19.02.2020 - 19:37 Uhr
RegensburgOberpfalz

Auf den Spuren eines Luchs-Wilderers

Hat ein 54-Jähriger aus dem Landkreis Cham tatsächlich mindestens einen Luchs in eine Falle gelockt und anschließend erschossen? Das wird derzeit vor der Berufungskammer des Landgerichts Regensburg erörtert. Der Mann behauptet: Nein.

Symbolbild. Ein Luchs liegt in seinem Gehege.
von Autor AHSProfil

Der Strafrichter am Amtsgericht Cham verurteilte den Mann im September vergangenen Jahres zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 25 Euro. Der Waidmann behauptet jedoch, dass er einem Jagdgast (dem Hauptbelastungszeugen) nur Jägerlatein aufgetischt hat.

Da sowohl die Staatsanwaltschaft, der die Strafe zu gering ist, als auch der Angeklagte gegen das Urteil des Amtsgerichts Cham Berufung einlegten, bemüht sich die Berufungskammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Johann Piendl seit zwei Verhandlungstagen darum, die Wahrheit herauszufinden. Der am ersten Prozesstag vernommene Jagdgast blieb bei seinen Darstellungen, so wie er sie bereits vor der Polizei und dem Amtsgericht Cham gemacht hatte: Der Angeklagte hatte ihm und einen Jagdfreund gegenüber geprahlt, schon einen Luchs erlegt zu haben. Um die Geschichte zu untermauern, zeigte er die im Revier aufgestellte Lebendfalle, welche seine Gäste auch fotografierten. Weiter brüstete er sich damit, auch schon einen Wolf geschossen und in einem Teich einen Fischotter ertränkt zu haben.

Der Angeklagte stellt dies anders dar. Der Zeuge habe ihn immer wieder auf eine Luchsjagd angesprochen. Da habe er sich gedacht: „Den bind i an Bärn auf“. Mit der Falle habe er gar nichts zu tun gehabt. Diese habe sein (inzwischen verstorbener) Vater in Tschechien gekauft, um damit auf Fuchsjagd zu gehen. In diese Richtung äußerten sich am gestrigen zweiten Verhandlungstag auch sein Sohn und sein Schwager. Der Junior erzählte auch, dass der Luchs in der Familie kein Thema war. Er will auch nicht mitbekommen haben, dass sein Vater zu der Falle gefahren ist. Diese habe ihn gar nicht interessiert. Auf die Frage des Gerichtsvorsitzenden, wer alles Zugang zum PC des Angeklagten hatte, antwortete er: Ich nicht, ich hab meinen eigenen. Der Opa interessierte sich für diese Technik überhaupt nicht. Die Auswertung des PCs hatte jedoch ergeben, dass jemand „Luchse vergiften“ und „Luchse töten“ gegooglet hatte.

Zwei Polizeibeamte berichteten als Zeugen, dass bei einer Hausdurchsuchung im Dezember 2016 im Haus des Vaters des Angeklagten nicht registrierte Waffen sowie ein Glas mit Luchsohren und -krallen sichergestellt wurden. Die beim Angeklagten aufgefundenen Waffen habe dieser legal besessen. Lediglich ein Nachtsicht-/Zielgerät gehörte zu den verbotenen Waffen. Der Angeklagte habe keine Angaben gemacht. Sein Vater habe behauptet, die aufgefundenen Luchsteile gehörten zu einem Tier, dass er in Tschechien geschossen hatte.

Ein Luchs aus dem Steinwald tötete mehrere Hauskatzen

Friedenfels
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