18.11.2021 - 10:01 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Unternehmer fordern Leitbild: Wo will Schmidgaden hin?

Vom Armenhaus an der holprigen Staatsstraße zum Industriestandort an der neuen Autobahn: Schmidgaden hat eine sich rasant entwickelt. Das sorgt für Gesprächsbedarf – diesmal bei den Gewerbetreibenden.

Blick auf das Quadrus-Gelände in Schmidgaden. Rechts im Bild der Mühlweiher. Vorne die Straße, die Richtung Inzendorf führt.
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Wir müssen mal wieder miteinander reden", das war der Grundgedanke von Bürgermeister Josef Deichl, als er zum Dämmerschoppen der Gewerbetreibenden aus der Gemeinde Schmidgaden in das Gasthaus Anderl eingeladen hatte. Gesprächsbedarf gibt es, das wurde bei der Zusammenkunft schnell deutlich. Der Wirtschaftsstandort Schmidgaden brummt und der Gemeinderat sucht Antworten auf den Boom.

Ungeahnter Boom

In den vergangenen beiden Sitzungen hat der Gemeinderat zwei neue Gewerbegebiete auf den Weg gebracht – eines in Trisching (zehn Parzellen) und eines in Schmidgaden (acht Parzellen). Bürgermeister Deichl muss sich beim Verkauf der Flächen keine Sorgen machen, die Grundstücke sind sehr gefragt. "Vor einigen Jahren war das noch ganz anders", blickte der Rathauschef zurück. Deshalb seien in der Vergangenheit einige Weichen auch anders gestellt worden.

Vor 20 Jahren sei zum Beispiel noch nicht absehbar gewesen, welchen Aufschwung die Metalltechnik-Firma Quadrus nimmt. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile mehr als 300 Mitarbeiter. Am Sitz des Betriebes ist es aber nicht möglich, rund um die Uhr zu arbeiten, weil es sich um ein Gewerbegebiet und nicht um ein Industriegebiet handelt. Nicht nur Quadrus leidet unter diesen Einschränkungen, auch andere Unternehmen würden gerne wachsen und ihre Produktion ausbauen.

Lärmschutz als Problem

"Wir möchten investieren", zeigte etwa Wolfgang Meier vom Sägewerk auf. Die Investitionen seien wichtig für das Überleben des Betriebs und die Sicherung der Arbeitsplätze. Allerdings brauche er Planungssicherheit, bevor er eine Menge Geld in die Hand nehme. Andere Unternehmer aus seiner Nachbarschaft pflichteten ihm bei. Im Gewerbegebiet Schmidgaden waren von Anfang an Betriebsleiter-Wohnungen mit vorgesehen, die nun privat bewohnt werden. Und hier gilt es, bestimmte Vorgaben zum Lärmschutz einzuhalten.

Wäre der Wirtschaftsboom vorhersehbar gewesen, hätte der Gemeinderat vor vielen Jahren die Weichen wohl anders gestellt. Aus diesem Grund forderte Stefan Dobler vom Lebensmittelmarkt in der Ortsmitte ein Leitbild für die Kommune. "Wo will Schmidgaden hin?", fragte er. "Mir fehlt eine Vision, wo wir in 10 oder 20 Jahren stehen wollen." Bürgermeister Deichl und einige Gemeinderäte, die gekommen waren, nahmen die Anregung auf. "Die Frage interessiert mich brennend", erklärte Deichl, schränkte aber gleichzeitig ein: "Wir brauchen Zeit und Leute, die sich für das Leitbild engagieren."

"Zeigen, was wir haben"

Mit dem Leitbild könnte ein Konzept für die Außendarstellung einhergehen. Denn auch diese wurde von einigen Gewerbetreibenden als wichtig erachtet. "Für was steht Schmidgaden? Welche Botschaft senden wir aus? Ich finde das kommt bisher nicht raus?", sagte ein junger Unternehmer. Die Außendarstellung sei nicht nur wichtig für die Vermarktung der Gewerbeflächen, sondern auch für die Ansiedlung junger Familien. "Fachkräfte sollen sich in Schmidgaden wohlfühlen. Wir können ruhig zeigen, was wir haben." Vielleicht war der Dämmerschoppen der Auftakt für den Leitbild-Prozess, immerhin soll es eine Wiederholung der Veranstaltung im Mai 2022 geben.

Neuer Platz für neue Betriebe

Schmidgaden

"Wir brauchen Zeit und Leute, die sich für das Leitbild engagieren."

Bürgermeister Josef Deichl

Bürgermeister Josef Deichl

 

 

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