02.03.2021 - 10:36 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Nach Großfahndung an der A6: Diesel-Diebe vor Gericht

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Streifenwagen von vier Polizeidienststellen, ein Hubschrauber war ebenfalls dabei. Großeinsatz entlang der Autobahn A6, der vier Männern aus Südosteuropa galt. Zumindest zwei von ihnen standen nun vor dem Amberger Amtsgericht.

Im April 2020 suchte die Polizei bei einer Großfahndung nach vier mutmaßlichen Diesel-Dieben auf der A6. Zwei von ihnen standen nun vor dem Amberger Amtsgericht.
von Autor HWOProfil

Es begann alles damit, dass im April letzten Jahres zwei Beamte der Amberger Autobahnpolizei auf Streifenfahrt gingen und eine Stunde vor Mitternacht auf dem Rastplatz Stockerholz (Gemeinde Schmidgaden) eine Flüssigkeitslache endeckten, die vom Geruch her Diesel zu sein schien. Die Uniformierten weckten den Fahrer eines daneben stehenden Lastzugs und erfuhren von ihm: Aus seinem Tank fehlten mehrere Hundert Liter Treibstoff.

Im Rahmen erster Nachforschungen meldete sich ein weiterer dort rastender Brummi-Fahrer. Er hatte Stimmen in rumänischer Sprache vernommen und den eben erst gestarteten Motor eines Lkws vom Typ Scania gehört. "Er konnte das genau verifizieren", sagte nun ein Autobahnpolizist vor dem Amberger Schöffengericht.

Die beiden Uniformierten fuhren daraufhin in südliche Richtung und bogen nicht lange darauf in den A-6-Rastplatz Laubenschlag (Gemeinde Kümmersbruck) ein. Dort überstürzten sich die Ereignisse. Sie sahen einen Mann, der offenbar gerade dabei war, Dieselkraftstoff von einem abgestellten Sattelzug in einen Lkw vom Typ Scania abzupumpen.

Während es dann zu seiner Festnahme kam, rückte Verstärkung an. Streifenfahrzeuge aus Amberg, Nabburg und Schwandorf fuhren zum Rastplatz, auch ein zu dieser Zeit im Rahmen eines anderen Einsatzes in der Oberpfalz fliegender Hubschrauber wurde zur Mitfahndung angefordert.

Zunächst kein Haftbefehl

Am Parkplatz Laubenschlag kam es zur Festnahme von drei Männern. Ein Vierter flüchtete und ist von seiner Identität her bis heute nicht ermittelt. Fest stand aber später: Aus drei auf dem Rastgelände stehenden Lastzügen waren 1 700 Liter Diesel abgepumpt worden. An zwei der Schwerlastfahrzeuge hatte man Tanks gewaltsam aufgebrochen.

Nach dem Großeinsatz wurden die drei Männer einem Untersuchungsrichter in Amberg vorgeführt. Doch der Jurist unterschrieb die von der Staatsanwaltschaft verlangten Haftbefehle nicht und setzte das Trio auf freien Fuß. Die Männer kehrten in ihr Heimatland zurück. Danach wandte sich die Ermittlungsbehörde an das Landgericht und bekam gegen zwei der Leute europaweite Haftanordnungen. Sie wurden im September 2020 vollzogen und die Verdächtigen nach Deutschland ausgeliefert.

21-jähriger Intensivtäter vor Gericht

Amberg

Von Bandendiebstahl die Rede

Seither saßen ein 28-Jähriger und sein ihn damals begleitender Berufskollege, 27 Jahre alt, in Untersuchungshaft. Vor das Amberger Schöffengericht geführt, legten beide nun Teilgeständnisse ab. Sie ließen sich sinngemäß so einordnen: "Wir sind zwar dort gewesen, aber von weiteren Mittätern haben wir keine Ahnung." Die beiden Anderen mussten, das stand fest, in einem eigenen Lkw auf Tour gewesen sein.

Der Fall war als schwerer Bandendiebstahl angeklagt. Nach einem Rechtsgespräch mit den beiden Verteidigern Jörg Jendricke und Selina Riemer rückten die Richter allerdings von diesem Vorwurf ab und hielten allenfalls einen schweren Diebstahl für wahrscheinlich. Juristischer Hintergrund war dabei: Zu einer Bande gehören mindestens drei Täter. Vier waren es am Rastplatz. Doch ob sie vorher Verabredungen trafen, ließ sich nicht nachweisen.

Nur zwei Verurteilte

Dass die jetzt auf der Anklagebank sitzenden Männer mit dabei waren, als auf professionelle Art Dieseltreibstoff umgepumpt und dieses kriminelle Vorgehen auch zugegeben wurde, sollte nach einer im Prozessverlauf geäußerten Meinung des Schöffengerichts mit Bewährungshaftstrafen geahndet werden. So kam es dann auch nach mehrstündigem Prozess. Die beiden am Dieseldiebstahl beteiligten Männer bekamen jeweils ein Jahr Gefängnis mit Bewährung und konnten nach fast sechsmonatiger U-Haft in ihre Heimat ausreisen.

Zurück bleibt: Der dritte seinerzeit festgenommene Südosteuropäer , als Zeuge geladen, konnte wegen Corona nicht kommen. Der vierte Täter, damals zusammen mit ihm in einem eigenen Lkw unterwegs, ist bis heute nicht identifiziert.

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