Schmidgaden
28.07.2023 - 10:49 Uhr

900 Jahre Schmidgaden: Der Bergbau prägt die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde

Schmidgadener Geschichte, das ist im 20. Jahrhundert die Arbeit mit dem Borhammer in den Bergwerks-Stollen, unter Tage. Hier finden die Gemeindebürger Arbeit. Mit Flussspat wird der Weltmarkt versorgt.

900 Jahre Schmidgaden: Ehrenamtlicher Archivar Josef Mutzbauer hat nach dem ersten Kapitel über die Entstehung und die Anfänge der Gemeinde nun im zweiten Beitrag die Seiten der wirtschaftlichen Entwicklung aufgeschlagen.

Der Bergbau spielte in der jüngeren Geschichte Schmidgadens eine bedeutende Rolle im wirtschaftlichen Leben. Ob es sich um die Tagebaue der Gruben „Buchtal“ oder „Hartenricht“ oder um die in den angrenzenden Ortschaften liegenden Untertagebaue Grube „Cäcilia“, „Erika“, „Hermine“ oder weiterer Gruben in der Region handelt, "überall waren Bergleute aus Schmidgaden in Arbeit und verdienten ihr Brot oft unter schwierigsten Bedingungen, die nach heutigen Maßstäben nicht mehr vorstellbar sind", schickt Mutzbauer voraus.

Wertvolle Bodenschätze

Gefördert und weiterverarbeitet wurden Braunkohle, Ton, Lehm und Flussspat. Braunkohle diente als Primärenergieträger trotz geringer Qualität. Ton und Lehm wurden zu wichtigen Rohstoffen für die Schamotte- und später für die Baukeramikindustrie (Buchtal). Flussspat ist ein wichtiger Rohstoff für die Metallurgie, Glasherstellung und chemische Industrie.

Es gibt Hinweise auf den „Venetianer-Schacht“ bei Lissenthan, in dem bereits um 1500 vermutlich nach Silber geschürft wurde. Von der wirtschaftlichen Bedeutung und von der Dauer der bergbaulichen Förderung her gab es später kleinere Betriebe, wie den „Reichart-Schacht“, kleinere Gruben im Lissenthaner Gebiet wie die Gruben Giesela und Helene sowie einen kleinen Untertagebau am „Hartenrichter Berg an der Schimmelwiese“. Nach Erschöpfung der Lagerstätten wurde der Bergbaubetrieb nach und nach eingestellt, als letzte schloss die Grube „Hermine“ im Jahr 1987. In Hartenricht versuchte die Firma Buchtal Feldspat zu fördern, der als Rohstoff für die eigene Produktion gebraucht wurde. Der Betrieb wurde aber bereits nach kurzer Zeit wegen Unrentabilität aufgegeben.

Die Braunkohle-Zeit

Eine längere Geschichte ist mit der Braunkohle verbunden. Die Anfänge gehen zurück bis ins späte 19. Jahrhundert, wobei zunächst die Förderung von Braunkohle das Ziel war. Die „Vereinigte Gewerkschaft Schmidgaden-Schwarzenfeld“ betrieb die Tagebaue, sowie ab 1895 in Schwarzenfeld eine Brikettfabrik zur Weiterverarbeitung. Erstmals wurde das Bergwerkseigentum an den im Bereich Schwarzenfeld liegenden Braunkohlefeldern am 12. November 1878 an den Rentier Friedrich-Wilhelm Copelle aus Dortmund verliehen. Das Gesamtgebiet umfasste rund 600 Hektar mit den Braunkohle-Vorkommen in Schwarzenfeld, Weiding, Altfalter, Pretzabruck und Schmidgaden. "Die Geschichte der Vereinigten Gewerkschaft war sehr wechselvoll und nicht immer mit unternehmerischen Erfolg gesegnet", berichtet Mutzbauer. Die etwa 60 Jahre dauernde Phase des Bestehens des Unternehmens waren geprägt von vielen negativen Einflüssen, wie mangelnde Qualität, schlechter Absatz, Erschöpfung von Lagerstätten, erfolglose Neuerschließungen und Kapitalknappheit. Es kam auch zu Grubenbränden. All dies führte dazu, dass der Betrieb zeitweise eingestellt werden musste. Man muss natürlich auch die „schlechten Zeiten“ in dieser Epoche berücksichtigen. Erinnert sei an den Ersten Weltkrieg, die Nachkriegszeit, Inflation Anfang der 1920 er Jahre, Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre. Nach und nach verlor sich das Interesse an der Kohleförderung, die dann auf dem Höhepunkt der Inflation Ende 1923 ganz eingestellt wurde.

Eine kurze Renaissance erlebte der Braunkohleabbau mit der Entstehung Buchtals und nach dem Zweiten Weltkrieg, als Kohle für das Buchtal-Kraftwerk und auch für den privaten Heizbedarf der Bevölkerung gebraucht wurde. Die Firmen Kunz und Thomas – beide mit Sitz in Amberg – waren in jener Zeit mit dem Abbau der Rohstoffe (Kohle, Ton, Lehm) eingebunden. Hier fanden viele Einheimische und Heimatvertriebene Arbeit in den Gruben und viele kamen später in Buchtal unter.

