21.02.2021 - 09:35 Uhr
Schalkenthan bei HahnbachOberpfalz

Bachelor-Kandidatin Melissa: Barbie nicht gleich Barbie

Barbie und Business, Blondine und Bolzplatz: Melissa Lindner liebt das Spiel mit den Gegensätzen. Mit ihrem auffälligen Styling und ihren TV-Auftritten polarisiert die Oberpfälzerin. Doch sie lässt auch hinter die Fassade blicken.

Melissa Lindner aus Schalkenthan bei Hahnbach als Kandidatin in der RTL-Fernsehsendung "Der Bachelor".
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Sie bezeichnet sich selbst als „verrückte Barbie“. Mit ihren langen blonden Haaren, künstlichen Wimpern und Fingernägeln, den figurbetonten und häufig pinkfarbenen Outfits entspricht Melissa Lindner auch optisch genau diesem Klischee.

In den vergangenen Jahren suchte die 27-Jährige immer wieder das Scheinwerferlicht. 2019 war sie zum ersten Mal im TV zu sehen. In der Vox-Sendung „Makellos“ ließ sie sich ihren Traum von langen, gesunden blonden Haaren erfüllen. Ein Team aus Styling-Experten beförderte ihre falschen Haare in die Tonne und verpasste ihr eine etwas andere Haarfarbe sowie teure neue Extensions.

Im Mai 2020 betrat die junge Frau aus Schalkenthan bei Hahnbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) erneut die Fernsehbühne. Im First-Dates-Hotel in Südfrankreich wollte sie sich von Promi-Koch Roland Trettl verkuppeln lassen. Die Vox-Show bietet Singles die Möglichkeit, sich bei einem romantischen Dinner, Cocktails an der Bar oder Gesprächen am Pool zu verlieben – vor laufenden Kameras. Diese Gelegenheit wollte auch Melissa nutzen. Weil das damals nicht klappte, startete sie im Januar einen neuen Versuch: als eine der Kandidatinnen, die bei RTL das Herz von Bachelor Niko erobern wollen.

Melissa Lindner in der Vox-Sendung First Dates Hotel

Schalkenthan bei Hahnbach

Ehrgeiz im Beruf

Nicht recht in das Bild von der TV-Blondine passen will da Melissas Job als Bankfilialleiterin – und ihr Hobby: Die 27-Jährige spielt Fußball und ist Schiedsrichterin. Doch genau dieses Spiel mit den Gegensätzen gefällt der jungen Oberpfälzerin. „Ich liebe es außergewöhnliche Dinge zu tun, oder bei meinem Styling auch mal über die Stränge zu schlagen“, erzählt Melissa. Dass sie deshalb häufig nur auf ihr Äußeres reduziert wird, störe sie dabei nicht. Ihr Motto: „Liebt mich, oder hasst mich.“

Dennoch überrasche sie ihre Mitmenschen auch gerne mit ihrem Können. Ihr berufsbegleitendes Management-Studium zur diplomierten Bankbetriebswirtin hat Melissa als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Der berufliche Erfolg ist ihr wichtig. Einen Widerspruch zu ihren Fernseh-Auftritten sieht sie da nicht. „Es gefällt mir einfach, mal aus der Realität auszubrechen. Ein Abenteuer zu erleben und neue Leute kennenzulernen. Ich meine, es ist schon crazy, sich für einen völlig unbekannten Mann acht Wochen Urlaub zu nehmen.“

Die RTL-Show „Der Bachelor“ ist das wohl bekannteste Dating-Format im deutschen Fernsehen, derzeit läuft bereits die elfte Staffel. In der Sendung brezeln sich 22 Frauen auf, um den einen – scheinbar besonders begehrenswerten – Junggesellen von sich zu überzeugen. Dafür gibt es auch Kritik.

Für Melissa sind Feminismus und Selbstbewusstsein aber keine Ausschlusskriterien für eine Teilnahme an der Show. Es gebe ja auch ein Pendant zur Sendung: Single-Männer, die „Die Bachelorette“ erobern wollen. „Außerdem wollte ich zeigen, dass es auch Barbie-Blondinen gibt, die im echten Leben erfolgreicher sind als Männer und sich sehr wohl behaupten können in einem fordernden Beruf“, erklärt sie. „Ich habe mich dem Bachelor trotz meiner Teilnahme nicht angebiedert, sondern ganz ladylike abgewartet. Hätte ja klappen können“, fügt die Amberg-Sulzbacherin mit einem Lachen hinzu.

