02.03.2021 - 20:33 Uhr
RegensburgOberpfalz

Regierungspräsident appelliert zum Durchhalten

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Weil neue Corona-Mutationen auf Lockdown-Müdigkeit treffen, stehen der Oberpfalz schwierige Wochen bevor, sagt Regierungspräsident Axel Bartelt. Er appelliert an die Menschen, jetzt durchzuhalten. Denn er sieht auch einen Silberstreif.

Regierungspräsident Axel Bartelt (Mitte) beim Besuch am Grenzübergang Waidhaus
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Axel Bartelt macht sich Sorgen. Der Präsident der Regierung der Oberpfalz beobachtet die aktuelle Corona-Entwicklung in "seinem" Regierungsbezirk genau. Und er nimmt den Wunsch der Bürger nach Öffnung wahr. Diese Verbindung ist es, die den ersten Verwaltungsbeamten der Oberpfalz beunruhigt. "Die Menschen lechzen nach Lockerungen, tatsächlich ist es aber noch nicht überall in Bayern an der Zeit, die Einschränkungen zu lockern", erklärt Bartelt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Besonders gelte dies für die nördliche und östliche Oberpfalz. Die Gefahr durch neue Corona-Mutationen sei hier besonders offensichtlich. Tests im Februar haben einen erschreckend hohen Anteil der deutlich ansteckenderen britischen Virusvariante nachgewiesen. Die hohen Inzidenzwerte rund um Tirschenreuth und Weiden kommen nicht von ungefähr. "Die Menschen im Landkreis Tirschenreuth tun mir leid. Ihr Landkreis ist zum zweiten Mal einer der Hotspots in Deutschland, ohne dass sie dies verschuldet hätten", erklärt Bartelt.

Keine Schuldzuweisungen

Um sofort hinterherzuschieben, dass auch Schuldzuweisungen an die Nachbarn in Tschechien niemanden weiterhelfen. "Die Bilder und Nachrichten aus Cheb sind erschütternd. Hier ist unser aller Solidarität gefordert. Selbstverständlich sind wir bereit unseren tschechischen Nachbarn zu helfen - was auch schon offiziell kommuniziert worden ist."

Woher der hohe Anteil mutierter Viren stamme, lasse sich ohnehin nicht mehr nachvollziehen. Fest steht, dass sich unter den rund 3600 Corona-Neuinfektionen in der Oberpfalz in den ersten drei Februarwochen fast 1750 Mutationsverdachtsfälle ergeben haben. Im Kreis Tirschenreuth ist der Anteil nochmals deutlich höher: Bei 495 von 771 positiven Tests liegt hier ein Verdachtsfall vor. Hinzu kommen im Landkreis 126 positiv getestete Pendler aus Tschechien. Bei 55 besteht Mutationsverdacht. Mit nachhaltig sinkenden Werten rechnen Bartelt und seine Experten im Gesundheitswesen der Regierung deshalb zunächst nicht. Im Gegenteil sei davon auszugehen, dass die hohen Werte sich auch auf Gebiete weiter im Westen übertragen, wie es schon in der vergangenen Woche zu beobachten war.

Gleichzeitig ist sich Bartelt bewusst, dass der Druck der Öffentlichkeit hoch ist: Wirtschaft, Schulvertreter und die Menschen fordern eine Rückkehr zur Normalität. "Es wird auf die Balance zwischen stufenweiser Öffnung und gebotener Sicherheit ankommen", sagt Axel Bartelt dazu. Unter Umständen müssten die Öffnungen dabei an die Inzidenz in den jeweiligen Landkreisen angepasst werden. Das könnte den besonders betroffenen Regionen wie eben Tirschenreuth zusätzliche Geduld abverlangen. "Selbstverständlich erwarten auch die Menschen in der Nordoberpfalz nach 16 Wochen Lockdown Lockerungen. Diese werden aber wohl anders gestaltet sein müssen als bei Öffnungen in Gebieten mit sehr niedriger Inzidenzwerten wie etwa in Schweinfurt oder Kaufbeuren", so Bartelt.

Jeder Einzelne gefragt

Daher komme es nun auf jeden Einzelnen an, sich weiter achtsam zu verhalten. "Ich appelliere an die Menschen zur Vorsicht." Die Gefahr sei groß, dass nach einer Öffnung von Schulen und Geschäften der nächste harte Lockdown oder gar Bilder wie aus Tschechien drohen. "Ob die dritte Welle vor der Tür oder schon im Zimmer steht, werden wir in zwei oder drei Wochen wissen."

Dabei gebe es sehr wohl Aussicht auf Besserung. Ende März soll mehr Impfstoff zur Verfügung stehen. Zudem sei bereits ein positiver Effekt der Impfungen bei Senioren zu bemerken. Aus den Krankenhäusern erhält Bartelt die Rückmeldung, dass sich die Patientenstruktur auf den Intensivstationen verändere. Die Belegung sei weiter hoch, allerdings seien die Patienten im Schnitt etwas jünger. "Bei diesen jüngeren Patienten ist die Verweildauer geringer, die Überlebenschance besser", gibt Bartelt weiter, was er an Rückmeldung erhalte. Das Gesundheitssystem werde so weniger belastet, möglicherweise komme es bald mit höheren Inzidenzwerten zurecht, ohne dass Überlastung und Zusammenbruch drohen. Bis man dies aber genauer wisse, sei weiterhin Vorsicht geboten - mindestens, bis besseres Wetter und verstärkte Aktivitäten im Freien, mehr Impfungen und höhere Testzahlen die Lage wirklich entspannen. "Diese Pandemie ist wie ein Marathon, bei dem die Läufer das Gefühl haben, dass das Ziel immer weiter nach hinten versetzt wird. Wir dürfen jetzt trotzdem nicht nachlassen, sonst wäre unser bisheriger Einsatz umsonst gewesen", betont Bartelt.

Hintergrund:

Zur Person: Axel Bartelt

  • geboren am 17. März 1956 in Ulm.
  • Jura-Studium an der LMU in München 1986 mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen.
  • Anschließend Eintritt in den bayerischen Verwaltungsdienst.
  • ab 1993 persönlicher Referent von Ministerpräsident Edmund Stoiber später Chef des Protokolls der Staatskanzlei.
  • Seit Februar 2014 Regierungspräsident der Oberpfalz

Kommentar zum Thema

Weiden in der Oberpfalz

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