25.07.2020 - 12:29 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Achtung Großkontrolle: Ein Abend auf der A6 mit Polizei und Zoll

Nach Ende des Lockdowns nimmt der Drogenschmuggel wieder Fahrt auf. Und: Zuletzt gab es mehrere schwere Unfälle auf den Autobahnen. Zwei gute Gründe für die Großkontrolle auf der A6. Ein Abend mit Polizei, Zoll, Kriminellen und Pfuschern.

von Julian Trager Kontakt Profil

Die Schutzmaske ist dem jungen Mann unter die Nase gerutscht, aber deswegen klicken die Handschellen nicht. Der Mann ist nicht besonders groß. Wenn er steht, kann er gerade so über das Dach des zerbeulten Kombis schauen, mit dem er und sein Begleiter aufgehalten wurden. Trotzdem haben ihn vier Zollbeamte im Auge.

Ihn, der kerzengerade neben einem Einsatzfahrzeug steht und sich nicht rührt. Der die Hände hinterm Rücken und in Handschellen hat. Die Beamten verziehen keine Miene. "Der Mann wird per Haftbefehl gesucht", sagt Tobias Mattes, Leiter der Verkehrspolizei Amberg. Warum weiß er gerade nicht, aber egal. Treffer. Es wird nicht der einzige bleiben an diesem Freitagabend.

Großkontrolle auf der A 6, Parkplatz Stocker Holz bei Schmidgaden. Der komplette Verkehr wird hier fünf Stunden lang durchgeleitet. Rund 60 Beamte sind im Einsatz, von der leitenden Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Amberg, der Bereitschaftspolizei aus Nürnberg, der Grenzpolizei Waidhaus sowie der tschechischen Polizei. Alle tragen gelbe Warnwesten und, natürlich, Mund-Nasen-Schutz. Auch Verkehrskontrollen laufen in Corona-Zeiten mit Hygiene- und Abstandsregeln ab. Die Aktion soll helfen, die internationale Kriminalität zu bekämpfen und die Verkehrssicherheit erhöhen.

Hoffen auf den großen Aufgriff

"Natürlich hoffen wir, dass der große Aufgriff dabei ist", sagt Einsatzleiter Mattes und meint damit Erfolge wie im vergangenen Jahr, als die Polizisten in einem Auto Kokain im zweistelligen Kilobereich entdeckt hatten. Die Erfahrung zeige aber, dass bei solchen Großkontrollstellen vor allem viele kleinere Delikte entdeckt werden. Geringe Mengen an Drogen, illegale Waffen wie Schlagringe oder Pfeffersprays.

Nach Einsatzende zählt die VPI 164 Fahrzeuge und 313 Personen, die kontrolliert wurden. Die Beamten stellten mehrere Verstöße unter anderem nach dem Aufenthaltsgesetz und dem Waffengesetz fest, teilt Wolfgang Schreiner, bei der Amberger Verkehrspolizei für die Pressearbeit zuständig, in der Nacht mit. Dazu zwei Festnahmen, weil per Haftbefehl gesucht. Und 20 000 Euro sind entdeckt worden, sagt Einsatzleiter Mattes - die Herkunft des Geldes sei schleierhaft.

"Rollende Zeitbomben"

Ganz vorne auf dem Parkplatz stehen die Beamten der Verkehrspolizei Amberg und winken die dicken Dinger heraus. Die Kontrollen der Lastwagen liegt Mattes besonders am Herzen. "Wir hatten letzte Woche mehrere schwere Lkw-Unfälle", sagt er. Dienstag krachte es etwa auf der A 93 bei Pfreimd, einen Tag später auf der A 6 bei Amberg. Die Gründe sind verschieden, aber es sind immer die gleichen: Technische Mängel, zu viel aufgeladen, überzogene Lenkzeiten. Letztens haben seine Leute einen Fahrer erwischt, der knappe 80 Stunden hinterm Lenker saß - am Stück, sagt Mattes. "Das sind rollende Zeitbomben. Wenn ein 40-Tonner in ein Stauende reinrauscht, hast du in den ersten Autos null Überlebenschancen."