Hat es nicht. Nach drei Folgen war Schluss für Melissa. Für sie war das Format nicht das richtige. „Im ersten Moment war die Teilnahme beim Bachelor wie ein Lottogewinn für mich. Aber dann habe ich gemerkt, dass es nichts für mich ist, einem Mann nachzurennen. Dazu das Gezicke und die Rivalität unter den Frauen.“ Um Liebe, Aufmerksamkeit oder Zuneigung sollte man nicht kämpfen müssen, findet Melissa. „Dann ist es nichts wert.“

Aus für Melissa Lindner beim Bachelor

Schalkenthan bei Hahnbach

Aus ihrer Teilnahme an der Show nimmt sie trotzdem viel mit, wie sie erzählt. „Es sind absolute Ausnahmesituationen, in denen man sich dort befindet. Ohne Friends und Family und stattdessen permanent mit Konkurrentinnen“, blickt Melissa zurück. „Ich als ,Gönnjamin’ musste mich erst mal an all das gewöhnen. Aber man lernt aus allem – ich habe so viel im Bezug auf mich selbst und das Miteinander gelernt.“ Bei Fragen oder Problemen hole sie sich normalerweise Rat von Freundinnen oder ihren Eltern. Während der Dreharbeiten ging das nicht. „Alles war neu, und ich war auf mich allein gestellt. Dort war ja niemand, dem ich vertrauen konnte und so musste ich viel mit mir selbst ausmachen.“ Das habe sie auch im echten Leben noch selbstständiger gemacht. „Ich wollte mir treu bleiben, aber natürlich auch ein bisschen Unterhaltung bieten. Daran bin ich gewachsen.“ Außerdem habe sich ihre Menschenkenntnis verbessert. „Ich habe gesehen, wie sich manche Frauen vor der Kamera verkaufen, obwohl sie sonst ganz anders sind.“

Die Reaktionen auf ihren TV-Auftritt seien "bombastisch" gewesen. „Hass-Kommentare gleich Null“, erzählt Melissa. „Bei vielen Nachrichten hatte ich sogar Tränen in den Augen, weil die so unglaublich süß waren.“ Besonders andere Frauen hätten sich solidarisch mit ihr gezeigt und nette Worte gesendet. „Wenn ihr eine Person gut findet, dann sagt oder schreibt es ihr. Das dauert nicht lange und es zaubert dem anderen ein Lächeln ins Gesicht“, appelliert Melissa deshalb. „Viele waren traurig nach meinem Aus, weil sie so viel gelacht hätten mit mir.“

Fans wollen Autogramme

Sogar Fanpost mit dem Wunsch nach Autogrammen hätte sie erreicht. Ihre Follower-Zahlen bei Instagram hätten sich knapp verdoppelt. „Aber das ist gar nicht so extrem, da gab es bei anderen Kandidatinnen ganz andere Auswirkungen.“ Dass sie von den Zuschauern als „authentisch“ und „liebenswert“ wahrgenommen wurde, macht Melissa glücklich. Ähnlich sei auch das Urteil von Freunden und Familie zu ihrem TV-Auftritt ausgefallen: „Eins-zu-eins wie im echten Leben.“

Ihr nächstes Projekt sollte aber besser zu der Oberpfälzerin passen, sagt sie selbst. „Wenn es eine Sendung gibt, zu der ich einhundertprozentig stehe, dann mache ich das. Ich finde es nur schade, wenn man von Show zu Show hüpft, denn dadurch geht die Ernsthaftigkeit meines Erachtens verloren und das möchte ich für mich nicht.“ Die Leute sollen schon sehen, wer sie wirklich ist. „Nicht nur eine verrückte Melissa, die übertreibt, um Sendezeit zu bekommen.“

Die zwei – zumindest im Hinblick auf die Liebe – für sie eher erfolglosen Kuppel-Shows nimmt Melissa gelassen. "Ich glaube, das muss einfach passieren. Ich wäre bereit, mich zu verlieben, aber bis ich meinen Traummann gefunden habe, lebe ich einfach weiter mein Leben und konzentriere mich auf meine Karriere."

Melissa Lindner im Video-Interview zu unserer Serie "11 Fragen an ..."

 

 

 

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