31.01.2019 - 17:40 Uhr
SchlammersdorfOberpfalz

Nach 26 Jahren kein "Flex" mehr

Schlammersdorf ist über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt für das dreitägige Flex-Fest. Nach 26 Jahren endet diese Ära, weil sich der Flex-Verein auflöst. Kein leichter Schritt, besonders für die Verantwortlichen.

Das Flex-Fest zog auch in den letzten Jahren noch 6000 Besucher an.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Was 1993 als Stammtisch in Schlammersdorf begann, wurde zu einem Aushängeschild für die ganze Region. In der erfolgreichsten Zeit lockte das Fest um die 9000 Besucher in die kleine Gemeinde, die weniger als 900 Einwohner hat. Der Grund für das Aus des Flex-Festes ist im Vergleich zur Anziehungskraft der dreitägigen Party beinahe banal: Der bisherige Vorstand will seine Aufgaben abgeben, doch es finden sich keine Nachfolger. Daher wird der Verein, der rund 70 Mitglieder hat, aufgelöst.

Die Anfänge des Festes waren noch recht klein. "Entstanden ist der erste Verein oder Stammtisch 1993 aus einer Bierlaune heraus", erinnert sich Martin Melchner, eines der Gründungsmitglieder und Ehrenvorsitzender des Flex-Vereins. 1994 stellten die Mitglieder zum Tag der Vereine ein 2000-Mann-Zelt auf. In den Jahren 1996 und 1997 organisierten sie zusammen mit anderen Vereinen ein Fest. Erst 1999, in Zusammenarbeit mit der Brauerei Püttner, nahm das Fest größere Ausmaße an. Dass es ab 2000 sich dann aber zu einem dreitägigen Event für die ganze Region auswächst, damit haben die Gründer nicht gerechnet. "Nein, das war nie das Ziel. Wir waren selbst überrascht, wie groß es irgendwann geworden ist", gibt Melchner zu.

Erstmeldung

Schlammersdorf

Bekannte Künstler und Moderatoren fanden den Weg nach Schlammersdorf. Kathrin Müller-Hohenstein war 2002 da, Antonia aus Tirol 2006, Peter Wackel 2008 und der inzwischen verstorbene Jens Büchner ("Malle-Jens") 2017. "Ich bin mit dem Flex-Fest aufgewachsen. Es war für uns immer das größte Event des Jahres und hat Schlammersdorf schon sehr bekannt gemacht", sagt Carina Masching, die stellvertretende Vorsitzende des Flex-Vereins. Das sieht auch Vorsitzender Stefan Müller so: "Jede Flex war ein Highlight." Das Ende dagegen kommt still und leise.

Nur zwei Pausen legte das Fest in den letzten 20 Jahren ein. Eine freiwillige Pause 2007 und eine 2014. Damals wurden Gerüchte laut, dass der Verein Probleme mit dem Finanzamt habe. Von Steuerschulden in fünf- oder sechsstelliger Höhe war die Rede. Acht Wochen vor dem Termin wurde das Flex-Fest 2014 abgesagt. Im darauffolgenden Jahr ging es mit dem Motto "Wild wild Flex" wieder ganz normal an den Start.

"Keiner will es mehr machen. Ich war seit 15 Jahren im Verein und seit acht Jahren im Vorstand. Es tut mir auch persönlich weh", bedauert Müller diesen Schritt. Aber sein berufliches und privates Leben lasse sich einfach nicht mehr mit dem großen Aufwand für das Flex-Fest vereinbaren. "Es stecken pro Jahr locker um die 200 Stunden an Arbeitsaufwand in der Vorbereitung. Durch immer mehr Auflagen ist es zudem schwieriger geworden ein solches Fest zu organisieren", erklärt er. Auch seine Vorstandskollegen geben das als Hauptgrund für den Rückzug an.

"Es ist traurig, denn etwas Herzblut steckt noch immer mit drin. Wir haben viele Höhen und Tiefen erlebt, und haben uns ein gewisses Prestige in der Region aufgebaut", bedauert auch Gründungsmitglied Melchner die Auflösung des Vereins.

Zwar seien die Besucherzahlen der dreitägigen Party in den letzten Jahren zurückgegangen, doch ein Grund für das Aus des Flex-Festes sei das nicht gewesen, bekräftigt Müller. "Wir hatten pro Tag um die 2000 Besucher, also 6000 pro Jahr. Vor zehn Jahren waren es sogar etwa 3000 Gäste pro Tag. Für unsere Region sind das ganz starke Zahlen", sagt der bisherige Vorsitzende.

Flex-Fest

Dem Flex-Verein ergeht es nicht anders als anderen Vereinen in der Region. "Die jungen Mitglieder haben keine Zeit oder Lust auf Vereinsarbeit", bemängelt Müller, hat aber auch ein Verständnis: "Die Verantwortung ist schon groß, denn es müssen alle Auflagen eingehalten werden und dann geht es auch um die Haftung." Die Flex-Ära endet ohne größere Zwischenfälle. "Es ist nie etwas passiert, darüber sind wir auch froh", sagt Carina Masching. Dass es irgendwann wieder ein Flex-Fest geben wird, will sie nicht ausschließen: "Vielleicht wird es irgendwann wiederbelebt."

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