Eine Ausstellung im Kunst- und Gewerbeverein präsentiert gerade über 100 Arbeiten von 80 Künstlern, denen dieser Titel längst zugesprochen wird. Das war nicht immer selbstverständlich. "Am Anfang hatten wir es mit der Frage zu tun, ob Menschen mit einer geistigen Behinderung überhaupt nennenswerte Kunst machen können", erinnert sich der Vorsitzende Georg Haber.
Heute wird bestätigt, was der Vorsitzende 2010 gemeinsam mit der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg in Angriff genommen hat. "Es ist zutiefst beeindruckend, welche enorme Entwicklung in den künstlerischen Arbeiten festzustellen ist", findet auch Mitstreiter Michael Eibl. Der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge betonte bei der Vernissage die rege Beteiligung. Bis aus Hamburg sind die Künstler wie die Ateliersgemeinschaft "Die Schlumper" angereist.
Wirken die ausgestellten Arbeiten auf den ersten Blick manchmal wie "herkömmliche" Kunst, so ist doch der unbefangene Geist dahinter spürbar. "Diese Kunst lehrt einen anders sehen - unvoreingenommener, neugieriger, mutiger", beschreibt es Eva Demski. Die Schriftstellerin mit Regensburger Wurzeln ist Patin des Kunstpreises. Als solche ehrt sie bei der Vernissage den ersten Preisträger: Peter Zellner aus Eggenfelden erhielt die Auszeichnung für seine grafischen Arbeiten, die Schrift, Zahlen und Zeichnung vereinen. Rechenaufgaben, die Zellner mit Farbstift aufs Papier bringt, ergeben einerseits grafische Muster, verleihen den Arbeiten gleichzeitig einen ungewöhnlichen Inhalt.
Den zweiten Preis nimmt Lena Klingshirn entgegen. Die Abensbergerin umrahmt Zeichnungen und Aquarelle mit Klebebändern. An Ernst Seufzer geht der dritte Preis für seine großformatigen bunten Bilder, die er aus mehreren Zeichnungen zusammenstellt: Wimmelbilder, in denen Seufzer zeigt, was es in seiner Heimatstadt Abensberg alles gibt. "Der Kunst.Preis für Menschen mit geistiger Behinderung hat sich seinen Platz im Kulturbetrieb gesichert." Anlässlich der fünften Runde von Preis und Ausstellung ziehen der Kunst- und Gewerbeverein und die Katholische Jugendfürsorge eine positive Bilanz. Konkrete Auswirkungen hat die Aktion sowieso: Nicht nur Hemmschwellen in den Köpfen werden dadurch abgebaut, sondern auch handfeste Schranken. Denn letztendlich war es eben dieser Wettbewerb, der den Anstoß gab, den Kunst und Gewerbeverein mit einem barrierefreien Zugang zu versehen.
Ausstellung
Die Ausstellung "Kunst.Preis für Menschen mit geistiger Behinderung in Niederbayern und der Oberpfalz" läuft bis zum 10. Juni im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, Ludwigstraße 6. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zur Schau ist ein Katalog erschienen. (wsu)














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