Rieden
07.12.2022 - 11:38 Uhr

Hohlwege im Wald, die Autobahnen des Mittelalters

Über die Altstraßen in der Oberpfalz berichtete beim Treffen der Heimatpfleger aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach Alfred Wolfsteiner. Er weiß genau, wie man solche Trassen erkennt.

Alfred Wolfsteiner ist der Altstraßen-Experte der Oberpfalz. Bild: sus
Alfred Wolfsteiner ist der Altstraßen-Experte der Oberpfalz.

Beim 18. Treffen der Heimatpfleger des Landkreises Amberg-Sulzbach war auch ein besonderer Gast dabei. Alfred Wolfsteiner, der Ortsheimatpfleger von Schwarzhofen aus dem Landkreis Schwandorf, hatte einen Vortrag über historische Altstraßen in der Oberpfalz vorbereitet. „Wie erkenne ich Altstraßen?“ war sein Thema.

Alfred Wolfsteiner hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt eines mit dem Titel „Auf alten Wegen durch die Oberpfalz". Historische Altstraßen können aus schriftlichen Quellen überliefert sein. Es gibt aber auch noch weitere „Wegbegleiter“, auf die Wolfsteiner aufmerksam wurde bei seinen Nachforschungen. Flurnamen in Katastern und Plänen sind solche Entdeckungshilfen, Namen wie „Strassäcker“ oder „Hochstraße“, die einen Hinweis auf historische Altstraßen geben können.

Über Computerprogramme konnte Wolfsteiner in digitalen Geländemodellen auch nach Altstraßen suchen lassen. In der heutigen Zeit haben sich Spuren von solchen Wegen am ehesten noch im Wald erhalten. Einen nicht allzu freundlichen, aber lustigen Namen hatte Wolfsteiner auch parat: den „Hohlweglurer, also Hohlweglauerer“. Die Bezeichnung ergab sich wohl so, dass bei Steigungs- und Gefällstrecken die Fuhrleute ihre Fuhrwerke mit eisernen Hemmschuhen abbremsen mussten. Dadurch gruben sich die Fuhrwerke immer mehr in den Weg hinein und es entstanden tiefe Furchen, in denen so manche Gespanne stecken blieben. Idealer Ort für einen Überfall, so könnte der Schimpfname „Hohlweglurer“ entstanden sein, erläuterte der Schwarzhofener.

Weiter referierte er über die Wichtigkeit der mittleren Oberpfalz als Verkehrsknotenpunkt, da hier bereits zahlreiche Altstraßen entdeckt wurden. Besonders interessant ist eine historische Altstraßenstrecke, die das Vilstal kreuzt. Bei Ensdorf ging früher solch eine Altstraße auf einer 1614 erbauten steinernen Brücke über die Vils hinauf nach Thanheim, weiter Richtung Schwarzachtal bis hinüber nach Böhmen. An alten Steinkreuzen haben sich laut Wolfsteiner früher gerne mal Kreuzungspunkte von Altstraßen befunden. Auch Orientierungsbäume, die einsam auf weiter Flur und weithin sichtbar waren, seien in früheren Zeiten wie dem Mittelalter wichtige geografische Punkte gewesen.

 
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