17.12.2019 - 14:09 Uhr
Oberpfalz

Schluss mit Schubladendenken

Für viele ist es schon zur Gewohnheit geworden. Oft merken wir gar nicht oder viel zu spät, wie wir anderen mit unseren Vorurteilen Unrecht tun und wie sehr wir uns selbst damit schaden.

Unser Gehirn nimmt eine Person oder Situation wahr, vergleicht sie automatisch mit ähnlichen Personen oder Situationen, die wir bereits kennen, und vereinfacht uns damit das Denken.
von Autor EWAProfil

"Der gesunde Menschenverstand ist nur eine Anhäufung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat", sagte einmal Albert Einstein. Wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind, müssen wir uns wohl eingestehen, dass auch wir regelmäßig in Schubladen denken. Schwaben sind geizig, Berliner unhöflich, Oberpfälzer wortkarg. Polen lassen schon gerne mal was mitgehen, Franzosen sind arrogant, Deutsche überkorrekt. Frauen reden zu viel, Männer können gar nicht über Gefühle sprechen. Beamte sind faul und träge, Migranten schmarotzen nur, Studenten machen sowieso dauernd Party, Politiker streben ausschließlich nach Macht und Geld. "Typisch Lehrer", hört man oft. Oder: "Immer unpünktlich, diese Handwerker."

Für viele von uns ist dieses Schubladendenken schon zur Gewohnheit geworden. Denn unser Gehirn nimmt eine Person oder Situation wahr, vergleicht sie automatisch mit ähnlichen Personen oder Situationen, die wir bereits kennen, und vereinfacht uns damit das Denken. Müssten wir jedes Mal völlig neu bewerten und würden uns nicht an bereits Bekanntem orientieren, würde das enorm viel Kraft kosten.

Durch Schubladendenken sparen wir uns also jede Menge Energie. "Das ist doch eigentlich gar nicht verkehrt", sagen Sie nun vielleicht. "Wenn wir merken, dass wir mit unserem ersten Eindruck falschliegen, können wir diesen immer noch revidieren ..."

Doch so einfach ist es leider nicht. Denn oft merken wir gar nicht oder viel zu spät, wie wir anderen mit unseren Vorurteilen Unrecht tun und wie sehr wir uns zugleich selbst damit schaden. Eingestaubte Klischees verhindern, dass wir richtig nachdenken und uns eine eigene Meinung bilden. Und sie verhindern nicht selten auch, dass wir neue Erfahrungen machen und das tun, was uns wirklich glücklich macht.

Denn das Schubladendenken funktioniert auch andersherum. Das bedeutet: Wir haben selbst oft das Gefühl, in eine bestimmte Schublade passen zu müssen - und verbiegen uns dementsprechend, um den Erwartungen unseres Umfeldes gerecht zu werden. Unser persönliches Glück bleibt dabei oft auf der Strecke.

Und um noch einmal Albert Einstein zu zitieren: "Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil", soll der berühmte Wissenschaftler auch einmal gesagt haben. Doch gerade jetzt, in der gefährliche Populisten wieder allzu gerne Vorurteile und Schubladendenken nutzen, um Hass zu säen und die Bevölkerung zu spalten, sollten wir lernen, wieder vorurteilsfrei zu denken. Das ist jedoch oftmals schwieriger, als es sich zunächst anhört. Zu tief stecken irgendwelche Schubladen in unseren Köpfen, klemmen immer wieder, lassen sich nicht so einfach öffnen und ausräumen. Doch lassen Sie es uns trotzdem immer wieder versuchen, offen für Neues und andere Ansichten zu werden, alte Klischees kritisch zu hinterfragen. Dann können wir auch authentisch leben und finden unser persönliches Glück - außerhalb von irgendwelchen Schubladen.

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