18.06.2021 - 13:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Klärschlammtrocknung Schwandorf: Kinderkrankheiten kosten Geld

Die Schwandorfer Klärschlammtrocknungsanlage läuft noch nicht rund, das schlägt sich in den Finanzen nieder. Aus einem Abwasser-Problem könnte aber sogar eine Einnahmequelle werden.

Die Klärschlammtrocknungsanlage (links) neben dem Müllkraftwerk (im Hintergrund) läuft langsam besser. Während des Betriebs tauchen noch technische Probleme auf, die aber laut ZTKS-Geschäftsführer Thomas Knoll beherrschbar sind.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Noch gilt es, Kinderkrankheiten zu heilen und Tests zu absolvieren, aber: "Die Optimierung des Betriebs der Klärschlammtrocknungsanlage schreitet voran", sagte der Vorsitzende des Zweckverbands thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS), Oberbürgermeister Andreas Feller, am Donnerstag in der Verbandsversammlung. Die Durchsatzleistung werde ständig verbessert. Rund 30 000 Tonnen Rohschlamm aus den Kläranlagen der Verbandsmitglieder würden in diesem Jahr getrocknet, gab sich ZTKS-Geschäftsführer Thomas Knoll optimistisch. Das wäre deutlich mehr als im vergangenen Jahr (10 000 Tonnen), aber immer noch deutlich unter der angestrebten Kapazität von 50 000 Tonnen.

Es seien viele Kleinigkeiten, die den Betrieb noch bremsen, sagte Knoll auf Nachfrage der Oberpfalzmedien, die jetzt nach und nach im laufenden Betrieb erkannt und behoben würden. Das ist bei großtechnischen Anlagen nicht ungewöhnlich. Unerwartete Probleme drohen von einer anderen Seite: Es werde zunehmend schwieriger, Salz- oder Schwefelsäure aufzutreiben, sagte Feller. "Von Preisen reden wir schon gar nicht", so Knoll. Die Chemikalien werden für die Reinigung der Abluft gebraucht, die beim Trocknen des Schlamms entsteht.

Schadenersatz

Verzögerungen und Mängel bei der Fertigstellung der Anlage haben auch die Kalkulation des ZTKS etwas durcheinander gewürfelt. Die Verbandsmitglieder liefern ihren Klärschlamm bereits an. Was nicht in Schwandorf getrocknet werden kann, wird an andere Anlagen umgeleitet. Im Jahr 2019 kostete das laut Kämmerer Markus Decker rund 1,6 Millionen Euro. Diese Kosten sind Hauptauslöser für einen Jahresfehlbetrag von knapp 600 000 Euro für das Jahr 2019. Dieses Defizit will der ZTKS nicht auf sich sitzen lassen. Soweit es aus Mängeln und Verzögerungen beim Bau entstand, macht der Verband Schadenersatzforderungen gegenüber den verantwortlichen Firmen geltend. Über den Verlauf dieser Verhandlungen informierte Feller den ZTKS in nicht öffentlicher Sitzung.

Höhere Preise

Die Umleitung von Klärschlämmen wegen der Verzögerungen bekommen auch die Mitglieder des Zweckverbands zu spüren. Für die Tonne angelieferten Schlamms mussten sie im vergangenen Jahr knapp 170 statt geplanter gut 120 Euro (brutto) bezahlen – also rund 40 Prozent mehr. Letztlich könnte sich das auf die Abwassergebühren bei den einzelnen Kläranlagenbetreibern und damit letztlich auf die Bürger auswirken. Allerdings können die Anlieferer mit einem nachträglichen "Nachlass" rechnen: Nämlich dann, wenn Schadenersatz fließt. Dann wird die Tonnen-Abrechnung nochmal aufgemacht.

Für 2021 kalkulierte der ZTKS mit einem Tonnenpreis von 127,40 Euro (netto). Nach den bisherigen Entwicklungen dürfte dieser Preis ausreichen. Kämmerer Markus Decker rechnet für 2021 mit einem minimalen Überschuss in den ZTKS-Büchern. Bis Ende April 2021 hat der Verband 16,5 Millionen Euro für die Investitionen in die Trocknungsanlage ausgegeben.

Anlaufschwierigkeiten der Trocknung

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Zumindest ein Problem, mit dem die Klärschlammtrocknungsanlage zu kämpfen hatte, scheint gelöst. Im Betrieb ergab sich, dass der angelieferte Klärschlamm bei der Trocknung mehr Stickstoffverbindungen abgibt, als vorhergesehen. Diese dampfen bei der Trocknung aus und landen nach der Reinigung der Abluft in der Brüde. Dieses Abwasser wird in der Schwandorfer Kläranlage verarbeitet, die aber nicht grenzenlose Nitrat- oder Nitritbelastungen aufnehmen kann. Erste Laborergebnisse hätten nun ergeben, so Knoll, dass sich der Stickstoff in der Brüde mit vertretbarem Aufwand so aufbereiten lässt, dass er als Ammoniumsulfat als Rohstoff für die Flüssigdünger-Produktion verkaufen oder zumindest kostenfrei entsorgen ließe.

Stickstoff-Fracht bringt Probleme

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Ein anderer, potenzieller Engpass in der Klärschlamm-Entsorgung scheint ausgeräumt: Laut Feller wird in Bayern, aber auch darüber hinaus, erheblich in Mono-Klärschlamm-Verbrennungsanlagen investiert. Diese Anlagen verbrennen das Granulat, das auch in Schwandorf nach der Trocknung übrigbleibt. Aus der Asche soll dann Phosphat – ein wertvoller und endlicher Dünger – zurückgewonnen werden. Auf lange Sicht will der ZTKS den getrockneten Schlamm an eine Anlage liefern, die der Abwasserbetrieb der Stadt Nürnberg bauen will. Das ist aber noch nicht in trockenen Tüchern.

Weiter großes Interesse

Derzeit wird das Trockenmaterial noch in einem Zementwerk verbrannt. Außerdem, so Feller, steige angesichts wachsender Kohlendioxid-Abgaben die Nachfrage nach biogenen Brennstoffen wie Klärschlamm, etwa dort, wo bislang Braunkohlestaub als Brennstoff verwendet wurde. Die geregelte Entsorgung über den ZTKS ist ebenfalls gefragt. Nach wie vor gebe es eine Warteliste mit Kommunen und Abwasser-Verbänden, die dem ZTKS beitreten wollen, sagte Knoll.

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Hintergrund:

Der ZTKS

  • Gründung: "Zweckverband thermische Klärschlammverwertung Schwandorf" (ZTKS) am 30. September 2015.
  • Aufgabe: Entsorgung von Klärschlamms. Betrieb einer Trocknungsanlage.
  • Mitglieder: Alle Landkreiskommunen, dazu Nachbarn aus den Kreisen Amberg, Neustadt/Waldnaab, Cham und Regensburg; Städte Regensburg und Landshut; Zweckverband Müllverwertung Schwandorf, ZMS.
  • Vorsitzender: Oberbürgermeister Andreas Feller (Schwandorf).
  • Spatenstich Trocknungsanlage: Oktober 2017.
  • Kosten: 16 Millionen Euro.
  • Geplante Kapazität: 50 000 Tonnen pro Jahr.
  • Monatelange Verzögerungen beim Bau, Inbetriebnahme erst Ende 2019.

 

 

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