Schlammersdorf
26.06.2023 - 16:45 Uhr
OnetzPlus

Staubteufel sorgt mit aufgewirbeltem Heu für Stromausfall

Während er am Feld arbeitete, flog einem Landwirt in der Nähe von Schlammersdorf buchstäblich das Heu davon. Eine Windhose wirbelte es in die Höhe und auf eine Stromleitung.

Eigentlich war der Sonntag ein windstiller Tag in der nördlichen Oberpfalz. Doch um 16.45 Uhr wurden die Feuerwehren Schlammersdorf und Vorbach zu einem kuriosen Einsatz gerufen. "So etwas hatten wir noch nie", sagt der Schlammersdorfer Kommandant Stefan Thaller. Eine Windhose wirbelte das Heu einer Wiese am Ortsrand von Ernstfeld in die Höhe und teilweise auf eine Stromleitung. "Dort hat es wohl zwei Phasen überbrückt", vermutet Thaller. Einzelne Büschel hätten dadurch auf den Kabeln kurzzeitig gebrannt. Ein Stromausfall war die Folge.

"Der Eigentümer der Wiese hat uns alarmiert", berichtet der Kommandant. Der Mann wohne direkt neben dem Grünland und arbeitete gerade mit dem Heu, als er sah, wie es in Richtung Himmel weggezogen wurde. Erst rund 600 Meter weiter sei es wieder heruntergefallen, beschreibt Thaller die Kraft der Windhose, die vermutlich gar keine war, sondern ein Staubteufel. "Heu hing wie auf einer Wäscheleine auf der Leitung."

Die Feuerwehr war mit rund 20 Einsatzkräften und einem Fahrzeug aus Schlammersdorf sowie zwei Autos aus Vordorf angerückt. Ihnen blieb kaum mehr zu tun, als aufzupassen, dass nicht herabfallendes, brennendes Heu die Wiese entzündete. Wie Thaller berichtete, habe das Bayernwerk den Strom abgeschaltet und eine Firma informiert, die mittels Hebebühne das Heu von den Stromkabeln abnahm.

"Das ging erstaunlich schnell", lobte der Feuerwehrkommandant. Nach einer Stunde sei der Einsatz beendet gewesen. Der von dem Wetterphänomen verursachte Stromausfall habe Ernstfeld, Sassenreuth und Teile von Schlammersdorf betroffen.

Eine Windhose ist meteorologisch gesehen das gleiche wie ein Tornado, der zu Windgeschwindigkeiten weit über 300 km/h und hohem Zerstörungspotenzial führen kann. So gesehen, wäre das Phänomen bei Ernstfeld eher ein Windhöschen. Wetterbeobachter David Frahnow geht aber davon aus, dass es sich hier um einen Staubteufel, eine sogenannte Kleintrombe handelt.

So ein kleinräumiger Luftwirbel kann bis zu 100 Meter hoch in den Himmel steigen. Bedingung für deren Entstehung ist eine bodennahe Überhitzung der Atmosphäre. Bei dieser trockenlabilen Schichtung lösen sich „Thermikblasen“ vom Boden ab, die beim raschen Aufsteigen eine vorhandene schwache Rotation der Luft durch Streckung des Wirbels konzentrieren können. "Aufgrund der Drehimpulserhaltung nimmt dabei die Windgeschwindigkeit durch den Pirouetteneffekt rasch zu und kann in Extremfällen bis Orkanstärke erreichen", sagt Frahnow.

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