21.05.2021 - 17:13 Uhr
RegensburgOberpfalz

Senioren um Tausende Euros gebracht: Haftstrafe für Trickbetrüger

Als falscher Polizist brachte er fünf ältere Frauen um ihr Hab und Gut. Am Freitag sprach das Landgericht Regensburg nun das Urteil gegen den Trickbetrüger. Der Mann soll nur als letztes austauschbares Glied einer Bande fungiert haben.

Der Angeklagte zeigte sich nach seiner Verhaftung während der letzten Tat Ende November kooperativ. Von den Drahtziehern fehlt jede Spur.
von Michael BothnerProfil

Aufpassen bei der Berufswahl. Das ist eine der Botschaften, die das Gericht am Ende des dreitägigen Prozesses gegen einen 29-jährigen Regensburger formulierte. Der gebürtige Tirschenreuther war 2020 längere Zeit arbeitslos, als er bei Facebook auf eine Annonce aufmerksam wurde. Vom Versprechen auf schnelles Geld gelockt, wohl wissend, dass es sich um illegale Machenschaften handeln könnte, suchte er den Kontakt. Laut Richter Oliver Wagner sei das durchaus als Arbeitssuche zu verstehen. „Er wollte sich hier eine fortwährende Einnahmequelle verschaffen.“ Das Gericht ist aber auch überzeugt, dass der Angeklagte bei der ersten Tat am 29. September 2020 „wohl von einem fortlaufenden Wettbetrug ausgegangen ist“. Tatsächlich hatte der Angeklagte an diesem Tag 34 000 Euro von einer älteren Frau abgeholt, die auf eine Trickbetrügerbande herein gefallen ist.

Ähnlich wie in fünf darauffolgenden Fällen sei die Geschädigte zuvor von einem der Hintermänner angerufen worden. Man habe sich als Polizisten ausgegeben und eine konkrete Gefahrensituation skizziert, schildert Wagner noch einmal die Masche der Betrüger. Der Angeklagte fungierte dann als Abholer der Beute. Kurz darauf habe er das Geld zum Großteil über den Zahlungsdienstleister Moneygram in die Türkei überwiesen. Das US-Unternehmen steht seit längerem in der Kritik, illegale Geschäfte nicht ausreichend zu unterbinden.

In vier weiteren Fällen bis zum 25. November 2020 habe der Angeklagte aber in vollem Wissen des tatsächlichen Tatgeschehens weiterhin jeweils als Abholer fungiert und sich dabei auch jeweils als der von den Anrufern angekündigte Polizist ausgegeben. Drei der fünf Geschädigten schilderten im Zeugenstand einen teilweise über einen längeren Zeitraum ausgeübten Druck durch die Anrufer. Auch seien die „sehr professionell vorgegangen“. Trotz bestehender Zweifel übergaben sie alle dem Angeklagten letztlich doch ihr Bargeld - in einem Fall 34.000 Euro – oder Wertgegenstände im Wert von mehreren tausend Euro. „Um einfach endlich ihre Ruhe zu haben, wird dem Wunsch nachgegeben“, so der Richter am Freitag.

Kaum Einfluss in der Bande

Da der Angeklagte in seiner Funktion keinerlei Einfluss auf den Tatplan, die Höhe der Beute oder andere relevante Punkte gehabt habe, könne er in allen fünf Fällen lediglich der Beihilfe bezichtigt werden. Wagner zieht hier auch den Vergleich mit dem James Bond Film „Der Mann mit dem goldenen Colt“. Der Waffenhändler Lazar spiele für den Schurken eine wichtige Rolle. „Denn nur er kann die goldenen Patronen herstellen.“ Dennoch müsse Lazars Zutun als Beihilfe angesehen werden. Während Lazar sogar als Person eine wichtige Rolle einnehme, sei der Angeklagte für die Bande vollkommen austauschbar gewesen.

"Das Kraut nicht fett"

Die Staatsanwaltschaft war in ihrem Plädoyer in vier Fällen hingegen von einer Mittäterschaft ausgegangen. Beim Strafmaß mache der Unterschied aber „das Kraut nicht fett“, wie Wagner erklärt. Die verhängten vier Jahre und drei Monate wegen einem Fall der Beihilfe zum Betrug und vier Fällen der Beihilfe zum banden- und erwerbsmäßigen Betrug in Tateinheit mit Amtsanmaßung waren bereits Teil einer Verständigung zwischen den Verfahrensbeteiligten am ersten Prozesstag.

Glaubhafte Reue hilft

Das Gericht würdigt mit dem Urteil auch die „kooperative Mithilfe“, die „glaubhaft“ gezeigte Reue und das bereits frühe Geständnis des Angeklagten noch während der Ermittlungen. Er habe dadurch „entscheidend dazu beigetragen“, dass alle fünf Fälle aufgeklärt werden konnten. Da der Angeklagte laut einem Gutachten seit mehreren Jahren canabisabhängig ist und eine Neigung zu Beteubungsmitteln aufweist, verhängt das Gericht zudem die Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung nach §64. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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