28.07.2020 - 14:39 Uhr
RegensburgOberpfalz

Was Hobbyimker über Bienen wissen müssen

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Was dem einen Katz und Hund, ist dem anderen sein Bienenvolk. Imkern als Hobby liegt derzeit im Trend. Wer sich die fleißigen Haustierchen allerdings für den privaten Garten anschaffen will, sollte einige Expertentipps beachten.

Honigbienen gelten als Haustiere, denn ohne die Hilfe und Fürsorge des Menschen wären sie aufgeschmissen.
von Susanne WolkeProfil

"Imkern kann zur Sucht werden" - das ist eigentlich das einzige, wovor Helene Köhler warnt. Die Vorsitzende des Imkervereins Regensburg 1952 weiß sogar von Kollegen, die ihre Leidenschaft trotz ernstzunehmender Allergie nicht aufgegeben haben. "Wer einmal damit angefangen hat, kann nicht mehr aufhören", so die Erfahrung der Imkerin.

Die gute Nachricht: Imkern ist im Trend, Bienenkästen stehen immer häufiger in privaten Gärten. Die schlechte Nachricht: Dem Bienensterben ist zwar mittlerweile der Kampf angesagt. Die Schlachtfelder zwischen versiegelten Gewerbegebieten, landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen und Steingärten bieten aber nach wie vor denkbar ungünstige Bedingungen für die kleinen Pollensammler.

Erfreulich erscheint da die Bewegung, die sich derzeit aus der Nische einer Subkultur herausbewegt. Bienen im eigenen Garten ein Zuhause bieten: Das klingt schön und lobenswert und ist auch durchaus umsetzbar - wenn auch unter besonderen Bedingungen. Als besonders kompliziert schätzt Helene Köhler ihr Hobby allerdings nicht ein. "Jeder darf Bienen haben, und eigentlich kann das auch jeder", hält die Imkerin fest. Dennoch gibt es einiges zu beachten.

Auf den Menschen angewiesen

"Der größte Fehler ist es, sich einfach einen Bienenkasten in den Garten zu stellen und das Volk sich selbst zu überlassen", das ist für die Imkerin der wichtigste Punkt. Denn: Bienen sind Haustiere. "Das bedeutet, sie sind auf die Pflege und die Obhut durch den Menschen angewiesen", präzisiert Helene Köhler. "Die Honigbiene obliegt wie jedes andere Haustier der gesetzlichen Regelung, dass man sich um sie kümmern muss."

Die Vorläuferin der heute populären Honigbienenrassen, die weit oben in den hohlen Baumstämmen deutscher Wälder lebte, gibt es längst nicht mehr. Ihre Nachfolgerinnen sind Hochleistungsbienen, die von Imkern auf besondere Eigenschaften hin gezüchtet wurden - etwa hohe Produktivität, was den Honig anbelangt, sowie Sanftmütigkeit. Mit der südamerikanischen Killerbiene, die einen ähnlichen Ertrag einbringen könnte wie ihre europäische Verwandte, würden sich Imker in Deutschland wohl Probleme einhandeln.

"Man sollte seine Nachbarn vorher in Kenntnis setzen, wenn man sich Bienen anschaffen will", räumt die Expertin ohnehin ein. Grundsätzlich aber könne einem das Imkern niemand verbieten. Wichtigste Voraussetzung aber: Das neue Volk muss beim zuständigen Veterinäramt angemeldet werden. "Dort will man wissen, wo die Standorte der Imker und ihrer Bienen sind", so die Begründung. Wichtig dabei auch: Eventuelle Seuchen, wie etwa die Faulbrut, müssen unbedingt gemeldet werden.

Ansonsten aber kann mit dem Imkern praktisch jeder loslegen, der bereit ist, zwischen April und August bei seinem Bienenvolk etwa einmal pro Woche nach dem Rechten zu sehen. Pro Stock sollte man dann fünf bis zehn Minuten einrechnen. Das ist nach Helene Köhler in etwa die Faustregel. Im Winter braucht man die Bienen dagegen nicht zu stören. Denn eigentlich ist jeder Eingriff in das Volk, auch wenn er noch so nötig ist, etwa um Milbenbefall rechtzeitig zu erkennen, eine Störung für die dort lebende Einheit.

Im Mai geht's rund

Vor allem aber jedes Jahr im Mai müsse der Bienenhalter achtsam sein. Dann ist "Schwarmzeit" - und für den Imker gilt es zu verhindern, dass ein Teil der Bienen in dem Drang, ein neues Volk zu gründen, unkontrolliert ausschwärmt. Der erfahrene Imker hat dafür mehrere Möglichkeiten in petto. Schließlich könnte das neue Volk auf sich alleine gestellt nicht überleben, wie Helene Köhler noch einmal betont.

Honigbienen von heute brauchen einen Bienenstock, eine sogenannte Beute. In den Rähmchen, die der Imker dafür vorsieht, können sie ihre Waben bauen und auch den begehrten Honig produzieren. Um diesen zu gewinnen, holt der Imker die Rahmen heraus und gibt sie in eine Honigschleuder. Die können Mitglieder in der Regel bei Imkervereinen ausleihen, erklärt Helene Köhler.

Die meisten der deutschen Imker betreiben ihre Leidenschaft nicht gewerblich, weiß die Vorsitzende des Regensburger Imkervereins. Doch auch Hobbyimker brauchen für ihr Steckenpferd die passende Ausrüstung.

Die obligatorische Kopfbedeckung mit Schleier ist dabei unerlässlich, noch viel mehr als der Körperschutzanzug. Denn unter den Bienen, die die Verteidigung ihres Stocks gegen dickhäutige Bären in den Genen haben, herrscht das Wissen: Wer effektiv stechen will, der tut das am besten in Augen, Mund oder Nase. Aber es gibt auch eine Methode, die Verteidigung bei der regelmäßigen Inspektion des Bienenstocks von vornherein einzudämmen. Wenn es raucht, verlässt die Biene nämlich ihren vermeintlich brennenden Stock. Ein sogenannter Smoker gehört daher ebenfalls zur Grundausstattung eines Imkers. Reinigen braucht man den Bienenstock laut Helene Köhler nicht. Das übernehmen die reinlichen Tiere selber. Für die straffe Organisation im Bienenstock ist das kein Problem.

Zehn Völker reichen

Und wo bekommt man die Bienen her? Vom Imker natürlich. Viele Profis bilden gezielt Jungvölker. "Man kann sie aber auch selbst einfangen" - für erfahrene Imker wie Helene Köhler ist es kein Problem, ein entflogenes Volk zu retten. Neueinsteiger wenden sich wohl besser an einen Fachmann. "Zehn Völker reichen", gibt Helene Köhler zur Zahl der neuen Haustiere Auskunft. Die meisten Imker haben zwei bis drei Bienenvölker, es gibt aber auch welche mit nur einem. Gegenseitig in die Quere kommen sich die Tiere nicht. "Wenn etwas blüht, dann in Massen", weiß Helene Köhler.

Was die Umgebung betrifft, sind die Bienen anspruchslos. Sie bedienen sich vor allem an eher unscheinbaren Blüten. "Manche Imker halten ihre Bienen auch im Gebüsch oder im Wald", so Köhler. Auffällige Exoten unter den Gartenpflanzen sind für die Bienen eher uninteressant. Mit versiegelten Flächen und Steingärten können die Brummer gar nichts anfangen.

Imkerin Helene Köhler gibt Tipps für Hobbyimker.
Die Imkerei boomt: Immer mehr Bienenfans holen sich eigene Völker in den heimischen Garten. Doch einige Tipps sollte man beachten.

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