weiden in der Oberpfalz
Professor Bernd Salzberger, Infektiologe an der Uniklinik Regensburg.

Nach drei Impfungen besteht ungefähr wieder ein Schutz von 95 Prozent, ähnlich wie kurz nach der zweiten Impfung.

Professor Bernd Salzberger, Infektiologe am Uniklinikum Regensburg

 

 

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