27.08.2020 - 16:53 Uhr
Riglashof bei EdelsfeldOberpfalz

Hausgeschichte in Riglashof: Der "Hahna-Michl" und sein Wunderwerk

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Wenn die Uhrmacher-Innung aus Nürnberg in das Dörfchen Riglashof pilgert, dann hat das schon etwas zu bedeuten. Der Ort birgt ein technisches Kleinod, das nicht nur in der Vergangenheit viele Bewunderer fand.

Ein Blickfang in Riglashof, der Hahna-Hof mit seinem Fachwerk, seinem Bibelspruch und der ganz besonderen Uhr.
von Helga KammProfil

Ein „verwittibter Gütl Besitzer zu Riglershof beij Neumühl“ namens Georg Neudecker übergab am 16. April 1801 seinen Hof an Jakob Neudecker, seinen Sohn. Der dreiseitige „Kaufbrief“ auf Pergamentpapier ist nicht das einzige Zeugnis der langen Geschichte eines besonderen Hauses.

Elfriede Högendörfer faltet vorsichtig das mehr als 200 Jahre alte brüchige Schriftstück auseinander. Ein Churfürstlich-pfälzisch Sulzbacher Landrichter hat das Dokument beglaubigt, in dem in präziser lateinischer Schrift die Übergabe des „Hahna-Gütls“ in Riglashof bei Edelsfeld vom Vater auf den Sohn beschrieben wird. Der Überlieferung nach kommt der Hausname von einem Hahn, der an die großalbershöfische Verwaltung abgegeben werden musste.

Viele Menschen haben das Bauernhaus in Riglashof seitdem bewohnt, zuletzt Elfriede Högendörfer, ihr Mann Erwin und ihre beiden Töchter. Die Familie hält die erste schriftliche Aufzeichnung über den Hof ihrer Vorfahren in Ehren. Den Familien Neudecker folgten im 19. Jahrhundert durch Heirat die Renners, Bauern und Zimmerleute, die aus dem „Hahna-Gütl“, nach und nach ein Schmuckstück machten.

Mitten im Dorf Riglashof fällt dieses besondere Haus sofort ins Auge. Es sind nicht nur die üppigen Weintrauben an der Wand und die roten Geranien an den Fenstern, es ist vor allem das ochsenblutrote Fachwerk, der christliche Spruch an der Hausfassade und oben in der Gaube die runde Uhr, die die Blicke auf sich ziehen. Die Uhr zeigte einstmals die Stunden, Wochentage, Monate und sogar die Sichel oder den Vollmond an. Wenn sie die Stunde schlug, war das im weiten Umkreis zu hören.

Der Erbauer dieser besonderen Uhr war Elfriede Högendörfers Großvater, der 1883 geborene Michael Renner. Bekannt als der „Hahna-Michl“ bewirtschaftete er seinen kleinen Bauernhof, kam als Zimmermann viel herum und war mit seinem Vater Jakob Renner auch als Brunnenbauer in den Dörfern der Umgebung unterwegs. Jakob Renner und dessen Vater Johann Renner, ein gebürtiger Röckenrichter, waren ebenfalls Zimmerleute. In den Jahren 1870/71 haben beide das Gütl in Riglashof mit Fachwerk aufgestockt.

Das war lange vor der Zeit Michael Renners und seiner Uhr. Michael Renner war ein begnadeter Tüftler, der in seiner Freizeit, also hauptsächlich im Winter, komplizierte Holzarbeiten angefertigt hat. Eine davon, erinnert sich seine Enkelin, war ein Windrad mit zwei Figuren, die abwechselnd ein Holzstück gesägt und gehackt haben. Nicht zuletzt wegen seines handwerklichen Geschicks war der "Hahna-Michl" in der Gemeinde und den umliegenden Dörfern sehr gefragt, wenn es etwas zum Reparieren gab.

Wie lange mag er wohl an seiner außergewöhnlichen Uhr getüftelt und experimentiert haben? Auf dem Dach seines Bauernhauses errichtete er dafür eine extra Gaube. Die Gewichte der Uhr mussten jeden Abend aufgezogen werden und jede der einzelnen Funktionen hatte ein eigenes Uhrwerk. Die Uhr auf dem Gütl wurde zur Attraktion. Lehrer aus den umliegenden Dörfern wanderten mit ihren Schulklassen nach Riglashof, um dieses besondere Werk zu bestaunen. Auch die Uhrmacher-Innung aus Nürnberg kam in dieser Zeit ins Dorf, um sich ein Bild von diesem Wunderwerk zu machen. Die Uhr in der Gaube des Gütls funktionierte bis etwa Ende der 1960 Jahre, bis Michael Renner fast erblindete.

Die Uhr ist das eine, der Schriftzug an der Hauswand das andere, die das Haus mit der Nummer 3 in Riglashof so besonders machen. "Wer ein-und ausgeht diese Tür, der soll gedenken für und für, dass unser Heiland Jesu Christ die rechte Tür zum Himmel ist“, lautet der fromme Spruch. Er soll den Betrachter auf das Jesuswort hinweisen „Ich bin die Tür, wer durch mich hineingeht, der soll selig werden“. Mit Hilfe einer Schablone hat Michael Renner diese biblischen Worte vermutlich in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg an seinem Haus angebracht. In den 1980er Jahren wurde der Spruch im Zuge einer Hausrenovierung schon einmal restauriert.

Elfriede Högendörfer , die Enkelin Michael Renners, hat den Hahna-Hof von ihren Eltern Johann und Anna Renner geerbt und noch bis zum Jahr 2000 mit ihrer Familie bewohnt. Die Familie hält das Haus in Ehren im Andenken an ihre Vorfahren, die vielen Menschen die darin lebten, arbeiteten und starben mit all ihren Freuden und Leiden. Ein schönes, aber auch ein schweres Erbe.

Zwei Riglashof:

Riglashof ist nicht gleich Riglashof. Wer das Dorf im Landkreis Amberg-Sulzbach sucht, muss zwischen Riglashof bei Edelsfeld und Riglashof in der Gemeinde Hirschbach unterscheiden. Beide Orte liegen nur etwa sieben Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Das "Hahna-Gütl" steht in Riglashof in der Gemeinde Edelsfeld.

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