Sie hat den Wandel Bayerns vom Zweiten Weltkrieg bis heute miterlebt und mitgestaltet und ihr Lebenswerk ist längst nicht zu Ende: Erika Eichenseer aus Regensburg ist auch an ihrem 90. Geburtstag voller Tatendrang. "Könnt ihr noch stehen?", fragte sie während ihrer etwa einstündigen Begrüßungsrede ihre Geburtstagsäste. "Ihr könnt euch gerne Stühle holen." Sie selber aber stand und blieb stehen. Erika Eichenseer vermittelt seit Jahrzehnten das, was vielerlei moderne Initiativen mit Schlagwörten wie Nachhaltigkeit, Ressourcenschonen, Klimaschutz oder Resilienz neu entdecken. Sie wirbt für die Schönheit des Einfachen, des Bewährten, des Naheliegenden, die verkannten Schätze direkt vor der Haustür. "Das ist Heimatpflege", sagt sie und ihr hat sich die Frau des 2015 verstorbenen Bezirksheimatpflegers Adolf Eichenseer verschrieben.
Erika Eichenseers Steckenpferd ist das Märchensammeln und -erzählen. Sie hat mit der Auswertung des Nachlasses von Franz Xaver von Schönwerth (1810 bis 1886) Pionierarbeit geleistet. Erst durch das Engagement der 90-Jährigen sind die Märchen, die Schönwerth einst in der Oberpfalz gesammelt hat, bekannt geworden. International stieß das auf großes Interesse. Dem neu entdeckten Märchenschatz aus Ostbayern wird eine ähnliche Qualität wie den Märchen der Gebrüder Grimm nachgesagt. So verwundert es nicht, dass die Schönwerth-Gesellschaft Eichenseer jetzt den Titel Ehrenpräsidentin verliehen hat. Der Chef der Organisation, Johann Walbrunn (ehemaliger Bürgermeister von Pleystein), überreicht dazu die Urkunde. Und er hatte noch ein besonderes Geschenk dabei: Die Nachricht, dass die schriftlichen Aufzeichnungen Schönwerths nunmehr zu Forschungszwecken digitalisiert sind.



















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