Zwar dürfe man nicht alle "Raumschiffe der Autobahn" über einen Kamm scheren, sagt der VPI-Chef. Aber die Statistik zeigt eine deutlich negative Tendenz: Für 2015 zählt die VPI Amberg 1060 Ausrüstungs-, Geschwindigkeits- oder Verhaltensverstöße, vier Jahre später waren es bereits 2644.

Diesen Freitagabend entdecken die Polizisten 17 Verstöße. Einer fällt besonders auf. Ein Lastwagenladung mit Gefahrgut zeigt ein "erschreckendes Bild", wie Wolfgang Schreiner später in seiner Mitteilung schreibt. "Auf und neben den Paletten mit den Batterien waren andere Paletten gestapelt worden. Diese waren verrutscht. Dabei drückte eine Palette eine Verpackung bereits leicht ein."

Röntgenmobil im Einsatz

In der Mitte des Rastplatzes stehen die Reisebusse. Die Bereitschaftspolizei kümmert sich um sie. Jeder Passagier wird kontrolliert, aber nicht jeder Koffer, erklärt Polizeisprecher Schreiner. Ein Rauschgift-Spürhund schnuppert am Gepäck, das vor dem Bus auf dem Boden ausgebreitet worden ist. Fällt dem Tier ein Rucksack oder Koffer auf, werden diese durchleuchtet.

Dafür hat der Zoll aus Selb sein Röntgenmobil mitgebracht, eine mobile Röntgenstation, wie sie in Flughäfen beim Sicherheits-Check fest installiert stehen. In ganz Bayern gibt es nur zwei solcher Fahrzeuge, heißt es von den Beamten, die darin sitzen.

Eine junge Frau steht vor einem Bus an der dafür vorgesehenen Sammelstelle und wartet darauf, weiterreisen zu dürfen. Sie lächelt, das kann man trotz Maske erkennen. "Ach die Kontrolle ist nicht schlimm, geht ja alles sehr schnell. Und alle waren sehr höflich." Dann darf sie wieder in den Bus, bis Nürnberg ist es nicht mehr weit.

"Blick für die Kundschaft"

Weil in der Coronakrise die Grenze zu Tschechien geschlossen war, war auch die Rauschgiftkriminalität kurzzeitig "komplett eingebrochen", sagt Wolfgang Schreiner. Nun wird aber wieder geschmuggelt. "Es geht in die Normalität über." Im vergangenen Jahr weist die Statistik der VPI Amberg 86 Rauschgiftdelikte auf, 101 Drogenfahrten wurden gestoppt.

Die Zahlen des Zoll dürften hier höher liegen. Die Fahnder schnappen sich am Ende des Parkplatzes Autos, die ihnen verdächtig erscheinen. Die meisten Fahrzeuge lassen sie vorbei rollen. Nach welchen Rastern sie vorgehen, erzählen die Beamten aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Nur so viel wird verraten: Es geht auch um Bauchgefühl und ganz viel Erfahrung. Das führe zu einer relativ hohen Erfolgsquote. "Im Lauf der Jahre entwickelt man einen Blick für die Kundschaft", sagt der stellvertretende Dienstellenleiter des Selber Zolls, der heute die Waidhauser Kollegen unterstützt.

Der junge Mann in Handschellen sitzt mittlerweile, nachdem er kurzzeitig von zwei Zöllnern in einen grauen Transporter gebracht wurde, wie angewurzelt im Fahrzeug des Zolls, die Autotür ist offen. Drei Beamte stehen daneben und haben ihn im Auge.

Schwerer Unfall auf der A93

Pfreimd

Die aktuelle Statistik der Verkehrspolizei Amberg

Amberg
Verkehrspolizei Amberg:

Die Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Amberg ist für 112,1 Kilometer auf der Autobahn zuständig. 66,6 Kilometer davon liegen auf der A 6, der Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Alfeld und Leuchtenberg. Auf der A 93 sind es 45,5 Kilometer, das Teilstück liegt zwischen Wernberg-Köblitz und Ponholz. Die VPI Amberg führt regelmäßig Kontrollen durch, alle zwei Monate sollen solche Großkontrollen nun stattfinden. Seit Oktober 2019 leitet Tobias Mattes die VPI Amberg.

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