15.11.2019 - 16:17 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

"Pro Ehrenamt": Geld besser sinnvoller einsetzen

Nachdem der Gemeinderat sich für einen hauptamtlichen Bürgermeister ausgesprochen hat, möchten die Befürworter von "Pro Ehrenamt" genau das verhindern. Die Initiatoren legen bei einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien ihre Sicht der Dinge dar.

Helmut Prechtl und Thomas Neidl (von links) wollen, dass der Bürgermeister in Schmidgaden auch künftig ehrenamtlich arbeitet. Auch Ägidius Viehauser gehört der Initiative „Pro Ehrenamt“ an, er wollte allerdings nicht vor die Kamera.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Die Rottendorfer Thomas Neidl (51), Helmut Prechtl (51) und Ägidius Viehauser (52) sind sich einig: Die Bürger haben sich vor sechs Jahren schon klar dafür ausgesprochen, dass der Bürgermeister weiter ehrenamtlich bleiben soll. Die Initiatoren von "Pro Ehrenamt" sagen, dass sich an der Ausgangslage nicht viel geändert habe. Viehauser erklärte bei einem Pressegespräch in Rottendorf: "Meine Meinung, warum sich ein hauptamtlicher Bürgermeister nicht rechtfertigt, ist ganz einfach. Es ist vor sechs Jahren ein Bürgerentscheid gewesen. Das Hauptamt ist eindeutig abgelehnt worden. Es haben sich Aufgaben verändert, es hat sich was entwickelt - das streitet kein Mensch ab. Aber: Es hat sich auch was bei uns auf der Gemeinde geändert. Es sind wesentlich mehr Leute beschäftigt."

Das Argument, dass sich das Haushaltsvolumen seit 2014 verdoppelt hat (von fünf auf über zehn Millionen Euro) lassen sie nicht gelten. Diesen Anstieg sieht Neidl etwa begründet in der Inflation und allgemeinen Preissteigerungen. "Außerdem werden die Haushaltsentwürfe höher angesetzt als in früheren Amtsperioden", erklärte der 51-Jährige. Einige im Haushalt angesetzten Maßnahmen würden nicht umgesetzt, der Haushaltsansatz sei überzogen. Auf keinen Fall könne seiner Meinung nach aus den Zahlen geschlussfolgert werden, dass sich die Arbeit des Bürgermeisters verdoppelt habe.

Das sagt die Gegenseite "Pro Hauptamt"

Schmidgaden

Für Entlastung gesorgt

Hinzu komme: Die vielen Einstellungen sowie Schulungen und Weiterbildungen in der Verwaltung und am Bauhof sollten nach einer gewissen Vorlaufzeit "Früchte tragen und eine Entlastung des Bürgermeisters nach so ziehen". Ebenso habe der Bürgermeister zwei Vertreter, die ebenfalls für Entlastung sorgen. Prinzipiell sei zudem in den vergangenen Jahren viel erreicht worden, weshalb Prechtl erklärte: "Jetzt ist mehr oder weniger die meiste Arbeit schon gemacht. Die nächsten sechs Jahre hat der Bürgermeister in jedem Fall weniger Arbeit als die letzten sechs Jahre."

Neidl führt noch ein weiteres Argument an: "Wenn nach sechs Jahren, sprich nach einer Amtsperiode, ein hauptamtlicher Bürgermeister nicht mehr gewählt wird, ist für einen, vorher in der freien Wirtschaft Tätigen, die Rückkehr zu seinem ursprünglichen Beruf so gut wie unmöglich. Das schreckt kompetente Bewerber in gehobenen Stellungen ab." Bei einem Ehrenamtlichen würde diese Situation nicht auftreten.

"Bürgermeister gerecht bezahlt"

Kritisch sehen die drei Vertreter der Initiative "Pro Ehrenamt" die Aussage des aktuellen Rathauschefs Josef Deichl, dass er seine Kandidatur davon abhängig macht, ob das Bürgermeisteramt künftig hauptamtlich ausgeführt wird, oder nicht. "Das ist ein Schwachpunkt. Und durch seine Aussage beeinflusst er auch das Stimmverhalten der Gemeinderäte", monierte Viehauser. Das Gremium hatte im Vorfeld für die Hauptamtlichkeit votiert, was zu einem Bürgerbegehren führte, das im Bürgerentscheid mündete.

