23.09.2021 - 16:05 Uhr
SchirmitzOberpfalz

Opa fährt mit dem Radl zum Enkel nach Bonn

"Ich besuch dich mit dem Radl", sagte Peter Schneck aus Schirmitz zu seinem fünfjährigen Enkel. Der war ganz entgeistert. Schließlich wohnt er in Bonn.

Immer am Rhein entlang bis zur Mündung in die Nordsee: Peter Schneck lernt eine tolle Landschaft, herrliche Städte kennen und überrascht seinen Enkel.
von Ernst FrischholzProfil

"Opa, das geht nicht, da braucht man ein Auto", antwortet Thomas dem Opa. Der hatte gesagt, er komme mit dem Rad zu Besuch nach Bonn. "Wenn ich sage, der Opa kommt, dann kommt er." Ende des Gesprächs und Auslöser für Peter Schneck, den Enkel nicht zu enttäuschen. Es kam, wie versprochen, doch in Bonn war für den Schirmitzer noch lange nicht Schluss mit Strampeln.

Ein große Radler war Schneck, Elektrotechniker und nun in Rente, zeitlebens nicht. Sonntags kurze Touren rund um Schirmitz, das war sein Radius. Aber das Versprechen machte ihn nun zum Bikeenthusiasten. Vater Rhein hatte Schneck schon immer fasziniert.

Per Zug reiste er ins schweizerischen Basel und steig auf sein Crossbike. Der Rhein hat das schon 200 Kilometer seit der Quelle in den Bündner Berger hinter sich. „100 km plus X“ am Tag lautete der Marschplan. Radln am Traumfluss entlang, tolle Menschen bereits am ersten Tag kennen lernen und als Einzelkämpfer auf der ganzen Strecke mit ihnen doch einige Kilometer gemeinsam kurbeln. Schneck tauchte ein ins sein Raderlebnis und bereits am zweiten Tag stand für ihn fest: "Bonn wird’s nicht gewesen sein. Ich will sehen, wo und wie mein Rhein in die Nordsee fließt."

Per Fähre setzte er ans andere Ufer, um Straßburg anzuschauen. Einige Etappen später ging der Blick vom Tal hinauf zur Loreley. Dazu abschnittsweise das grandiose Ambiente der Auen. Jeden Tag ein Radlerlebnis. Dazu trug auch die Infrastruktur bei. Energiespeicher tagsüber aufzufüllen, kein Problem und abends eine gepflegte Übernachtung. Wie schlimm es auf der Welt zugehen kann, das verdeutlichte Schneck ein Blick bei Sinzig ins Ahrtal.

Bonn war nach 629 Kilometer erreicht und Schneck stand mit dem Radl vor der Wohnung des 5-jährigen Thomas. „Wo ist die Oma“, fragte er und war total von den Socken. Oma Rita hatte zwar gegenüber ihrem Sohn gepetzt, aber Enkel Thomas wusste nichts. Der Empfang überwältigend. Am Beethoven-Denkmal, den Schneck verehrt, saßen Opa und Enkel.

Unfassbar für Thomas, war Schneck aber noch nicht am Ende seiner Reise. Er radelte weiter. Zum Kölner Dom war es nur ein Abstecher vom Fluss, der breiter und breiter wurde. Nach 845 Kilometer überquerte der Oberpfälzer bei Emmerich die Grenze nach Holland. Besonders beeindruckte ihn die Gastfreundschaft der Holländer für Radler. Ein Übernachtungsengpass wurde ganz schnell mit einer Bleibe im Gartenhaus gelöst.

"Rotterdam ich komme", sagte der Schirmitzer nach zehn Traumtagen im August mit nur zehn Minuten Regen in Köln. Nach 1073 Kilometern drückte er im Hafen von Rotterdem den Tacho ab. "Ich habe die Nordsee gesehen, Traum verwirklicht, ab in den Zug und heim."

Entlang der Elbe Seilfähren, Städte und Schlösser entdecken

BesserWissen
Straßburg ist eines der Höhepunkte auf der Rheintour von Peter Schneck.
Enkel Thomas freut sich, dass er mit dem Opa unter dem Beethoven-Denkmal sitzen kann.
Der Kölner Dom liegt nur wenige Pedaltritte vom Rhein entfernt.
Ziel erreicht: Bei Rotterdam mündet der Rhein in die Nordsee.
Hintergrund:

Rheinradweg

  • 1500 Kilometer
  • Start an der Quelle auf 2345 Metern am Oberalppass
  • Ende an der Mündung in die Nordsee bei Rotterdam
  • 9 Unesco-Stätten
  • 5 Länder: Schweiz, Österreich, Deutschland, Frankreich, Niederlande

 

 

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