10.12.2019 - 15:34 Uhr
Oberpfalz

Riesige Strohhaufen zur Freude der Kinder

Das Dreschen ist eine beschwerliche Arbeit, die aber auch belohnt wird: Mit geselliger Unterhaltung, gutem Essen und manchmal mit der ersten Zigarette.

Dresch-Szene bei der Familie Michl in Oberleinsiedl um 1960: Das Bild zeigt das „vom Acker wegdreschen“. Rechts am Dreschkasten der Maschinist Josef Kleindienst, weiter nach links Benedikt Michl sen., Josef Michl sen., ein Knecht, Tochter Brunhilde, Anni Michl und Pauline Niebler.

Um Dreschen zu können, benötigte man mindestens zwölf Personen. Alle auf dem Hof verfügbaren Leute, Männer, Frauen und auch Kinder mussten zur Hand gehen. Ansonsten halfen Mitglieder der Dreschgenossenschaft. Ein Tag wurde umsonst gearbeitet (dies genügte bei vielen kleinen Höfen), das war das Wiederhilfdreschen", die weiteren Tage bekam man einen kleinen Lohn.

Vor der Erfindung der Strohpresse nahmen zwei Frauen das Stroh weg und zwei Männer mussten es binden. Im Garten wurde vom "Schlichter" ein riesiger Strohhaufen aufgeschichtet. Auch das war eine Kunst und konnte nicht jeder. Das Strohspießen war eine der härteren Arbeiten. Jeder hatte seine Lieblingsarbeit.

"Strohschiet"

Manchmal, wenn Platz war, wurden die "Strohschiet" (Büschel) gleich wieder im "Viertel" der Scheune eingelagert. Das ersparte Arbeit. Auf den Gehöften, wo während des Dreschens in der Scheune kein Platz war, entstanden zur Freude der Kinder in den Gärten oder auf freiem Feld riesige Strohhaufen

Eine beschwerliche Arbeit war das Auftragen. Natürlich wurden hier die jungen Männer des Ortes eingeteilt. Oftmals wurden Zwei-Zentner-Säcke verwendet. Auf manchen Gehöften war es so eng, dass die Auftrager mit dem Sack auf dem Rücken unter den laufenden Transmissionsriemen durchschlüpfen mussten. Ein nun über 80 Jahre alter Landwirt erzählte, dass er bereits als 15-Jähriger acht Wochen lang jeden Tag auftragen musste. Anfang der 1960er Jahre machten nämlich viele Bauernsöhne eine Lehre, weil absehbar war, dass kleine Höfe keine Zukunft mehr haben würden.

Die schweren Säcke mussten dann die teils schmalen und steilen Treppen zum Hausboden hinauf geschleppt werden. Auf dem Dach- oder "Droibod'n" (Getreideboden) wurde das Getreide zur Nachtrocknung und Lagerung aufgeschüttet.

Schwierig war schon das Aufladen der Säcke auf den Rücken. Später gab es hinten rechts an der Dreschmaschine Sackheber, welche die Arbeit wesentlich erleichterten.

Maus in der Hose

Ein ehemaliger Auftrager erzählte, dass er einmal während des Auftragens merkte, dass sich eine Maus in sein Hosenbein geflüchtet hatte. Er hatte keine Gelegenheit, den Sack abzustellen. Als dies endlich möglich war, hatte die Maus bereits selbst über den Rücken und Kragen ins Freie gefunden. Auf manchen Höfen führte der Altbauer ein strenges Regiment und gab den Jungen wenig ab.

Die jungen Burschen halfen sich auf ihre Art. Die Auftrager mussten auf geheime Anweisung des Jungbauern hin und wieder ein paar Säcke verschwinden lassen. Der Jungbauer verkaufte das Getreide daraufhin auf eigene Faust und kam so an "schwarzes Geld".

Willkommener Zuverdienst

Essen, Trinken, Zigaretten und Zigarren waren frei. Mancher Jugendliche kam an einem Dreschertag "legal" zu seiner ersten Zigarette, da ihm die Alten Zigaretten zusteckten und sagten: "Dou, nimm Bou! Weil du heint (heute) goa so fleißi g'hulfa host!" Für viele Tagelöhner bot die Dreschzeit in der "ganz schlechten Zeit" (1920er Jahre) einen willkommenen Zuverdienst. So sagte nach einem Dreschtag in Kümmersbruck ein Häusler zu einem Bauern: "Dank schej, dass i helfa hab' derfa. Und bei der Beerdigung von der Gerst'n (humorvoll für das Dreschen) denk bitte aa wieder an mi!"

Zur Zeit des Dampfdreschens ließ der Maschinist mittags den Dampfkessel pfeifen. Nach einem harten Arbeitstag mit gutem Essen mittags und abends wurde eine gute und gesellige Unterhaltung gepflegt. nDas bäuerliche Leben war hart und die Möglichkeiten zur Zerstreuung, verglichen mit heute, doch sehr eingeschränkt. Und so war es nur verständlich, dass Männer und Frauen sich nach den Mühen des Tages auf die abendliche, teils recht deftige Unterhaltung freuten. Oft hatte ein Musikant seine Quetschn dabei und sorgte für eine zünftige Musik. Nach dem 2. Weltkrieg erzählten Kriegsteilnehmer ihre tragischen Erlebnisse von der Front. Beliebt waren Zaubertricks und das "Tischerl rücken". Es wurden Witze erzählt und Spiele wie das "Eichhörnchen-Spiel", das "Hoddern schöibn" (schieben) oder "Hanserl hej" gespielt. Das "Schinken-Patschen" braucht nicht näher erklärt zu werden. Manch junger Mann oder Mädchen behielten den Dreschabend in schlechter Erinnerung.

Getreidedreschen wie anno dazumal. Das Bild stammt aus dem Bayerischen Wald.
1961 schafften sich in Hohenkemnath die Landwirte Anton Scharl und Josef Niebler den ersten Mähdrescher im Ort, einen „Cormick“ an. Damit ging eine Ära zu Ende, die bis heute, gerade bei der älteren Generation, wehmütige Erinnerungen an die „gute, alte Zeit“ hervorruft. Lange Zeit rostete das alte Vehicle in einem Garten vor sich hin.
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