21.05.2019 - 18:45 Uhr
RiedenOberpfalz

In Rieden: Mundart füllt das Wirtshaus

Mundart ist Sprache und Musik zugleich, Mundart ist ein unverzichtbares Stück Heimat und Identität – wenn es dafür noch einen Beweis bräuchte, der Oberpfälzer Mundarttag beim Bärenwirt in Rieden hätte ihn geliefert.

Die Mundart-Autoren Sepp Lösch und Grete Pickl.
von Autor LÖProfil

Die Mundart-Autoren Grete Pickl (Kastl) und Sepp Lösch (Sulzbach-Rosenberg) sowie der Dialektliedermacher Peter Seidl (Amberg) begeisterten mit ihren oft hintersinnigen Texten und Liedern das zahlreiche Publikum. Kreisheimatpflegerin Martha Pruy war die Freude über das rege Interesse an der Mundart am Gesicht abzulesen. Sie blendete 25 Jahre zurück, als das Dialektsprechen weithin als verpönt galt.

Von wegen „gschert“!

Man habe die Mundart als „gschert“ abqualifiziert und sich den hochdeutschen Sprechhabitus angeeignet. Herausgekommen sei dabei oft ein unverdaulicher Mischmasch aus Schriftdeutsch und Rest-Dialekt. Umso größer ist laut Martha Pruy das Verdienst des damaligen Landrats Hans Wagner, der den ersten Mundart-Tag im Landkreis initiierte. Hatten bei dieser Auftaktveranstaltung noch die Sprachwissenschaftler und Dialektforscher das Sagen, haben sich inzwischen längst die Mundart-Praktiker das Terrain zurückerobert.

Drei davon aus der Region Amberg-Sulzbach traten jetzt in Rieden vor ihr Publikum, um eine Lanze fürs Dialektsprechen zu brechen. Das Blatt hat sich gewendet, heute gilt Mundart wieder als „in“. Längst ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder, die im Mundartmilieu aufwachsen, ihren dialektfreien Altersgenossen in Sachen Sprachgewandtheit einiges voraus haben.

Grete Pickl aus Kastl darf in der Gilde schon als Altmeisterin gelten, hat sie doch bereits etliche Bücher mit ihren Werken veröffentlicht. Sie versteht es, einen der großen Vorzüge unseres Dialekts zu nutzen, nämlich, mit wenigen Worten viel auszusagen. So bringt sie Sachverhalte überraschend schnell auf den Punkt oder gelangt über hinterlistige Umwege zu überraschenden Erkenntnissen. In Grete Pickls Gedanken spiegelt sich auch der ständige Wandel, dem unser Umfeld und unsere Lebensgewohnheiten unterliegen – mit allen Vor- und Nachteilen.

Einen ganz anderen, aber ebenso zielführenden Weg beschreitet der Amberger Dialekt-Liedermacher Peter Seidl. Am Keyboard, kongenial begleitet von seinem Freund Fritz Pawlick an Keyboard II, malt er in seinen Liedern nachdenklich stimmende Bilder vom früheren Leben, etwa in seiner Hommage an den eigenen Großvater oder der lakonischen Gesamtbilanz „So is as Leben“. Musikalisch bedienen sich die beiden aus einem reichen Fundus, der von Klassikern wie Beethoven bis herauf in Pop- und Rockmusik reicht.

Die bayerische Wesensart

Dann trat noch Sepp Lösch in den Kreis. Stimm- und sprachgewaltig skizzierte er in seinen Arbeiten bayerische Wesensart, machte sich seine Gedanken über Gott und die Welt, über moderne Essgewohnheiten und Kochexperimente oder schöpfte „ländlich-sittlich“ aus dem prallen Leben, etwa in seinem Abgesang auf das „Haisl, aaf da Mistn hint“. Befasst er sich mit Missständen etwa in der Kirche, dann gerät seine Kritik mitunter bissig, aber durchaus auch immer augenzwinkernd versöhnlich. Um das mundartliche Gesamtkunstwerk herum flochten das Kräuter-Duo und Rita Butz mit ihren „Jungen Saiten“ einen bunten Kranz an Melodien und Liedern, die zusätzlich zu den Autorenbeiträgen erfrischend verdeutlichten, „wöi uns da Schnawl gwachsn is“.

Peter Seidl.
Grete Pickl.
Sepp Lösch.
Das Kräuter-Duo Hilde und Albert.
Zwei von den "Jungen Saiten".
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