16.10.2019 - 17:59 Uhr
RegensburgOberpfalz

Ein Räuber profitiert von Revision

Das Landgericht Regensburg erlässt gegen einen Täter eine mildere Strafe. Die übrigen drei Einbrecher gehen bei der Revision leer aus.

Ein Schild mit der Aufschrift "Landgericht - Amtsgericht - Betreuungsgericht" ist am Landgericht angebracht.
von Autor AHSProfil

Regensburg. (ahs) Im August 2016 tauchten die vier Angeklagten im Alter zwischen 31 und 26 Jahren nachts mit über den Kopf gezogenen Anonymous-Masken bei einem Sinzinger Unternehmerehepaar auf. Mit Pistolen brachen sie jeglichen Widerstand, fesselten das Paar und pressten den Code für den Wandsafe heraus. Dabei wurde der Mann getreten und mit der Waffe geschlagen. Ein 26-Jährige betatschte zudem die wehrlose Frau. Mit einer Beute von mehr als 32 000 Euro zog das Quartett ab.

Im Januar 2018 wurden die Täter von der 5. Strafkammer des Landgerichts Regensburg entsprechend ihrer Tatbeteiligung zu Freiheitsstrafen zwischen sechs Jahren und neun Monaten sowie acht Jahren verurteilt. Bei dieser Entscheidung wurde auch ein im gleichen Jahr verübter Wohnungseinbruch zwei Angeklagter mit abgeurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte sich für Haftstrafen im zweistelligen Bereich ausgesprochen und deshalb Revision eingelegt. Drei der vier Angeklagten schlossen sich an.

Den Regensburger Schuldspruch hob der Bundesgerichtshof tatsächlich auf. Dabei rügte er, dass weder die Staatsanwaltschaft in ihrem Anklagesatz, noch die Strafkammer in ihrem Urteil den möglichen Tatbestand eines "erpresserischen Menschenraubs" berücksichtigt hatten. Dem Hinweis der Karlsruher Richter zufolge ist für die Verwirklichung dieses Tatbestandes ein Verbringen an einen anderen Ort nicht erforderlich. Weiter sei die Krankheitsgeschichte eines 31-jährigen Mittäters und damit die Möglichkeit einer verminderten Schuldfähigkeit nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Da das Tatgeschehen als solches bereits rechtskräftig feststand, konnten sich die Richter des zweiten Prozesses auf die Frage der Schuldfähigkeit des 31-Jährigen und die Folgen der Tat bei den Geschädigten beschränken. Diese sagten vor Gericht aus, dass sie nach wie vor psychisch schwer angeschlagen sind. Sie würden an Schlaflosigkeit und Angst vor Dunkelheit leiden. Auch seien sie seither misstrauischer. Seit der Prozess neu aufgerollt wurde, habe sich ihr Leiden deutlich verschlimmert.

Nach Anhörung eines Sachverständigen reduzierte die Strafkammer bei dem 31-Jährigen die Freiheitsstrafe von sieben Jahren und drei Monaten auf sechs Jahre. Sein Zustand würde hart an der Grenze zur verminderten Schuldfähigkeit liegen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und vier Monaten beantragt. Der Verteidiger eine von fünf Jahren. Bei den anderen Angeklagten beließ es die Strafkammer bei den im Ersturteil ausgesprochenen Strafen. Die Staatsanwaltschaft hatte sich für deutlich höhere Strafen zwischen acht Jahren und drei Monaten und neun Jahren ausgesprochen.

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