23.06.2020 - 13:06 Uhr
RegensburgOberpfalz

Mögliches Mordmotiv im Fall Baumer: Verlobter war in Patientin verliebt

Am 1. Juli kommt der Mord an Maria Baumer vor Gericht. Angeklagt ist ihr damaliger Lebensgefährte: Er suchte nach einem Weg, ihre geplante Hochzeit zu verhindern – und heckte dafür einen mörderischen Plan aus.

Christian F., Verlobter von Maria Baumer, bei seinem dramatischen Auftritt in "Aktenzeichen XY" 2012.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

In einer Woche beginnt der Mordprozess gegen Christian F. (35), den damaligen Verlobten von Maria Baumer. Das Landgericht Regensburg veröffentlichte am Dienstag die Anklageschrift. Demnach war Christian F. in eine andere verliebt. Er habe gegenüber einer Patientin, die er 2011 als Pfleger am Bezirksklinikum Regensburg kennengelernt hatte, "romantische Gefühle" entwickelt. Sie erwiderte diese Gefühle nicht. Aber aus seiner Sicht stand einer gemeinsamen Zukunft mit der jungen Frau die geplante Hochzeit mit Maria Baumer im Weg. Die Einladungskarten waren schon gedruckt. Christian F. und Maria Baumer wollten am 8. September 2012 in großem Stil mit vielen Gästen heiraten.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Christian F. wollte seine Verlobte - die Verlobung datierte vom 10. August 2011 - aus dem Weg räumen. Laut Anklage recherchierte er im Internet in den Wochen vor Pfingsten 2012 nach Tötungsmethoden. Insbesonders informierte er sich über die Wirkungen des starken Beruhigungsmittels Lorazepam. Christian F. soll nach Erkenntnis der Ermittler zudem die Begriffe "der perfekte mord" gegoogelt haben.

Am Vorabend ihres Verschwindens war Maria Baumer mit ihrem Verlobten auf einer Grillfeier auf dem Reiterhof seiner Familie in Bernhardswald. Die Tatzeit grenzt die Staatsanwaltschaft auf 23 Uhr an diesem Freitagabend vor Pfingsten 2012 bis 8.53 Uhr am Samstagmorgen ein. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Angeklagte seiner nichts ahnenden Freundin die Medikamente Lorazepam und Tramadol in hoher Dosis in ein Getränk gemischt hat. Dies habe zur tiefen Bewusstlosigkeit seines Opfers und schließlich "mit hoher Wahrscheinlichkeit" zum Atemstillstand geführt.

Die Leiche habe der Krankenpfleger laut Anklagesatz dann in einem Waldstück nahe Bernhardwald in eine Grube gelegt und mit Antihybridbinder und Branntkalk bestreut. Auf diese Weise sollte sich der Körper verflüssigen und eine Identifizierung verhindert werden.

Warum Christian F. nicht einfach zugab, dass er sich verliebt hatte? Auch darauf hat die Staatsanwaltschaft Antworten. Er habe sich mit der Inszenierung des Verschwindens die Absage der Hochzeit erspart und zudem plausibel erklären können, warum er ein begonnenes Medizinstudium wieder hinwarf.

Eine Chronologie: Das Doppelleben des Christian F.

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