Glücksfall Buchtal

Der Bergbau in den Gruben „Buchtal“ und „Hartenricht“ ist eng verbunden mit dem ortsansässigen Baukeramik-Unternehmen Buchtal, heute Agrob Buchtal GmbH. Nach dem Ende der Kohleförderung um 1923 wandte man sich der Ausbeutung der Tonvorkommen zu, die vermutlich zu Zeiten des Kohleabbaus weitgehend ungenutzt auf der Abraumhalde landeten. Es gab zwar in den 1920 er und 1930 er Jahren Versuche, den Abraum zur Herstellung von Ziegeln zu nutzen, aber diesen Aktivitäten war kein wirtschaftlicher Erfolg auf Dauer beschieden.

Auf die hochwertigen Tonvorkommen wurde etwa Mitte der 1930er Jahre das Annawerk, Rödenthal, aufmerksam, ein Hersteller von feuerfesten Material für die Stahlindustrie. Mehrheitsgesellschafter des Annawerks war der Unternehmer Jacob Cremer, dessen Sohn Dr. Gottfried Cremer nach seiner Bestellung zum Repräsentanten auf die weitere Entwicklung der Tongruben und letztlich Buchtals entscheidenden Einfluss nahm. Am 22. Juni 1937 wurde der Kaufvertrag beim Justizrat Hermann Flatten in Köln vollzogen und gleichzeitig Dr. Gottfried Cremer zum Repräsentanten der Gewerkschaft bestellt. So verpflanzte 1937 das Schicksal Gottfried Cremer als den verantwortlichen Leiter der „Vereinigte Gewerkschaft Schmidgaden-Schwarzenfeld“ in die Oberpfalz. Damit begann die auch eigentliche Geschichte Buchtals.

Die Anfänge Buchtals fielen in die Jahre des Nationalsozialismus. Die Verantwortlichen des Unternehmens waren dem Einfluss der Machthaber ausgesetzt und natürlich versuchten die Nazis die Produktion für ihre Zwecke zur Herstellung von Kriegsmaterial zu nutzen. Doch die Tonvorkommen in den Buchtaler und Hartenrichter Gruben waren über lange Jahre die Rohstoffbasis für alle Buchtal Produkte. Viele Schmidgadener Bürger fanden Beschäftigung in den Gruben.

Flussspat für den Weltmarkt

Einige Gruben bargen einen ganz anderen Bodenschatz: Flussspat. Das wird stellvertretend an der Grube „Hermine“ deutlich: 1953 war das Spitzenjahr im Bereich Lissenthan. Es waren bis zu 100 Arbeitnehmer im Bergbau beschäftigt, davon 70 Leute auf der „Hermine“, der Rest auf „Giesela“ und „Helene“. Die Flussspatförderung kam im Wesentlichen von den Bergwerken „Hermine“ und „Gisela“, kleinere Mengen lieferten die Betriebe Gustav 1 und Helene (Etzlhof). Insgesamt wurden 530.000 Tonnen Flussspat gewonnen. Das Nabburger Flussspatrevier erbrachte in seinem Spitzenjahr 1953 zehn Prozent der gesamten Weltproduktion an Flussspat. Der Bereich Lissenthan („Hermine“) partizipierte davon mit 20 Prozent, das heißt immerhin mit zwei Prozent an der seinerzeitigen Weltproduktion.

Die Bergbaugeschichte ist Vergangenheit, doch Schmidgaden entwickelte sich stets weiter. Durch die Ausweisung von Industriegebieten und vor allem auch Baugebieten in allen Gemeindeteilen wurden grundlegende Voraussetzungen der Entwicklung zum modernen Industriestandort geschaffen. Doch wie sich Schmidgaden entwickelt hat, wie sich der Ort heute präsentiert und die Zukunft plant, das ist wieder eine andere Geschichte.

Schmidgaden06.07.2023
Hintergrund:

Aktionen zum Jubiläum

  • Jubiläumsbriefmarke: Sie zeigt die Pfarrkirche. Der Bogen mit zehn Briefmarken zu 85 Cent kostet zehn Euro, einschließlich Bearbeitungsgebühr. Erwerben kann man die individuellen Briefmarken bei der Gemeindeverwaltung, beim Lebensmittelgeschäft Dobler und bei der Bäckerei Brunner.
  • Nächste Veranstaltungen: 5. August, 19 Uhr, Kirchenführung in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt mit Pfarrgemeinderat, Karl Meier; 11. August, 13 Uhr, Seniorennachmittag; 11. August, 14 Uhr, Eröffnung Ausstellung "900 Jahre Schmidgaden" in der Aula der Mittelschule, 11. bis 14. August 150 Jahre Feuerwehr Schmidgaden
 
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