Außerdem legte der 52-Jährige nach: "Der Bürgermeister hat viel Arbeit, das weiß er aber. Wenn ein Kandidat sich aufstellen lässt, dann ist er sich im klaren, dass er nicht mit einer 30- und auch nicht mit einer 40-Stunden-Woche rumkommt, wenn er noch in die Arbeit gehen muss." Den Befürchtungen derjenigen, die einen hauptamtlichen Bürgermeister favorisieren, dass sich kein geeigneter Kandidat fürs Ehrenamt finde, widersprach Viehauser. "Es wird einen Kandidaten geben. Wir sind uns zu 99,9 Prozent sicher: Es wird einen geben." Auf Nachfragen, ob er denn dabei konkret jemand im Blick habe, antwortete der Rottendorfer nur ausweichend. Außerdem erklärte Prechtl: "Für eine Gemeinde in der Größenordnung ist der Bürgermeister gerecht bezahlt." Einig sind sich die drei Rottendorfer, dass die zusätzlichen Kosten, die bei einem hauptamtlichen Bürgermeister entstehen würden, sinnvoller eingesetzt werden könnten. Dazu zählen sie die Senkung der Kita-Gebühren, ein kostenloser Bustransport der Kindergartenkinder aus den umliegenden Orten, ein einmal im Jahr stattfindendes Treffen für die Jugend samt Verpflegung, ein Frühjahrs- und ein Herbsttreffen für Senioren sowie einen Ausflug (kostenlos) im Sommer und die Förderung von Vereinen mit Zuschüssen für Veranstaltungen, um jüngere Mitglieder zu gewinnen. Der Rest des Geldes könnte für schlechtere Zeiten gespart werden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

A. Schmigoner

Die Initiatoren von "Pro Ehrenamt" waren bisher weder im Gemeinderat noch in der Kommunalpolitik vor Ort engagiert. Sind ihre Aussagen zum Thema sachgerecht und praxisbezogen?
Initiator Neidl meint, dass das „Hauptamt“ kompetente Bewerber in gehobenen Stellungen abschrecke." Alle Erfahrungen belegen allerdings das Gegenteil: Führungskräfte (z.B. ein Ingenieur bei Siemens) erleiden schon im Hauptamt finanzielle Einbußen. Bei einem ehrenamtlichen Bürgermeister stellt sich diese Frage für einen derartigen Bewerber gar nicht: Er müsste auf mehr als die Hälfte seines Gehalts verzichten. Zusätzlich gibt es den Ärger und die Wochenendtermine gratis zum Amt.
Ähnlich verhält es sich mit der Aussage von Herrn Prechtl: „Prinzipiell sei zudem in den vergangenen Jahren viel erreicht worden, weshalb Prechtl erklärte: "Jetzt ist mehr oder weniger die meiste Arbeit schon gemacht. Die nächsten sechs Jahre hat der Bürgermeister in jedem Fall weniger Arbeit als die letzten sechs Jahre."
Gehen einem künftigen Bürgermeister also die Projekte und die Arbeit aus? Wie kommt Herr Prechtl zu dieser Aussage, steht sie doch im exakten Gegensatz zu den Angaben der Gemeinderäte, die pro Hauptamt gestimmt haben? Liegen Herrn Prechtl bessere Informationen vor, als jenen Leuten, die den Finanzplan der kommenden Jahre beschlossen haben und sich jede Sitzung mit den umfangreichen Aufgaben und Projekten der Gemeinde Schmidgaden auseinanderersetzen? In den Infoveranstaltungen zum Bürgerentscheid war vom Neubau eines Kindergartens, dem Straßenbau in allen Ortsteilen, Sicherung des Schulstandorts, Sanierung der Wasserversorgung, Kanalsanierungen, neuen Bau- und Gewerbegebieten die Rede, um nur die wichtigsten zu nennen.
Die Vermutung liegt nahe, dass den Initiatoren von "Pro Ehrenamt" doch der Einblick in die Struktur und Aufgaben der Gemeinde fehlt.

17.11.2019