14.11.2021 - 10:06 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Aufgabe für Schmidgaden: Zukunft der Kläranlage klären

In der Gemeinde Schmidgaden muss einiges geklärt werden: Vor allem auch, wie es mit der Reinigung der Abwässer weitergeht. Eine Ingenieurin bereitet die Kommune auf millionenschwere Investitionen vor.

Die Kläranlage in Schmidgaden wurde 2010 saniert. Jetzt geht es um die Frage, ob sie auch für das Abwasser aus Rottendorf ertüchtigt wird.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Das System der Schmidgadener Abwasserentsorgung muss über kurz oder lang modernisiert werden. Das war die Botschaft, für die Claudia Scharnagl vom Ingenieurbüro UTE aus Regensburg zur Gemeinderatssitzung angereist war. UTE hat für den Zweckverband Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf untersucht, welche Mängel es bei der Anlieferung von Klärschlamm gibt. Das Ergebnis sieht für Schmidgaden nicht ganz optimal aus, obwohl die Kläranlage am Lohgraben erst 2010 saniert wurde.

Schlamm zu nass zum Verbrennen

Im Fokus steht vor allem der Abwasserteich in Rottendorf. Der Klärschlamm, der sich dort ansammelt, ist zu nass für die Verwertung. Hier müssten diverse Komponenten nachgerüstet werden, damit der Zweckverband das Material annehmen kann. Scharnagl schlug einige Lösungen für: Der Absetzteich müsste halbjährlich oder wenigstens jährlich geleert werden, der Schlamm könnte dann über die Kläranlage Schmidgaden oder als Nassschlamm entsorgt werden. Für eine mobile Entwässerung wäre allerdings ein Presswasserspeicher und die Errichtung eines Aufstellplatzes nötig. Für die Entwässerung in Schmidgaden bräuchte es ein entsprechendes Gewerk in der bestehenden Anlage.

Die Fachfrau machte aber noch einen anderen Vorschlag: "Nachdem die Rottendorfer Kläranlage bereits voll ausgelastet ist, sollte ein Anschluss an die Kläranlage Schmidgaden überlegt werden." Die Ableitung sei geografisch entlang des Bachtals relativ gut umsetzbar. Die zu bauende Abwasserleitung wäre etwa fünf Kilometer lang, durch das natürliche Gefälle sei vermutlich kein zusätzliches Pumpwerk nötig. Scharnagl zeigte auch einige Fördermöglichkeiten auf. Dabei wurde aber schnell klar, dass bei einer umfassenden Sanierung die Investitionssumme die Millionen-Marke deutlich überschreiten wird. Der Gemeinderat beschloss nun eine Studie in Auftrag zu geben, die für die Kommune eine passgenaue Lösung ausarbeiten soll.

Auf Kredit verzichtet

Ansonsten braucht sich Schmidgaden in Sachen Finanzen vorerst nicht allzu große Sorgen zu machen. Denn wie Kämmerer Hans Werner berichtete, sei die Gemeinde anders als die meisten Kommunen in Bayern zum Stichtag 31. Dezember 2021 schuldenfrei gewesen. Der in Erwägung gezogene Kredit in Höhe von 800.000 Euro sei nicht in Anspruch genommen worden. Werner stellte den Rechenschaftsbericht 2020 vor, dabei stimmte er die Gemeinde aber schon mal auf Jahre ein, die eher mager ausfallen: "Es ist zu erwarten, dass die Mittel, die der Staat für die Schuldentilgung aufwenden muss, den Kommunen in Zukunft fehlen wird", sagte er.

Der Gesamthaushalt 2020 schließt mit einer Summe von 10,054 Millionen Euro ab. Geplant waren 11,785 Millionen Euro. Zum Jahreswechsel 2019/2020 verfügte die Gemeinde Schmidgaden noch über Rücklagen in Höhe von 3,782 Millionen Euro. Dieser Posten ist ein Jahr später auf 2,120 Millionen Euro geschrumpft. Interessantes Detail aus dem Zahlenwerk: 500.000 Euro waren für den Ankauf landwirtschaftlicher Tauschflächen eingeplant. Sie wurden nicht ausgegeben, weil die Gemeinde keine solchen Flächen erwerben konnte. Gleichzeitig hat die Gemeinde selbst Bauplätze (330.000 Euro) und Gewerbeflächen (401.000 Euro) verkauft.

Schmidgaden ist Mitglied des Zweckverbands zur Klärschlammentsorgung

Schwandorf

Auch für das Kanalnetz stehen Investitionen an

Schmidgaden
Die Kläranlage am Lohgraben in Schmidgaden: Hier könnte der Klärschlamm aus Rottendorf entwässert werden.
Hintergrund:

Rechenschaftsbericht 2020

Die wichtigsten Eckpunkte der Schmidgadener Gemeindefinanzen im Jahr 2020, wie sie Kämmerer Hans Werner vorgestellt hat:

  • Die Einnahmen aus dem Anteil der Einkommensteuer sanken 2020 aufgrund der schlechteren Beschäftigungs- und Auftragslage auf 1,612 Millionen Euro (Vorjahr: 1,689 Millionen Euro).
  • Einnahmen aus der Gewerbesteuer: 855.845 Euro nach 977.270 im Vorjahr. Damit steht Schmidgaden hier deutlich besser da, als die meisten Kommunen in Bayern, die Rückgänge von bis zu 80 Prozent zu verzeichnen haben.
  • Die Energiekosten und Unterhaltungsaufwendungen erreichen mit 1,496 Millionen Euro einen neuen Höchstwert.
  • Deutlich gestiegene Personalkosten auf nunmehr 2,010 Millionen Euro. Personalaufstockung im Kindergarten, in der Verwaltung und im Bauhof.
  • Erhebliche Kostensteigerung beim Straßenbau in Rottendorf: 1,474 Millionen Euro (249.000 Euro mehr als geplant).

 

 

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