15.11.2020 - 10:58 Uhr
SchirmitzOberpfalz

Ein Schirmitzer auf Rügen: Luca Langs internationale Lehrjahre in der Landwirtschaft

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„Ich wollte einfach sehen, wie Landwirtschaft anderswo funktioniert.“ Luca Lang aus Schirmitz auf Feldforschung in Rügen, Fehmarn und Lettland.

Luca Lang genießt die Aussaat bei Sonnenaufgang auf der Insel Rügen.
von Helmut KunzProfil

Als Luca Lang im September 2017 nach Australien aufbrach, um auf dem Fünften Kontinent auf 700-PS-starken Traktoren tonnenweise Weizen, Gerste, Raps und Linsen einzufahren, hatte er nicht damit gerechnet, dass ihn das Fernweh auch drei Jahre später noch packen würde. Er hatte Blut geleckt. In der Folge zog der Schirmitzer in Etappen wie ein Wandervogel von einem Ernteeinsatz zum nächsten. „Landwirt war schon immer mein Traumberuf“, sagt der 24-jährige. Noch im ersten Lehrjahr hatte er sich über den Bauernverband für ein Auslandsjahr beworben. Und bereits während seiner Ausbildung arbeitete er drei Wochen lang in Tschechien.

Unmittelbar nach seiner Prüfung zum staatlich geprüften Landwirt reiste er für sieben Monate nach Down Under. „Ich halte es für wichtig, mich selbst weiterzubilden, Neues zu sehen, andere Kulturen kennen zu lernen und den Umgang mit Menschen zu suchen, die eine andere Sprache sprechen.“ Hierfür sei nichts so prädestiniert, wie eine längere Auslandserfahrung. „Ich wollte einfach sehen, wie Landwirtschaft anderswo funktioniert.“

Zur Nachahmung empfohlen

Er könne jedem jungen Berufskollegen nur empfehlen in der Tradition der Handwerksgesellen auf die Walz zu gehen und über den eigenen Tellerrand zu blicken. "Selbst wenn das nur innerhalb Deutschlands ist." Inzwischen ist Lang wieder in Schirmitz angekommen. Seit Anfang Oktober arbeitet er in Wieselrieth bei Leuchtenberg als Verkaufsberater für John-Deere-Landmaschinen. Nach seinem Australien-Aufenthalt hatte er sich an der Technikerschule in Triesdorf zum Techniker für Landbau und Agrarwirtschaft weitergebildet.

Seine Auslandseinsätze kämen ihm auch in seinem neuen Job zugute, glaubt Lang. Vor einem Jahr weilte er insgesamt acht Wochen lang für den Hersteller John Deere in der Champagne und in Dänemark. In Frankreich half er mit, die Vorserienmaschine eines Mähdreschers in Bild und Video festzuhalten. Im Anschluss reiste er nach Aalborg im Norden Dänemarks weiter, wo er mit einem Team den neuen Mähdrescher vier Wochen lang testete.

Heuer startete er seine Arbeitseinsätze am 25. Juli. Zunächst ging es per Zug zur Insel Fehmarn, wo er seine beiden späteren Chefs kennenlernte. Zwei Deutsche, die vor 18 Jahren das Abenteuer Baltikum starteten und sich in Lettland in der Nähe der Stadt Tukum einen 4500 Hektar großen landwirtschaftlichen Betrieb aufgebaut haben. Am 27. Juli ging es mit dem Flugzeug weiter nach Riga, nur um eine Woche später für zehn Tage nach Fehmarn zur Feldarbeit zurückzukehren. Dort erntete er auf einem 40 Hektar großen Feld unmittelbar an der Ostsee. "75 Prozent des Bodens auf Fehmarn sind Ackerland. Die Bodenbeschaffenheit ist dort sehr gut." Das Ernteergebnis: zwölf Tonnen Weizen pro Hektar.

Die kommenden Wochen arbeitete er dann zusammen mit zehn weiteren internationalen Erntehelfern auf sechs Mähdreschern auf lettischen Feldern. "Wir hatten eine Rekordernte und annähernd die gleichen Erträge wie hier in Bayern." Doch Vorsicht: Bei der Feldarbeit kämen jedes Jahr alte Bomben, Stahlhelme und sonstige Überreste aus dem Zweiten Weltkriegs zum Vorschein. Während des Aufenthalts besuchte die internationale Gruppe ein lettisches Torfabbaugebiet der Firma Ziegler Erden aus Liebenstein. „Der lettische Betriebsleiter hat einen ganzen Tag für uns geopfert und uns das Prinzip des Torfabbaus erläutert, von der Absaugung, über die Verpackung bis hin zum Abtransport in die Oberpfalz.“

Aussaat bei Sonnenaufgang

Bis 25. September arbeitete er schließlich als Erntehelfer an der Ostsee. Ein Bayer auf Rügen. Entgegen der Stellenausschreibung „Arbeiten, wo andere Urlaub machen“ habe er, anders als vorher auf Fehmarn, vom Flair einer Touristeninsel nicht viel mitbekommen. "Die Saison war schon zu Ende.“ Dafür habe er das Rügener Ackerland kennengelernt. Sein Arbeitsplatz war ein riesiger Betrieb mit 6000 Hektar. Die einzelnen Felder waren maximal 250 Hektar groß. "Und die Maschinen waren 24 Stunden im Einsatz, um Standzeiten zu unterbinden." Lang: „Die bauen dort das gleich an, wie wir: Weizen, Gerste, Zuckerrüben, Mais.“ Was ihn auf Rügen besonders begeisterte: "Die Aussaat bei Sonnenaufgang. Wann hat man das schon?"

Natürlich könnten die Betriebsleiter auch auf eigene Arbeitskräfte zurückgreifen. „Aber für die großen Arbeitsmaschinen suchen sie Fahrer. Und die werden besser bezahlt, als osteuropäische Erntehelfer." Ähnlich wie auf Rügen wurden auch in Lettland sämtliche Kosten für Unterkunft und Verpflegung übernommen. "Uns wurde in Lettland sogar ein Auto gestellt." Wie sich der Schirmitzer wiederholt, sind die Felder an der Ostsee im Vergleich zu denen in der Oberpfalz ungleich größer. In Lettland seien die Böden schwerer, weil es dort feuchter sei. "Dort arbeiten die Landwirte unter erschwerten Bedingungen." Warum? Weil der Winter früher einsetze und strenger sei, sei man mit Aussaat und Ernte einfach früher dran.

Landwirt war schon immer mein Traumberuf.

Luca Lang

Seine drei Auslandseinsätze im Corona-Jahr habe er diesmal selbst organisiert. "Eigentlich wollte ich ja nach Übersee." Doch die Corona-Pandemie habe ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Ich dachte, innerhalb der EU zu bleiben, mache die Sache einfacher.“ Über seine Corona-Erfahrungen: Lettland sei gar nicht so stark betroffen gewesen. Er habe von der Pandemie dort nicht viel mitbekommen. „Vor eineinhalb Monaten, als ich dort war, gab es keine Maskenpflicht." Jetzt schon. "Auch die Nachtclubs waren offen. Einzige Einschränkung: Ab 2 Uhr nachts herrschte Sperrstunde." Auf Fehmarn und Rügen hätten damals schon dieselben Regeln gegolten, wie in Bayern.

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